Ein Bild klagt mehr als 1000 Worte

… oder was in Guernica geschah.

Kunst berührt uns – jeden auf seine Art und Weise. Immer wieder sehen wir uns Gemälde an, betrachten Statuen oder lauschen den Klängen von Musik. Mich ziehen vor allem Bilder in ihren Bann. Eines davon fasziniert mich schon sehr lange. Seitdem ich es das erste Mal gesehen hatte, lässt mich die Intensität des Bildes nicht mehr los. Das Gemälde von dem hier die Rede ist, steht in engem Zusammenhang mit Ereignissen aus der Zeitgeschichte. Aus diesem Grund wurde es noch interessanter für mich. Es handelt sich um „Guernica“. Der einen oder dem anderen wird dieser Name ein Begriff sein. Der Schöpfer dieses Bildes ist niemand geringeres als Pablo Picasso.

Guernica (Pablo Picasso, 1937)

Guernica (Pablo Picasso, 1937)

Schon alleine durch seine Ausmaße von 7,77 x 3,50 m (die Angaben variieren von Quelle zu Quelle) ist „Guernica“ ein imposantes Gemälde. Das wird durch die überlebensgroße Darstellung der Figuren noch verstärkt. Doch was ist darauf zu sehen? Pablo Picasso hat in dem Bild die Ereignisse rund um die Flächenbombardierung der spanischen Stadt Guernica im Baskenland am 26. April 1937 durch die deutsche Luftwaffeneinheit „Legion Condor“ thematisiert. Einige fragen sich jetzt vielleicht, was deutsche Kampfflugzuge in Spanien zu suchen haben? Dies ereignete sich im Rahmen des Spanischen Bürgerkrieges, der in den Jahren 1936-1939 das Land in zwei Lager spaltete.
Die Zeit vor dem Spanischen Bürgerkrieg war geprägt von Spannungen zwischen der Oberschicht, die von Armee und Kirche unterstützt wurde, und der großen Masse der Arbeiter. Hinzu kamen die Autonomiebestrebung von Katalonien und eine Schwächung der Monarchie in Spanien. 1931 wurde die Republik ausgerufen, die vor allem vom liberalen und sozialistischen Lager unterstützt wurde. König Alfons XIII. verließ Spanien und ging ins Exil. 1936 gewann die Volksfront (die liberalen und sozialistischen Kräfte) die Wahlen und im gleichen Jahr kam es zu einem Aufstand des Militärs, unter anderem angeführt von General Francisco Franco, gegen die Republik.

Guernica nach dem Angriff der "Legion Condor"

Guernica nach dem Angriff der „Legion Condor“

Unterstützung erhielten die Truppen Francos vom faschistischen Italien und nationalsozialistischen Deutschland. So kam es zu der bereits erwähnten Bombardierung von Guernica durch eine deutsche Luftwaffeneinheit. Die Stadt hatte keine militärische Bedeutung und zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich hauptsächlich Zivilisten in Guernica. Jene Menschen, die sich aus der Stadt retten konnten, wurden auf den umliegenden Feldern weiter beschossen. Guernica brannte nieder und wurde gänzlich zerstört. Angriffe wie in Guernica wurden als neue Kriegstaktik eingesetzt, um die Zivilbevölkerung zu demoralisieren und Widerstand im Keim zu ersticken. Beispielsweise fanden nur ein halbes Jahr zuvor in Madrid unzählige Menschen den Tod im Bombenhagel.

Pablo Picasso im Jahr 1962

Pablo Picasso im Jahr 1962

Im Jahr 1937 erhielt Pablo Picasso den Auftrag, ein Gemälde für den spanischen Pavillon bei der Weltausstellung in Paris zu gestalten. Der Künstler entschied sich nach einigen anderen Entwürfen für die Bombardierung von Guernica als Thema. Picasso verstand es auf einzigartige Art, der Zerstörungswut des Krieges und die Leiden der Bevölkerung auf Leinwand zu verewigen. Picasso stellte anhand von menschlichen Figuren, wie der Frau mit ihrem toten Kind oder der stürzenden Frau, sehr eindringlich die Qualen und Schmerzen dar. Aber auch Symbolik kommt in dem Bild nicht zu kurz – sei es durch die Blume oder den Stier. Falls du dich für die einzelnen Elemente und deren Bedeutung interessieren solltest, es gibt zahlreiche Abhandlungen und genaue Beschreibungen der Szenerie. „Guernica“ gilt sowohl als Anti-Kriegsbild schlechthin sowie als Synonym für den Terror des Militärs gegen die Zivilbevölkerung. Folgendes sagte Picasso über „Guernica“ in einer Pressekonferenz im Mai 1937:

„Das spanische Ringen ist der Kampf der Reaktion gegen das Volk, gegen die Freiheit. Mein ganzes Leben als Künsler war ein unaufhörliches Streiten gegen die Reaktion und den Tod der Kunst. […] Auf dem Wandgemälde, an dem ich arbeite und das ich „Guernica“ nennen werde, und in allen meinen letzten Werken bringe ich deutlich meine Abscheu vor der militärischen Kaste zum Ausdruck, die Spanien in einen Ozean von Leid und Tod versenkt hat.“ (vgl. Guernica – Nachbilder zur Interpretation, Salzburg – 1989)

Leider folgten der Bombardierung von Guernica noch zahlreiche, verheerende Luftangriffe auf Städten wie beispielsweise Coventry 1940 oder Dresden 1945.
Da General Franco nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges bis zu seinem Tod 1975 Spanien regierte, wurde „Guernica“ im Museum of Modern Art in New York ausgestellt. Erst 1981 kam das Bild nach Spanien zurück und wird bis heute im Museo Reina SofÍa von BesucherInnen aus aller Welt besichtigt.

Gestern jährten sich die tragischen Ereignisse in Guernica zum 77. Mal und Picassos Werk „Guernica“ erinnert uns daran. In der nächsten Woche verlassen wir die Erde und machen uns mit den Herumtreibern und deren Begleiter im Weltraum bekannt.

 

„Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.“ (Pablo Picasso)

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