Royale Doppelnummer

… oder warum Kaiser Franz der II. und der I. ist.

Nummerierungen erleichtern unser Leben im Alltag. Egal, ob bei Aufzählungspunkten in einem Vertrag, bei der Nummerierung von Häusern oder bei der Startaufstellung im Sport. Auch zur Unterscheidung von Personen mit gleichem Vornamen können Nummerierungen hilfreich sein. Vor allem in adeligen Kreisen besteht des öfteren eine Notwendigkeit dafür. Also heißt es „durchnummerieren“. Sonst könnte man den Opa nicht vom Enkel unterscheiden oder die Mutter von der Tochter. In der Regel wird mit römischen Ziffern (I., II., III., …) nummeriert. Diese Vorgehensweise zieht sich in Europa durch die Jahrhunderte. Wir werden uns dessen bewusst, wenn wir im Geschichtsunterricht die bedeutenden Taten großer Persönlichkeiten lernen sollen. Von England mit König Heinrich VIII. über Frankreich mit Sonnenkönig Ludwig XIV. bis hin zu Italien mit König Viktor Emmanuel II. Als ich vor kurzem durch die Innenstadt schlenderte, kam ich an der Statue von Kaiser Franz II./I. vorbei. Wie Franz II./I.? Wieso hat der Typ gleich zwei Nummern? Nun kommen wir erst einmal zur Frage, wer dieser zweite und zugleich erste Franz ist.

Heiliges Römisches Reich um 1789

Heiliges Römisches Reich um 1789

Franz II./I. war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Ab dem 10. Jahrhundert entstand das Heilige Römische Reich im mitteleuropäischen Raum. Es setzte sich aus vielen, unterschiedlich großen Herrschaftsgebieten, die zu einem politischen Gebilde vereint waren, zusammen. Zu Zeiten Franz II./I., also um 1800, sah das Reich dann aus wie ein schlecht zusammengenähter Fleckerlteppich.
Ganz oben in der Hackordnung des Heiligen Römischen Reiches stand der römisch-deutsche Kaiser (Wahlkaisertum!). Die Kaiser stammten aus den verschiedensten Adelshäusern Europas. Mal war es das Geschlecht der Ottonen, mal die Familie der Staufer oder das Haus der Luxemburger, die das Heilige Römische Reich regierten. Auch Vertreter aus dem Geschlecht der Habsburger sind darunter, wie eben Franz II./I.

Kaiser Franz II./I.

Kaiser Franz II./I.

Franz II./I. (1768-1835) war der Enkel Maria Theresias und der Neffe von Kaiser Joseph II. Er hatte eine gute Ausbildung durch seinen Onkel genossen und nannte sich in jungen Jahren selbst den „Kaiserlehrling“. Im Jahr 1792 wurde der Habsburger zu Kaiser Franz II., Herrscher über das Heilige Römische Reich, gewählt. In seine Regierungszeit fielen Ereignisse, die für Europa einschneidend waren. 1799 kam Napoleon Bonaparte in Frankreich an die Macht. Bei seinen außenpolitischen Plänen war ihm das Heilige Römische Reich ein Dorn im Auge. Er setzte zahlreiche politische Maßnahmen, die das Reichsgebilde schwächen sollten. Nun kann man sich gut vorstellen, dass Kaiser Franz II. darüber ganz und gar nicht „amused“ war. Napoleon setzte dem ganzen, im wahrsten Sinn des Wortes, die Krone auf: Er machte sich 1804 zum Kaiser der Franzosen. Das konnte Franz II. nicht auf sich sitzen lassen und in ihm stieg auch die Angst, dass Napoleon Kaiser des Heiligen Römischen Reiches werden könnte. Also nahm Franz II. den Titel eines Kaisers von Österreich (Erbkaisertum!) an. Bislang war Österreich kein Kaiserreich, sondern als Erzherzogtum Österreich ein Teil des Heiligen Römischen Reiches gewesen.

Damit trug Kaiser Franz zwei Titel:

  1. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und
  2. Kaiser von Österreich

Also brauchte er als Doppelkaiser auch zwei Nummern: Franz II./I. Als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war er der II., da es bereits einen Kaiser Franz I. Stephan gegeben hatte. Als Kaiser von Österreich hat sich Franz die Nummer I. gesichert.

Lange war es Franz nicht vergönnt, ein Doppelkaiser zu sein. Die ganze Sache mit der doppelten Nummerierung wurde hinfällig, als 1806 das Heilige Römische Reich aufgelöst wurde. Der politische Druck Napoleons war zu stark geworden. Franz II./I. blieb weiter der Kaiser von Österreich und trug nun den Namen Kaiser Franz I. von Österreich. Insgesamt gab es nur 4 österreichische Kaiser. Der letzte Habsburger, der diesen Titel trug, war Kaiser Karl I., Großneffe von Kaiser Franz Joseph I. Mit Ende des 1. Weltkrieges im Jahr 1918 war es mit dem Kaisertum Österreich vorbei.

Verabschieden wir uns für heute von Kaiser Franz II./I. und den Habsburgern. Nächste Woche geht es dann um einen unstillbaren Appetit auf menschliche Seelen.

„Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“ (Henry Ford)

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. na, da hab ich ja richtig geraten um wen es in deinem zweiten beitrag gehen wird. 🙂 daran konnte ich mich noch dunkel aus dem Geschichtsunterricht in der Schule erinnern.
    schade, dass die Karte des Heiligen Römischen Reiches so klein ist, man kann fast nichts lesen..
    hast du vielleicht auch einen link zu einer grösseren version?
    der gute Franz sieht auf dem Bild irgendwie so aus als hätte er Magenschmerzen oder Verstopfung… hat bestimmt gerade an Napoleon gedacht!

  2. @Vro, das ist auf wikimedia, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:HRR_1789.png Da kannst es ganz groß auch anschauen. Ich glaub der liebe Franz hat einfach so schwer an seiner Habsburgerlippe zu tragen, die zieht das Gesicht so nach unten 😛

    Ansonsten: cooler Artikel 🙂 Chrisi und ich waren voll überrascht wie kurz Österreich eigentlich nur Kaiser hatte. Da hab ich noch nie so drüber nachgedacht. Warten schon gespannt auf Montag!

    • Also ich hab beide Bilder aus einem Studienbuch. Aber online findet man sie natürlich auch.
      Das freut mich, dass euch die Artikel gefallen und dass ihr etwas Neues erfahren habt. 🙂

  3. Pingback: Städtebelagerer, Wohltäter und Erlöser - Geschichte ist alles

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