Fleisch im Tarnmantel serviert mit Flussgemüse

… oder wie man versuchte, Gott hereinzulegen.

Ostern steht vor der Tür und damit das Ende der Fastenzeit. Doch bevor wir uns auf die Suche nach bunten Eiern und Süßigkeiten machen können, steht für die Gläubigen unter uns die Karwoche an. Dazu fällt mir eine Vorlesung aus dem Bereich Mittelalter ein, in der äußerst kreative Köpfe das Thema waren, die trotz des Fastengebots nicht auf Fleisch verzichten wollten. Man befand sich in einem moralischen Zwiespalt. Zum einen wollte man gottgefällig sein und das Fastengebot einhalten, zum anderen lockte das saftiges Fleisch zu sehr. Was also tun?

Dafür gibt es nun zwei Möglichkeiten:

Erstens kann man dem tierischen Fleischlieferanten andere Namen verpassen und so das Fastengebot umgehen. In den Flüssen gab es eine Vielfalt an essbaren Tieren, unter anderem Biber und Otter. Ja richtig gelesen, Biber und Otter! Doch sie zählten damals streng genommen zum Fleisch und waren aus diesem Grund in der Fastenzeit tabu. Doch der Mensch war immer schon ein kreatives Wesen und so dachte man sich für diese beiden Tierarten einfach eine andere Bezeichnung aus: „Flussgemüse“. Da konnte Gott sich ja nicht beschweren, wenn man sich während der Fastenzeit „vegetarische“ Kost aus dem Fluss fischte.
Die zweite Möglichkeit ist, man versteckt das verbotene Fleisch einfach vor den allsehenden Augen Gottes. Die Paniere macht es möglich. Das Fleisch einfach unter diversen Zutaten tarnen und schwupp di wupp wird es für Gott unsichtbar. So einfach konnte man sich trotz Fastengebot dem, ohnehin seltenen, Genuss des Fleisches hingeben und musste gleichzeitig nicht fürchten, für diese Sünde zur Rechenschaft gezogen zu werden. Diese Art der Täuschung wurde ausgerechnet in den heiligen Hallen eines Klosters laut den Quellen zum ersten Mal angewandt. Dort waren die Fastengebote auch viel strenger und die Fastenzeiten ausgedehnter. Über etwaige Spätfolgen im Jenseits oder Sanktionen von oben ist nichts bekannt.

Lasst euch euer Sonntagsschnitzerl schmecken, denn die Sonntage sind ohnehin von den Fasttagen ausgenommen. Am Ostersonntag widmen wir uns dann extrem teuren Eiern, an denen man sich garantiert die Zähne ausbeißt.

„Der Selbstbetrug ist der häufigste Betrug und auch der schlimmste.“ (Jakob Bosshart)

 

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  1. hihihi, kreativ muss man sein. „Flussgemüse“ – ich lach mich tot!
    Ich meine auch gehört zu haben, dass man damals hin und wieder das Fleisch kurz in den Fluss gelegt hat – weil wenn man es wieder rausholte, dann war es ja Fisch (logisch, ist ja aus dem Fluss) …. 😀

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