Erinnere dich an Solferino

… oder was die Idee eines einzelnen Menschen bewirken kann.

Beinahe jeden Tag hören wir laute Sirenen oder sehen Rettungswägen – meist die des Roten Kreuzes – auf der Straße an uns vorbeibrausen. Im Rahmen meines Maturaprojektes beschäftigte ich mich eingehender mit dem Roten Kreuz. Ziel dabei war die Mitgliedergewinnung unter LehrerInnen. Dabei arbeitete unser Team eng mit einem Ortsleiter der Organisation zusammen, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Meine Aufgabe war es, mich mit der Geschichte des Roten Kreuzes zu beschäftigen. Als unser Projekt beendet war, bekam jede(r) aus unserem Team ein knallrotes Büchlein geschenkt. Es trägt den Titel „Eine Erinnerung an Solferino“ und hat einen fixen Platz in meinem Bücherregal. Der Name des Autors lautet Henry Dunant. Doch was haben das Rote Kreuz, Solferino und Henry Dunant gemeinsam?

Im Jahr 1859 befand sich Österreich gegen Sardinien-Piemont und dessen Verbündeten Frankreich im so genannten Sardinischen Krieg. Dieser war eine Folge der italienischen Unabhängigkeitsbestrebungen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Ziel dieser Unabhängigkeitsbewegung war es, einen souveränen Nationalstaat Italien zu schaffen. Im Juni 1859 fanden die Schlachten von Magenta und Solferino statt. Die Verluste auf beiden Seiten waren sehr hoch, denn die medizinische Versorgung von Kriegsverletzten konnte man nur als unzureichend beschreiben. Viele der verwundeten Soldaten starben aufgrund ihrer Verletzungen noch auf dem Schlachtfeld, nachdem sie sich viele Stunde gequält hatten. Niemand kümmerte sich um die Versorgung ihrer Wunden oder spendete Trost in diesen schweren Stunden.

Henry Dunant

Henry Dunant

Der Schweizer Kaufmann Henry Dunant (1828-1910) wurde, während einer Geschäftsreise, Zeuge dieser menschenunwürdigen Zustände auf dem Schlachtfeld von Solferino. Das Leid der verletzten, oft tödlich verwundeten Menschen ging ihm sehr nahe. Henry Dunant beschloss zu handeln und errichtete in einem nahen Ort ein provisorisches Krankenhaus. Auch die Einheimischen unterstützen Dunant nach Kräften und kümmerten sich um alle Soldaten, egal ob Freund oder Feind. Dunant verarbeitet das Erlebte, in dem er ein Buch schreibt. Darin berichtet er äußerst detailliert von der Schlacht selbst, der Szenerie am nächsten Morgen und vor allem von den Verletzten. Weiters macht sich Dunant auch Gedanken, wie man die medizinische Erstversorgung verbessern kann und zwar für alle Verwundeten, egal welcher Nationalität sie angehören mögen. Neutralität und Freiwilligkeit sind dabei die entscheidenden Schlagwörter. „Eine Erinnerung an Solferino“ wurde veröffentlicht und an Führungspersönlichkeiten in ganz Europa verteilt. Dunant reiste auch umher und versuchte Menschen für seine Idee zu begeistern. Im Jahr 1863 kam es bereits zur Gründung des „Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege“, das 1876 in „Internationales Komitee vom Roten Kreuz“ umbenannt wurde.

Auszug aus der 1. Genfer Konvention 1864

Auszug aus der 1. Genfer Konvention 1864

Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuze 1880

Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuze 1880

Zuvor wurde 1864 die 1. Genfer Konvention von zwölf europäischen Staaten – unter anderem von den Niederlanden, Italien, Spanien und der Schweizer Eidgenossenschaft – beschlossen, die im Wesentlichen auf die Ausführungen in Dunants Buch zurückgreift. Henry Dunant ist somit der Gründer des Roten Kreuzes und aller diesem angehörenden Organisationen wie beispielsweise dem Roten Halbmond. In Österreich kam es dann in Jahr 1880 zur Gründung des Österreichischen Roten Kreuzes, das damals noch als „Österreichische Gesellschaft vom Roten Kreuze“ bezeichnet wurde.

Leider war das Schicksal Henry Dunant in den folgenden Jahren nicht wohl gesonnen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, und der damit verbundene soziale Abstieg, zwangen Dunant in die Armut. Erst im Jahr 1901 erhielt Henry Dunant die Anerkennung, die er verdient hatte. Man verlieh ihm den ersten Friedensnobelpreis zusammen mit dem Franzosen Frédéric Passy.

Bis zum heutigen Tag leistet das „Rote Kreuz“ oder auch der „Rote Halbmond“ sowie andere Hilfsorganisationen ihren unschätzbaren Einsatz bei der medizinischen Versorgung von Verwundeten und Kranken. Das Rote Kreuz wird auch in Krisensituationen und bei Katastrophen tätig. Darüber hinaus tragen die Mitarbeiter des Roten Kreuzes dazu bei, dass Menschen Erste Hilfe-Maßnahmen erlernen, was meiner Meinung nach ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.

Ich würde jedem empfehlen „Eine Erinnerung an Solferino“ zu lesen – vorausgesetzt man hat einen robusten Magen -, denn es führt dem/der LeserIn deutlich vor Augen, was Krieg wirklich bedeutet. Keine Spur von Ruhm, Ehre oder Heldenmut. Was man auf den Schlachtfeldern meistens findet, sind Leid, Schmerz, Qual und Tod. Doch dank des Engagements von Henry Dunant entdeckt man dort auch Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit. Also sollte man sich nicht nur an Solferino erinnern, sondern auch an Henry Dunant.

Verlassen wir nun Henry Dunant und das Schlachtfeld von Solferino. In einer Woche stehen dann drei Personen im Mittelpunkt, die den Frühling mit sich bringen. Jede hat ihre eigene Geschichte.

„Über alles Geistige und Intellektuelle, über Philosophie und Theologie erhaben ist die Hilfsbereitschaft von Mensch zu Mensch, die Aufgabe, Bruder zu sein.“ (Albert Schweitzer)

0 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • Bin der Meinung, man sollte es immer noch an die „Mächtigen“ dieser Welt verteilen. Das würde überhaupt nicht schaden. Ich kann es dir gerne einmal borgen. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.