Die Wanderbegleiter

… oder wie ein Mond zu seinem Namen kommt.

Viele von uns lieben es den Nachthimmel zu betrachten. Auch die Menschen der vergangenen Jahrhunderte taten dies und gaben dem, was sie dort erblicken, Namen. In der Antike kannte man bereits die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sowie unseren Mond. Das Wort „Planet“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutete übersetzt „Wanderer“. In vielen Kulturen der Antike identifizierten die Menschen die Planeten mit ihren Gottheiten und benannten sie auch nach diesen. Mit der fortschreitenden Technologie und besseren astronomischen Kenntnissen wurden nicht nur die anderen Planeten unseres Sonnensystems aufgestöbert, sondern auch ihre Begleiter, die Monde. Auch diese Begleiter der Wanderer erhielten Namen, die den Entdeckern passend erschienen. Heute werden auch einmal untergeordnete Gottheiten oder weniger bekannte Figuren aus der Mythologie zur Sprache kommen und damit stehen die zu den Planeten gehörenden Monde im Zentrum des Interesses. Aus diesem Grund werden hier nur Planeten zur Sprache kommen, die auch über solche verfügen. Sorry, Merkur und Venus, aber ihr seid raus!

Phobos (oben) und Daimos (unten) im Größenvergleich

Die Marsmonde Phobos (oben) und Daimos (unten) im Größenvergleich

Beginnen wir mit dem Planeten, der unserer Erde am nächsten ist: Mars. Dieser Planet wurde nach dem römischen Kriegsgott benannt, welcher in vielen Bereichen dem griechischen Ares entspricht. Mars hat zwei Monde, die „Daimos“ und „Phobos“ genannt werden. Diese Namen stammen aus der griechischen Mythologie. Es handelt sich um die beiden Söhne des Kriegsgotts Ares. Übersetzt bedeutet Daimos nicht anderes als „Furcht“ und Phobos heißt „Schrecken“. In der Vorstellung der antiken Griechen waren Daimos und Phobos die ständigen Begleiter ihres Vaters, des personifizierten Krieges.
Verlassen wir den roten Planeten und reisen weiter zu Jupiter. Er weist die meisten Monde auf und zwar ganze 67 Stück. Der römische Gott Jupiter ist das Äquivalent zum griechischen Zeus, deswegen sind viele der Monde nach Geliebten des Gottes benannt. Vier davon wurden von Galileo Galilei, aber auch von Simon Marius, entdeckt. Ihre Namen sind „Europa“, „Io“, „Kallisto“ und „Ganymed“. Europa war eine phönizische Prinzessin, die Zeus in Gestalt eines Stieres auf die Insel Kreta entführt.  So erhielt unser Kontinent den Namen von Europa. Die schöne Io wiederum wurde von Zeus in eine Kuh verwandelt, um seine Affäre mit dem Mädchen vor seiner eifersüchtigen Gattin Hera zu verheimlichen. Geklappt hat es nicht, soviel sei schon mal verraten. Kallisto hingegen war eine der Gefährtinnen der Jagdgöttin Artemis und hatte ewige Jungfräulichkeit geschworen. Zeus mit seiner unersättlichen Libido war das relativ egal und er verführte Kallisto. Zur Strafe für ihren Eidbruch verwandelte Artemis das Mädchen in eine Bärin. Ganymed hingegen war ein hübscher Königssohn, der von Zeus auf den Olymp entführt wurde, um dort die Götter bei Tisch zu bedienen. Vom Prinzen zum Kellner, was für eine Karriere.

Aber noch weitere Liebschaften des Zeus/Jupiter findet man kreisend um ihren Liebhaber wie z.B. „Leda“ oder „Metis“.

Die Titanen Atlas und Prometheus (Schale aus Lakonien 550 v. Chr., Vatikanische Museen Rom)

Die Titanen Atlas und Prometheus (Schale aus Lakonien 550 v. Chr., Vatikanische Museen Rom)

