Übernatürliche Haustiere

… oder warum auch Götter jemanden zum Kuscheln brauchen.

Jeder von uns hat oder hatte schon mal ein Haustier. Einen putzigen Hasen, eine Katze zum Kuscheln oder einen Hund als treuen Gefährten. Haustiere gibt es schon lange. Zum Beispiel hatten hielten bereits die antiken Ägypter sich Katzen als Haustiere. Noch viel früher nutzten die Menschen die Fähigkeiten des Hundes als Wächter und treuen Gefährten. Vieles was Teil des Alltags der Menschen war, übertrug sich auch auf die religiösen Vorstellungen. So dachte man sich in manchen Mythologien Haustiere für die Götter und Göttinnen aus. In den meisten Fällen hatten die Tiere eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen.

Herakles und Kerberos (Wasserkrug 520 v. Chr.; Louvre, Paris)

Herakles und Kerberos (Wasserkrug 520 v. Chr.; Louvre, Paris)

Das bekannteste Beispiel für eine solche Übertragung kennen wir aus der griechischen Mythologie: Der Hund Kerberos, seines Zeichens Wächter des Reichs der Toten. Sein Herrchen war niemand anderes als Hades, der Gott der Unterwelt. Als sein Frauchen kann Persephone bezeichnet werden, die, wie schon berichtet, von Hades geraubt wurde. Die Aufgabenstellung für den dreiköpfigen Kerberos ist einfach: Niemand aus der Unterwelt raus oder aus der Oberwelt rein lassen. Cave canem! Ein Mythos berichtet wie Kerberos von dem Helden Herakles als eine seiner Aufgaben gefangen und auf die Erde gebracht werden musste. Auf dem Bild sind Kerberos und Herakles abgebildet.

Athene, Iason und der Drache (Gefäß 5. Jhdt. v. Chr.)

Athene, Iason und der Drache (Gefäß 5. Jhdt. v. Chr.)

Auch die Göttin Athene hat ein Tier an ihrer Seite. Sie besitzt eine kleine Eule. Auf dem Bild hält Athene sie in der Hand. Mit Sicherheit das passende Haustier für die Göttin der Weisheit mit den strahlend blauen Augen. Auf den athenischen Münzen aus antiker Zeit wurde die Eule abgebildet und sogar auf den griechischen Euros ist sie bis heute zu sehen. Zurzeit sind Eulen wieder top-aktuell. Überall blinzeln Eulen von T-Shirts auf uns herab oder schmücken alle möglichen Gegenstände.

Göttervater Odin mit den Raben Hugin und Munin sowie den Wölfen Geri und Freki (Johannes Gehrts, 1888)

Göttervater Odin mit den Raben Hugin und Munin sowie den Wölfen Geri und Freki (Johannes Gehrts, 1888)

In der nordischen Mythologie gibt es ebenfalls eine Vielzahl von Beispielen für mythische Haustiere. Göttervater Odin hat sogar gleich mehrere davon. Am bekanntesten sind sicher seine beiden Raben Hugin („der Gedanke“) und Munin („das Gedächtnis“ oder „die Erinnerung“). Diese fliegen in die Welt hinaus und berichten Odin, was dort so vor sich geht. Der Gott hat aber auch noch zwei Wölfe mit den Namen Geri und Freki. Diese hatte Odin als Welpen gefangen und aufgezogen. Ihre Namen bedeutete „Gier“ und „Gefräßigkeit“. Die Hauptbeschäftigung der beiden Wölfe ist, wie ihre Namen schon sagen, Fressen und wenn sie dann satt sind, liegen sie faul neben Odins Thron. Als fünftes Tier besitzt Odin noch den Hengst Sleipnir („der Dahingleitende“). Das besondere an diesem Pferd ist, dass es nicht wie üblich vier, sondern gleich acht Beine hat. Ein Rennpferd der Extraklasse wenn man so will.
Aber auch andere nordische Gottheiten besitzen Tiere. Eines davon mag ich besonders gerne. Es ist ein Eber und trägt den schönen Namen Gullinborsti, also „der mit den goldenen Borsten“. Sein Herrchen ist der Freyr, seines Zeichens Gott der Fruchtbarkeit. Man kann mit dem Eber super durch die Nacht reiten, weil seine Borsten so hell leuchten, dass man keine Scheinwerfer braucht. Doch Gullinborsti ist nicht das einzige Tier, das mit Gold in Verbindung gebracht wird. Der Gott Heimdall, Wächter der Regenbogenbrücke, besitzt den Hengst Gullintopr, was „Goldzopf“ bedeutet.

Auch mythische Zugtiere sind in der nordischen Sagenwelt bekannt.

Der Gott Thor auf seinem Wagen gezogen von den beiden Ziegenböcken (Mårten Eskil Winge, 1872)

Der Gott Thor auf seinem Wagen gezogen von den beiden Ziegenböcken (Mårten Eskil Winge, 1872)

Thor hat zum Beispiel zwei Ziegenböcke, die ihn auf seinem Wagen durch die Gegend ziehen. Die Namen der beiden sind Tanngniostr („der Zahnknisterer“) und Tanngrisnir („der Zahnknirscher“). Die Göttin Freya hingegen fährt einen Wagen vor den zwei Katzen gespannt sind.
Das waren nur einige Beispiele für mythische Haustiere und ihre Aufgaben, die sie zu erfüllen haben. Nur die wenigstens von ihnen, wie Geri und Freki zum Beispiel, führen ein geruhsames Leben und machen das, was Haustiere gewöhnlich so machen: Essen und Schlafen.
Auch in den Märchen finden sich immer wieder hilfreiche Haustiere z.B. der Gestiefelte Kater. Als Kind habe ich dieses Märchen besonders gern gemocht und hätte den Gestiefelten Kater gerne als Haustier gehabt. Eine unglaublich schlaue Katze, die Schuhe trägt – perfekt!

 

Zusammengefasst kann man sagen, dass es hauptsächlich Hunde, Pferde und Vögel sind, die den Göttern von den Menschen als tierische Begleiter zugedacht wurden. So haben auch die Unsterblichen jemanden zum Kuscheln und Liebhaben.

Dann wünsch ich allen HaustierbesitzerInnen noch viel Freude beim Gassi gehen oder Kuscheln mit dem pelzigen Liebling. Nächste Woche stehen dann Tipps für die Fastenzeit auf dem Programm.

„Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum streicheln hat.“ (Victor Hugo)

 

 

 

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  1. … irgendwie ist es ironisch, dass unsere Haustiere heute die Namen dieser Götter tragen… 😀

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