Rot Weiß Rot Weiß Rosa???

… oder Gartenarbeit auf hohen Niveau.

Momentan boomt das Gärtnerwesen und überall schießen Hobbygärtner wie Unkraut aus dem Boden. Nicht nur, wer einen Garten sein eigen nennt, gräbt und buddelt momentan was das Zeug hält. Auch Menschen, die nur einen Balkon haben wie ich, können endlich ihre grünen Lieblinge aus der warmen Wohnung ins Freie umquartieren. Dieses Jahr habe ich einige neue Projekte gestartet wie z.B. eine Balkonmelone sowie ein Colakraut. Überall werden nicht nur herkömmliche Pflanzen und Kräuter wie Basilikum, Salat oder Tomaten angeboten. Nein, man bekommt auch exotisches und ein wenig experimentell klingendes Grünzeug vor die Nase gesetzt wie Ananasminze, Karotten, die aussehen wie Radieschen oder eckige Gurken.

Gregor Johann Mendel

Gregor Johann Mendel

Auch in früheren Zeiten interessierten sich Menschen für Pflanzen und Gärtnerei. Dabei kam es oft zufällig zur Entstehung von ganz neuen Sorten. Aber man begann sich auch mit der Biologie von Pflanzen zu interessieren. Dazu gehört auch die Vererbung verschiedener Merkmale von der Elterngeneration der Pflanzen auf die Kinder. Genau hier treffen wir auf einen Mann, dessen Name vielleicht noch aus dem Biologieunterricht ein Begriff sein könnte. Die Rede ist von Gregor Johann Mendel (1822-1884). Er war Abt des Augustinermönchskloster Brünn in der Tschechei. Mendel züchtete Gemüse und Kräuter verschiedenster Art im Klostergarten, darunter auch Erbsen. Wie viele vor ihm, wollte auch Mendel das Geheimnis der Vererbung von Pflanzenmerkmalen ergründen. Dabei setzte er allerdings vor allem auf die Beobachtung individueller Merkmale sowie die Mathematik. Durch das Abzählen der Merkmale bei den verschiedenen Pflanzengenerationen seiner Erbsen erkannte Mendel Regelmäßigkeiten. Die Begriffe „dominant“ und rezessiv“ sind hier von Bedeutung.

Auszug aus den Aufzeichnungen von Gregor Johann Mendel

Auszug aus den Aufzeichnungen von Gregor Johann Mendel

Kurz gesagt, manche Vererbungsmerkmale setzten sich durch (dominant) und manche werden in der Tochtergeneration unterdrückt (rezessiv). Aber auch wenn das rezessive Merkmal in der Tochtergeneration übersprungen wird, kann es durchaus sein, dass es in der Enkelgeneration wieder auftritt. Falls du es ganz genau wissen willst, schlage ich vor, du wirfst einen Blick in deine alten Biologiebücher.
Doch Mendel beobachtete noch ein zweites Phänomen, nämlich den Intermediären Erbgang. Japanische Wunderblumen können weiße oder rote Blüten haben. Kreuzt man je eine weiße und eine rote Blume miteinander, so erhält man Rosa. Stell dir vor, du gehst nichts ahnend durch den Garten und erfreust dich an der Schönheit der Blumen. Rot, Weiß, Rot, Weiß, Rot, Weiß, Rosa??? Da staunte Gregor Johann Mendel sicher nicht schlecht als ihm diese Vererbungsmerkmale auffielen.
Von Mendel stammen noch zwei weitere Vererbungstheorien, die Rückkreuzung und die Kreuzung mit zwei Merkmalspaaren. Des Weiteren formulierte er die drei „Mendelschen Regeln“.

Erich Tschermak

Erich Tschermak

Doch wie so oft in der Geschichte war Herrn Mendel der Ruhm und der Erfolg nicht vergönnt. Zu Lebzeiten bekam er nicht die Anerkennung, die er sich aufgrund seiner bahnbrechenden Theorien verdient hätte. Drei andere Wissenschaftler entdeckten unabhängig voneinander die „Mendelschen Regeln“ wieder: der Deutsche Carl Correns, der Österreicher Erich Tschermak und der Niederländer Hugo Marie de Vries.
Heute freilich erhält Gregor Johann Mendel den Ruhm, der ihm gebührt. Seine Erkenntnisse beeinflussten Biologen weltweit und auch schon SchülerInnen kommen nicht an dem Namen Mendel vorbei. Seine Theorien sind ein Fixpunkt im Fach Biologie der Oberstufe. Auch ich machte Bekanntschaft mit Herrn Mendel, seinen Erbsen sowie den anschaulichen Abbildungen von der Kreuzung von Wunderblumen, Gartenschnecken und Kühen. In Brünn steht ein Denkmal zu Ehren von Gregor Johann Mendel, dem Entdecker der Vererbungslehre und Wegbereiter der Genetik.

Das Denkmal zu Ehren von Gregor Johann Mendel in Brünn

Das Denkmal zu Ehren von Gregor Johann Mendel in Brünn

Also Schluss mit virtuellen Farmen und Pflanzenzuchtspielen! Was man alles bei der Beschäftigung mit realen Vertretern der Flora beobachten kann, ist um ein Vielfaches spannender.

Doch genug von Erbsen und den „Mendelschen Regeln“. Nächste Woche begegnen wir einem Menschen, der ein besonderer Pechvogel war.

 

„Jedes Naturgesetz, das sich dem Beobachter offenbart, lässt auf ein höheres, noch unerkanntes schließen.“ (Alexander von Humboldt)

 

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