Ein Unglück kommt selten allein…

… oder warum die Wildtaube ein Pechvogel ist.

Wer kennt sie nicht – die Pechvögel und Unglückswürmer dieser Welt. Sie joggen ständig dem Bus hinterher, stoßen mit unglaublicher Zielgenauigkeit die kostbare Vase um oder sind ununterbrochen auf der Suche nach ihrem Handy, Schal oder Schlüssel.
Auch in der Geschichte gibt es Persönlichkeiten, die das Unheil magisch anzuziehen schienen. Einer dieser Pechvögel war der römische Kaiser Titus, voller Name Titus Flavius Vespasianus. Zumindest dem Namen nach war er ein Vogel, denn Titus bedeutet übersetzt „Wildtaube“.

Büste von Kaiser Titus (British Museum)

Büste von Kaiser Titus (British Museum)

Titus folgte seinem Vater Kaiser Vespasian auf den Thron und herrschte nur drei Jahre über das Römische Imperium von 79-81. Die Quellen zeichnen ein sehr positives Bild von Titus und lobten vor allem seine Mildtätigkeit, Großzügigkeit und Gnade. Diese Charakterzüge konnte Titus während seiner kurzen Regierungszeit zur Genüge unter Beweis stellen. Denn in nur drei Jahren wurden Rom bzw. Italien von drei Katastrophen heimgesucht.
Im Jahr 79 kam es zum Ausbruch des Vulkans Vesuv, der gleich 4 Städte unter Lavamassen begrub. Dazu gehörte auch Pompeji, heute eine der bekanntesten Ausgrabungsstätten in Italien, das unter Staub und Asche verschwand. Aber auch die BewohnerInnen der Siedlungen Stabiae, Herculaneum und Oplontis wurden Opfer des wütenden Vulkans. Bei der Katastrophe kam als prominentestes Opfer der Naturforscher und Autor Plinius der Ältere ums Leben. Kaiser Titus organisierte sofort den Wiederaufbau der Region und setzte dafür eigens eine Kommission ein.
Doch damit war es noch nicht genug. Während Kaiser Titus noch mit dem Katastrophengebiet rund um den Vulkan beschäftigt war, brach ein Jahr später in Rom ein Feuer aus. Ganze Stadtteile brannten nieder. Kaiser Nero kann es diesmal nicht gewesen sein, der war schon seit mehr als zehn Jahren tot. Also reiste Titus eilig in die Ewige Stadt, um dort Krisenintervention zu betreiben. Die nächste Chance für Freigiebigkeit und Güte gegenüber dem Volk.
Noch im gleichen Jahr musste sich der Kaiser der nächsten Herausforderung stellen. Eine Seuche wütete in Rom. Zahlreiche BewohnerInnen der Stadt fielen ihr zum Opfer.

Kaiser Titus sicherte sich durch all seine Maßnahmen in diesen katastrophalen Jahren die Gunst seines Volkes. Unter seiner Herrschaft fand aber auch ein sehr bedeutendes Projekt seinen Abschluss. Titus ließ das gewaltige Amphitheatrum Flavium in Rom einweihen. Heute ist es uns unter dem Namen „Kolosseum“ eher ein Begriff.
Der vom Volk heiß geliebte Titus starb im Jahr 81 nach einer langen Krankheit im gleichen Landhaus wie sein Vater Vespasian vor ihm. Sein Bruder Domitian folgte Titus als Kaiser auf den Thron.

Doch Schluss mit Kaisern und Katastrophen. Nächste Woche lauschen wir gebannt einem leisen Piepsen aus weiter Ferne.

„Solange es geht, muss man Milde walten lassen,
denn jeder kann sie brauchen.“ (Theodor Fontane)

 

 

 

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