Allzeit bereit

… oder wer ist BiPi?

„Schau mal, da drüben! Da, die mit Uniform und Halstuch.“ „Ich glaub, das sind Pfadfinder.“ „Ach ja die, die alten Omas über die Straße helfen.“ „Ja, genau die. Die müssen jeden Tag eine gute Tat machen, oder so.“ Solche und ähnliche Sätze habe ich in den vergangenen 25 Jahren oft gehört. Weil ich Pfadfinderin bin. Weil auch ich ein Halstuch trage. Aber ich sag’s gleich, um hilfsbedürftig aussehende Omas mache ich seit ein paar Jahren einen großen Bogen. Ich wollte einmal einer älteren, gebrechlich wirkenden Dame aus der Straßenbahn helfen, weil sie viele Einkaufssackerl in den Händen hatte. Allerdings glaubte die Dame ich wollte sie bestehlen und klammerte sich fest an ihre Beute aus der Einkaufstour. Schon prasselten Beschimpfungen auf mich nieder und nix wurde es mit der guten Tat. Gott sei Dank gibt es noch andere Möglichkeiten Menschen zu helfen.

Doch Spaß bei Seite. Auf der ganzen Welt sind unzählige PfadfinderleiterInnen ehrenamtlich tätig, um Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu bieten und sie auf einem Teil ihres Lebensweges zu begleiten. Ich selbst war sowohl als Kind als auch als Jugendliche bei den Pfadfindern, bevor ich die Entscheidung traf, mich als Leiterin zu engagieren. Frei nach dem Wahlspruch „Allzeit bereit“.

Am 22. Februar ist der so genannte „Thinking Day“ oder auch „Founders Day“. An diesem Tag feiern der Gründer der Pfadfinderbewegung sowie seine Frau ihre Geburtstage. Das ist für mich Grund genug, den Pfadfindern und ihrer Geschichte diesen Beitrag zu widmen.

BiPi

Robert Baden-Powell Lord of Gilwell

Der Name unseres Gründers lautet Robert Stephenson Smith Baden Powell Lord of Gilwell oder kurz BiPi. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Baden Powell die Pfadfinder ins Leben gerufen hat. Im Jahr 1857 wurde BiPi in London geboren und sorgte nach dem Tod seines Vaters für sich und seine Geschwister. Die Familie hatte nie viel Geld, doch BiPi besaß Einfallsreichtum und war äußerst geschickt. Er verbrachte einen Großteil seiner Zeit mit seinen Geschwistern in der freien Natur und die Kinder lernten sich dort zurecht zu finden. Nachdem BiPi die Schule beendet hatte, meldete er sich, wie viele junge Männer, als Soldat. Während seiner Zeit beim Militär beschäftigte sich Baden-Powell vor allem mit Orientierung im Gelände, Spurenlesen sowie Naturkunde. BiPi lernte durch seine Aufenthalte in Indien und Südafrika viel über diese Länder sowie über die Menschen, die dort lebten. Er schrieb ein Buch mit dem Titel „Aids to Scouting“ und musste nach seiner Rückkehr nach England überrascht feststellen, dass sich sein Werk enormer Beliebtheit unter jungen Burschen erfreute.

Das brachte BiPi auf eine großartige Idee. 1907 veranstaltete er auf der Insel Brownsea in Südengland ein Zeltlager für Burschen, um ihnen zu zeigen, wie sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Die Erfahrungen, die er dabei sammelte, verarbeitete BiPi in einem weiteren Buch namens „Scouting for boys“. Bereits zwei Jahre nach der Aktion auf Brownsea Island gab es in England ungefähr 60.000 Pfadfinder. Baden Powell gab seine militärische Laufbahn auf, um sich ganz dem Aufbau der Pfadfinderbewegung zu widmen. Seine Ideen fanden auch in anderen Ländern begeisterten Zuspruch. Dazu zählten unter anderem Kanada, die USA, Südafrika und Chile. 1910 rief Baden-Powell dann auch die Pfadfinderinnenbewegung ins Leben. Vor allem seine Schwester Agnes und seine Ehefrau Olave bemühten sich in den darauffolgenden Jahren um deren Aufbau.

13 Jahre nach dem ersten Zeltlager in Brownsea wurde das erste Weltpfadfindertreffen, genannt „Jamboree“, in London veranstaltet, wo sich 8.000 Pfadfinder aus 33 Nationen einfanden. Und jährlich wurden es immer mehr Mitglieder. Baden Powell und seine Frau wurden für ihre Verdienste von König Georg V. geadelt und trugen nun den Titel „Lord und Lady of Gilwell“.

