Dabei sein ist alles

… oder was in Olympia geschah.

Es ist wieder mal soweit! Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi haben begonnen. Nach einer pompösen, ja geradezu verschwenderischen, Eröffnungsfeier am Freitag haben die österreichischen AthletInnen bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Runde Scheiben aus Edelmetallen werden demnächst an ihren Hälsen baumeln. Da sich gerade viele Menschen im Rausch dieser Veranstaltung befinden, hab ich mir gedacht, ich schreib‘ ein bisschen was über die antiken Olympischen Spiele. Damit man weiß, wo und wie das alles seinen Anfang genommen hat.

Die Olympischen Spiele sind sicher eines der bekanntesten Überbleibsel aus der Antike. In unserer Zeit werden die Olympischen Spiele, Sommer wie Winter, öfter fälschlicherweise als „Olympia“ oder schlimmer noch als „Olympiade“ bezeichnet. Letzteres, Zeus sei Dank, hört man immer seltener, aber hier die drei Begriffe in aller Kürze:

  • Die Olympischen Spiele, sowohl die antike als auch die moderne, sind Wettkämpfe in unterschiedlichen Disziplinen.
  • Olympia ist ein Ort in Griechenland, an dem die antiken Olympischen Spiele abgehalten wurden.
  • Eine Olympiade ist ein Zeitraum von vier Jahren, der zwischen zwei Olympischen Spielen liegt.

Das Jahr 776 v. Chr. markiert den Beginn der antiken Olympischen Spiele und ab diesem Zeitpunkt werden Siegerlisten geführt. Allerdings gab es schon vor diesem Zeitpunkt Feste und Wettkämpfe in Olympia. Wie bereits erwähnt, fanden die Spiele alle vier Jahre statt und dazwischen lag eine Olympiade. Diese Zeitspanne bildete auch eine Grundlage für eine Form der antiken Zeitrechnung. Die Spiele wurden im Sommer abgehalten, einen Monat nach der Sommersonnenwende. Im antiken Griechenland kannte man aber noch andere Spiele. Es gab die Isthmischen Spiele, die Pythischen Spiele und die Nemeaischen Spiele. Die Olympischen Spiele waren allerdings schon damals die bedeutendsten. Zusammen bildeten sie die vier panhellenischen (gesamtgriechischen) Festspiele.

Ein interessanter Aspekt ist der Olympische Frieden, der während der Spiele galt. Laut den Quellen wurde er ebenfalls 776 v. Chr. eingeführt. Der Friede trat schon vor Beginn der Spiele in Kraft, damit die Athleten ungehindert anreisen konnten. Die Olympischen Spiele wurden zu Ehren der Götter, allen voran Zeus, abgehalten. Anfangs durften nur freie, männliche Griechen daran teilnehmen. Später wurde es auch Römern gestattet. Das ist heute doch etwas anders. Immerhin hat Griechenland bis heute die Ehre bei Olympischen Spielen als erstes Land einziehen zu dürfen. Auch das Olympische Feuer wird von Olympia aus in die Welt geschickt, heutzutage sogar in den Weltraum. Doch zurück zu den Teilnahmebedingungen. Wichtig war auch, dass man kein Verbrechen begangen hatte. Alle Teilnehmer mussten, wie heute, einen Eid ablegen, dass sie die Wettkampfregeln befolgen werden. Auch damals gab es schon Schiedsrichter, die gleichzeitig auch als Preisverleiher tätig waren. Bei Regelverstößen setzte es entweder Geld- aber auch Körperstrafen. 30 Tage hatten die Athleten vor den Spielen Zeit sich auf die Wettkämpfe vorzubereiten. Der vielleicht prominenteste Teilnehmer der Olympischen Spiele war Kaiser Nero, seines Zeichens Wagenlenker und Musiker. Royale TeilnehmerInnen sieht man heute noch wie z.B. Zara Anne Elizabeth Phillips, die Enkelin der Queen.

Zur Dauer der Spiele ist zu sagen, dass sie mit der Zeit immer länger wurden. Der Grund dafür war, dass immer mehr Wettkampfarten, genannt Agone, hinzugefügt wurden. Vor allem Wettläufe aller Art wie Stadionlauf oder Kampfsportbewerbe wie Faustkampf waren zu sehen. Dazu kamen mit der Zeit die hippischen Disziplinen, also alles was man sportlich so mit Pferden anstellen kann. Aber es gab auch musische Wettbewerbe wie Trompete spielen oder den Bewerb „Griechenland sucht den Super-Herold!“.

