Kleiner Mann ganz groß

… oder wo Napoleon seine letzte Ruhestätte fand.

Fast jeder fährt während der Schulzeit mindestens einmal ins Ausland. Bei mir war es unter anderem eine Woche Paris. Ah, die Stadt der Liebe! Doch von Romantik keine Spur. Unsere Französischprofessorin legte ein dermaßen rasantes Tempo vor, dass die ganze Klasse nur atemlos hinterher keuchen konnte. Rauf auf den Eiffelturm, einmal durch den Louvre, kurze Verschnaufpause bei Notre Dame, dann unter dem Arc de Triomphe durch und den Hügel rauf nach Sacré Cœur. Puh, ganz schön stressig. Schon damals beschloss ich Paris nocheinmal zu besuchen. Damit ich die Stadt nicht nur im Schnelldurchlauf ansehen konnte.

Privataufnahme

Invalidendom in Paris

Bei unserem „Run“ durch Paris kamen wir auch zum Hôtel des Invalides im Herzen der Stadt. 1670 begann man auf Befehl von König Ludwig XIV. mit der Errichtung des gewaltigen Komplexes. Es sollte vor allem als Kriegsinvalidenheim dienen. Der Invalidendom, erbaut von 1679-1708, erhebt sich mit seiner mächtigen Kuppel im hinteren Teil des Geländes. Doch was ist an dieser Kirche für Kriegsversehrte so interessant. Nun, der Invalidendom beherbergt das Grab einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Geschichte: Napoleon Bonaparte, Kaiser der Franzosen.

Erst 1840, also 19 Jahre nach seinem Tod im Exil auf St. Helena, überführte man die sterblichen Überreste von Napoleon nach Paris. Vorbei ging es am Arc de Triomphe über die Champs Elysée bis der Leichenzug am Invalidendom angekommen war. Dabei war nicht von vorn herein klar, dass Napoleon seine letzte Ruhestätte in dieser Kirche finden würde. Auch Orte wie der Arc de Triomphe oder der Place de la Vendôme standen zur Diskussion.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich im Inneren des Invalidendoms plötzlich vor einem riesigen Loch mit Geländer stand. Als ich mich darüber beugte, fiel mein Blick sofort auf einen gewaltigen braunen Sarkophag, der blank poliert im Licht glänzte. Der Sarg wurde von dem Architekten Louis Visconti entworfen. Der Künstler überwachte die Fertigstellung höchst persönlich. Da drinnen also liegt Napoleon, Kaiser der Franzosen. Ein Gedanke huschte sofort durch meinen Kopf: „So ein großer Sarg für einen so kleinen Mann.“

eigenes Foto

Napoleons Sarkophag im Invalidendom

Später gingen wir hinunter in den Raum, in dem der Sarkophag stand. Auch dort verlor er nichts von seiner imposanten Erscheinung. Höchst passend für Napoleon, Kaiser der Franzosen und Führer der Grande Armée. Einen Mann, der fast ganz Europa erobert hatte, konnte gar nicht anders zur letzten Ruhe gebettet werden.

Wenn man oben auf Napoleons Sarkophag hinunterblickt, muss man sich wie erwähnt, ziemlich nach vorne beugen. So hat man den Eindruck, dass man sich immer noch vor Napoleon verbeugen muss. Steht man direkt davor, muss man seinen Hals ganz schön strecken und blickt hinauf zum Kaiser der Franzosen. Zumindest ungefähr so erklärte es uns die Dame, die uns durch den Invalidendom führte. Allerdings könnte es auch sein, dass ich sie missverstanden habe, denn mein Französisch war zu diesem Zeitpunkt nicht gerade perfekt.

Verbeugen wir uns noch einmal vor dem kleinen Mann mit dem großen Sarkophag und verlassen Paris Richtung England. Nächste Woche steht die Geschichte einer mittlerweile weltweit bestehende Jugendbewegung im Zentrum.

„Das Schlechte an Minderwertigkeitskomplexen ist, dass die falschen Leute sie haben.“ (Jacques Tati)

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  1. Ich finde es ein bisschen komisch, dass sie ihn erst verbannt und dann so einen Aufwand bei seiner Bestattung betrieben haben. Aber bitte, jeder wie er mag. In Paris war ich noch nie, aber immer gut zu wissen, was man sich ansehen sollte, sollte man jemals dorthin gelangen.

    Ich glaub diesmal weiss ich um was es im nächsten Artikel gehen wird! Juchu! 😀

    • Die Diskussion vor Napo’s Rückkehr nach Frankreich wäre einen eigenen Blogeintrag wert. Deswegen hat es ja auch so lange gedauert + die politischen Umstände und Wirren. Naja, jetzt liegt/thront er dort.
      Falls du mal hinkommst, wirst du merken, was ich mit „verneigen“ meine. Eintrittspreis: 8 €, aber das ist so der Standardpreis in Paris, kommt mir vor.

      Schau ma nächsten Sonntag, ob du richtig liegst. 😉

  2. Jahaa den nächsten Artikel weiß ich auch schon 🙂 Aber cool, ich hab gedacht der kleine Größenwahnsinnige ist einfach auf St. Helena begraben. Und wieder was gelernt. Aber ja, ein bisschen Hintergrundgeschichte zur Umbettung wär interessant!

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