BiPi zog sich in den letzten Jahren seines Lebens nach Kenia zurück, das er zeitlebens geliebt hatte. Dort verstarb er 1941 im Alter von 84 Jahren. Seine Frau Olave half vor allem nach dem Ende des 2. Weltkrieges mit, die Pfadfinderbewegung wieder aufzubauen. Sie starb im Jahr 1977.

In Österreich gibt es seit 1910 Pfadfinder und die Mitgliederzahl wuchs in den folgenden Jahren stetig an. Doch während den beiden Weltkriegen kamen harte Zeiten auf die noch junge Bewegung zu. Im Dritten Reich waren die Pfadfinder sogar verboten, denn das nationalsozialistische Regime hatte ihre eigenen Kinder- und Jugendorganisationen. Doch im Untergrund trafen sich die Mitglieder vieler Gruppen weiter. So überlebte die Pfadfinderbewegung. Nach dem Ende des Krieges wurde das Verbot wieder aufgehoben und mittlerweile ist die Zahl der aktiven PfadfinderInnen in Österreich auf ca. 85.000 angewachsen. Über den österreichischen Pfadfindergruppen spannt sich der Bundesverband „Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs“ (PPÖ) wie ein Schirm. In den Bundesländern gibt es zusätzlich noch die Landesverbände.

Damit man ein bisschen besser versteht, worum es bei den PfadfinderInnen geht, hier ein Auszug aus der Verbandsordnung der PPÖ:

„Wir wollen helfen, junge Menschen zu bewussten Staatsbürgern und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten zu erziehen, die aus dem Glauben ihre Aufgabe in Familie, Beruf und Gesellschaft erfüllen. […]

Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs sind eine demokratische, parteipolitisch unabhängige Kinder- und Jugendbewegung, die Menschen aller Hautfarben und aller Religionsgemeinschaften offen steht. Wir treten für Umweltschutz ein, fördern partnerschaftliche Zusammenarbeit und erziehen zum Frieden. Wir sind offen für Menschen mit Behinderungen. Gemeinsam mit nicht-behinderten jungen Menschen gestalten Kinder und Jugendliche mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung ihre Freizeit.“ (https://www.ppoe.at/wir/pfadfinderin_sein) 

wosm

Logo der World Organization of Scout Movement

wagggs

Logo der World Association of Girl Guides and Girl Scouts

BiPi hat einmal die Hoffnung geäußert, dass aus seiner Idee eine Organisation entstehen könnte und er hat Recht behalten. Über die Jahre ist die Pfadfinderbewegung auf 38 Mio. Mitglieder in 169 Ländern angewachsen und international durch die beiden Weltverbände WOSM und WAGGGS organisiert. Auch zahlreiche berühmte Persönlichkeiten findet man in den Reihen der PfadfinderInnen. Da wären z.B. Leopold Figl, Neil Armstrong, Harrison Ford, Queen Elizabeth II., Vaclav Havel, Joanne K. Rowling, Thomas Gottschalk uvm.

Als Abschluss möchte ich hier einen Ausspruch von BiPi zitieren: „Versuch die Welt ein wenig besser zu verlassen als du sie vorgefunden hast.“ Egal, ob PfadfinderIn oder nicht, das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Damit für heute genug von BiPi und der Pfadfinderbewegung. Nächste Woche möchte ich zeigen, dass auch in finsteren Zeiten viele helle Lichter brennen.

„Seid nicht zufrieden mit dem Was, sondern erforscht das Warum und das Wie.“ (Lord Robert Baden-Powell)

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  1. Dacht ichs mir doch. Naja, das war ja nicht schwer zu erraten diesmal.
    Ein sehr schöner Post zu einem passenden Datum! Gefällt mir sehr, auch wenn mir der Inhalt schon bekannt war, schliesslich bin ich auch Pfadfinderin.
    Diese Organisation hat ganz schön was mitgemacht und sich auch selbst kräftig verändert im Laufe der Zeit. Zum Glück, denke ich, denn wenn ich so zuhöre, was mein Vater von seiner Pfadfinderzeit erzählt, dann war das ganze damals doch eher SEHR paramilitärisch. Mit Betonung auf den letzten Teil des Wortes. Umso mehr freut es mich, den Auszug aus der heutigen Verbandsordnung zu lesen.
    Auch wenn ich nicht mehr aktiv dabei bin, habe ich den Pfadfindern sehr viel zu verdanken, und jede Menge Spass auf diversen Lagern/Aktionen gehabt, viele interessante Menschen kennen gelernt und möchte die Zeit keinesfalls missen.
    Ich denke, auch die Tatsache, dass diese Jugendorganisation die ganze Zeit überlebt hat und setig weiterwächst, spricht auch für sich.
    Jedenfalls war es sehr schön, etwas darüber zu lesen bzw. das Gedächtnis aufzufrischen.

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