Ein Ölbaum

Ölbaum

Das einzige, das bei den antiken Olympischen Spielen wirklich zählte, war zu gewinnen. Nur die Sieger wurden geehrte. Nix „Dabei sein ist alles“. Einen Sieger der Olympischen Spiele nannte man „Olympionike“. Sein Name ging in die Siegerlisten und Loblieder ein. Anders als in der Moderne erhielt ein Olympionike keine Medaille, sondern einen Zweig des heiligen Ölbaumes sowie wertvolle Naturalien wie Olivenöl oder Gerste.

In seiner Heimatstadt erwarteten den Sieger höchste Ehren. Zunächst bekam er einen feierlichen Empfang inklusive Festmahl. Für den Rest seines Lebens erhielt der Olympionike Essen auf Kosten seiner Heimatstadt, Steuerfreiheit und manchen wurde eine Statue errichtet. Ein Sieg in Olympia konnte auch ein Karrieresprungbrett sein. Einige Sieger schafften den Aufstieg zu Heerführern, Diplomaten oder Politikern. In der heutigen Zeit werden sie meistens zu Werbestars oder Co-Moderatoren. Der größte Triumph für einen Athleten war es aber in allen vier Spielen siegreich zu sein. Ein Beispiel dafür wäre Milon von Kroton. Seine Bilanz als Ringer ist unglaublich: 6 olympische, 6 pythische, 10 isthmische und 9 nemeische Siege. Mein lieber Schwan, alle Achtung!

Die Olympischen Spiele boten die Gelegenheit für Künstler oder Schriftsteller, ihre Werke bekannt zu machen. Aber auch politische Interaktion fand im Hintergrund der Spiele statt. Was die Zuschauer betrifft, sei hier noch erwähnt, dass verheiratete Frauen ausgeschlossen waren.

Alles geht einmal zu Ende und so geschah es auch mit den antiken Olympischen Spielen. 393 n. Chr. schaffte Kaiser Theodosius I. die Wettkämpfe ab. Erst 1896 wurden die Olympischen Spiele der Neuzeit ins Leben gerufen. Austragungsort war Athen. Im Jahr 1924 kamen dann auch die Winterspiele hinzu und die beiden wechseln sich seither alle zwei Jahre ab.

Allen Fans der Winterspiele 2014 wünsche ich noch viel Vergnügen beim Zuschauen und Daumendrücken. Allen anderen entweder viel Geduld mit dem Fernsehprogramm oder viel Spaß bei anderen Beschäftigungen. In einer Woche treffen wir dann in der Stadt der Liebe auf ein sehr spezielles Grab.

„Keine Stunde, die man mit Sport verbringt, ist verloren.“ (Winston Churchill)

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Also, hier kenne ich mich schon wieder ein wenig besser aus… muss wohl an den altphilologischen Eltern liegen 😉 …
    Erst mal: Danke dass ich nicht der einzige Mensch bin, den es stört, dass die Leute von der „Olympiade in Sotschi“ reden!!! Ich meine, die gibt es natürlich auch, aber die ist vermutlich eher unspektakulär…
    Ich möchte kein Athlet in der Antike sein, einen Monat nach der Sommersonnenwende ist dort ja immer noch verdammt heiss. Ich war auch schon in Olympia (allerdings wohl eher um die Sommersonnenwende herum) und ich bin dort schon als Tourist erbärmlich eingegangen. Nicht auszudenken, wenn ich mich dort auch noch hätte sportlich betätigen müssen. Ok, vielleicht in den hippischen Disziplinen. Aber die armen Gäule…
    Die waren eben noch kompromisslos die Griechen. „Dabei sein ist alles“ ist halt nur für Verlierer 😉 … nein, stimmt natürlich nicht
    Hat Nero denn was gewonnen? Oder hat er sich eher geschlagen wie die Promis in unserer Zeit (das gilt nicht für die Enkelin der Queen, die hat durchaus was drauf)? Ich denke da an einen gewissen Prinzen (oder hat der aufgehört?) und eine Stargeigerin, die heute im Internet (merfach) charmant als „Pistenschnecke“ bezeichnet wurde 😉 ….

    • Die Hoffnung soll man ja nie aufgeben, aber nachdem auch die Berichterstatter des ORF immer wieder von Olympia und die teilnehmenden AthletInnen von der Olympiade sprechen, ist schon einiges im Argen.
      In Olympia war ich persönlich noch nie. Hab aber fix vor es mir mal anzusehen.
      In den musischen Wettbewerben soll Nero gewonnen haben und ich meine mich zu erinnern, dass er auch beim Wagenrennen siegreich war. Aber erst nachdem er aus dem Wagen gefallen war. Tja,…

  2. Pingback: Antikes Sightseeing – Teil 2 - Geschichte ist alles

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