Noch ein ganzes Stückchen weiter weg befindet sich Saturn, welcher dem griechischen Kronos entspricht. Dieser war ein Titan sowie der Vater von Zeus und die Titanen herrschten vor den olympischen Göttern über die Welt. Mittlerweile wurden 62 Monde entdeckt, die rund um den Saturn kreisen. Kreativerweise heißt der größte einfach nur „Titan“. Viele der anderen Monde haben Namen von Titanen und Titaninnen. „Rhea“ war eine davon und gilt als Gattin des Kronos. Sie bewahrte ihren jüngsten Sohn Zeus durch eine List davor von seinem eigenen Vater gefressen zu werden. Ein weiteres Beispiel wäre der Mond „Tethys“, der 1684 entdeckt wurde. Diese Titanin ist eine Schwester von Kronos und Gattin des personifizierten Meeres Okeanos. Weiters findet man auch den Titanen „Atlas“ seine Kreise um den Saturn ziehen. Atlas wurde dazu verdonnert, das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern zu tragen. Neben diesem kennt man noch „Prometheus“ (der, dem ein Adler die Leber jeden Tag aus dem Körper frisst), „Hyperion“ (Vater von Sonne, Mond und Morgenröte) oder aber auch „Pandora“ (die mit der Büchse). Interessanterweise findet man bei den Saturnmonden nicht nur griechische, sondern auch nordische Mythologie. Beispiele dafür wären „Ymir“ (der Ur-Riese), „Bergelmir“ (so eine Art nordischer Noah) oder „Surtur“ (der Anführer der Feuerriesen).
Wenn wir im Stammbaum von Zeus noch einen Schritt zurückgehen, kommen wir zur Uranos, seinem Großvater. Dieser stellte in der griechischen Mythologie den Himmel dar und zeugte mit Gaia (Erde) die Titanen. Auch er bekam einen Planeten zugesprochen, der allerdings erst im Jahr 1781 von Friedrich Herschel als solcher entdeckt und benannt wurde. Auch Uranus besitzt einige Monde, nämlich 27.

Die Uranusmond Oberon (1986)

Die Uranusmond Oberon (1986)

Lustigerweise hat man diesen keine Namen aus der griechischen Mythologie verpassen, sondern die Namen von Figuren aus Werken von William Shakespeare und Alexander Pope. Deswegen tummeln sich rund um Uranus, Gestalten wie Oberon und Puck neben Desdemona und Juliet. Diese Namensgebung wurde von Herschels Sohn eingeführt und bei der Entdeckung weiterer Monde beibehalten.

 

Zurück in die griechische Mythologie führt uns dann der nächste Planet Neptun, der römische Gott des Meeres. Er entspricht dem griechischen Poseidon. Neptun wird von 14 Monden umkreist, die alle aus dem Sagenkreis rund um den launischen Meergott entstammen. Der größte der Monde ist „Triton“, seines Zeichens Sohn von Poseidon. Ein weiterer trägt den Namen „Nereid“ nach den Meernymphen, genannt Nereiden.

Aber auch die Fluss- und Quellenymphen, die Najaden, gingen bei der Vergabe der Neptunmonde nicht leer aus und so heißt einer Monde „Naiad“. Man findet aber noch weiteres Meervolk wie „Proteus“, „Larissa“ oder „Thalassa“.
Kommen wir zu Pluto. Ja, ich weiß, dass Pluto aus der Liste der Planeten gestrichen wurde. Aber ich kann mich einfach nicht mit Setna anfreunden und Pluto hat auch mehr mit griechischer Mythologie zu tun. Die Astronomen mögen mir verzeihen. Entdeckt wurde Pluto erst 1930 und bereits 2006 wieder zum Zwergplanet degradiert. Dieser Himmelskörper ist nicht nach dem Hund von Mickey Mouse, sondern nach dem römischen Unterweltsgott Pluto benannt. Das griechische Äquivalent dazu ist Hades, den wir bereits kennenlernen durften. Monde hat Pluto nur fünf, aber die haben es namentlich in sich.

Die Barke des Charon (Fresko von Luca Giordano 1684-1686, Palazzo Medici Riccardi Florenz)

Die Barke des Charon (Fresko von Luca Giordano 1684-1686, Palazzo Medici Riccardi Florenz)

Plutos größter Begleiter erhielt den Namen „Charon“. Dieser befördert die Verstorbenen gegen ein entsprechendes Entgelt über den Unterweltsfluss Acheron. Apropos Fluss: einer der Monde erhielt den Namen des bekanntesten Unterweltsflusses „Styx“. Wenn ein Gott auf dieses Fließgewässer einen Schwur leistete und sein Versprechen nicht einlöste, büßte er damit seine Unsterblichkeit ein. Ein weiterer Mond trägt den Namen eines bereits bekannten mythologischen Wesen: „Kerberos“. Dieser bewacht in Gestalt eines dreiköpfigen Hundes den Eingang zur Unterwelt. Die letzten beiden Monde des Pluto tragen die Namen „Nix“ und „Hydra“. Erstere wird auch Nyx geschrieben und dabei handelt es sich um die personifiziert Nacht. Zweitere ist ein Ungeheuer in Schlangengestalt mit zahlreichen Köpfen.

So das war‘s mit dem „Who is Who der griechischen Mythologie“ im All. Nächstes Mal kehren wir auf die Erde zurück und begeben uns im dichten Dschungel Perus hinauf auf den Alten Berg.

„Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“ (Galileo Galilei)

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