Latein lebt…

… oder warum man durch Werbung etwas lernen kann.

Jedes Mal wenn wir den Fernseher einschalten, um uns unsere Lieblingsserie oder einen spannenden Film ansehen wollen, werden wir zwangsläufig mit Werbung beglückt. Waschmittel, das die Wäsche weißer wäscht, als sie beim Kauf gewesen ist. Schokolade, die der ideale Therapeut für Familienstreitigkeiten zu sein scheint. Autos, die Hunde zum tanzen bringen. Manche der Werbespots sind so einprägsam gestaltet, dass wir uns nach Jahren noch an die Werbeslogans oder den Running Gag erinnern. Aber man findet noch etwas anderes in der Werbung, was man hier nicht vermutet hätte – Latein!
Latein gilt für die meisten Menschen als eine tote Sprache und wird von vielen als sinnlos betrachtet. Dabei kommen wir nahezu jeden Tag mit Latein in Berührung. Nicht nur, wenn wir über schwierige Fremdwörter stolpern oder wenn von pseudogebildeten Menschen Sprüche wie „Veni, vidi, vici“ zitiert bekommen, sondern auch wenn die Werbung vor dem Hauptabendprogramm läuft. Eine Vielzahl der Namen der dort angepriesenen Produkte stammt aus dem Lateinischen oder leitet sich davon ab. In diesem Beitrag möchte ich anhand von Beispielen zeigen, dass Latein gar nicht so tot ist, wie oft behauptet wird.

Beginnen wir mit den Lebensmittel und einem überaus beliebten Schokoriegel namens „Mars“. Dieser hat seinen Namen von niemand geringerem als dem uns schon bekannten römischen Kriegsgott. Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich der Süßigkeiten wäre das Eis am Stiel namens „Magnum“. Das bedeutet nichts anderes als „das Große“. Jeder von uns kennt die Kinderbreimarke „Alete“. Auch der Name dieses Produktes leitet sich aus dem Lateinischen ab und zwar von „alite“ (übers. „Nährt!“). Latein wird auch von Getränkeherstellern herangezogen und zwar in ganzen Zitaten. „Carpe diem“ (übers. Nutze/Genieße/Pflücke den Tag) ist der Name eines, wenn man dem Hersteller glauben will, wohltuenden und gesunden Durstlöscher. Eine tote Sprache als Name für ein Getränk, das lebendig und frisch wirken soll – wenn das nicht grotesk ist. Ein weiteres Beispiel ist die Kaugummimarke „Vademecum“, was nicht anderes heißt als „Geh mit mir!“. Also ein Synonym für „den habe ich immer dabei“. Da so ein Kaugummipäckchen klein ist, geht das auch ganz leicht.

Doch genug von Essen und Trinken. Auch im Bereich Kosmetik und Körperpflege finden sich beim genaueren Hinsehen Beispiele für Latein in der Werbung. Der Name der Pflegelinie „Nivea“ bedeutet überraschenderweise „schneeweiß“. „Penaten“, für uns eine Creme zur Pflege von Babys, war ursprünglich der Name von römischen Schutzgottheiten. So gesehen passt es, denn die Creme beschützt den Babypopo. Venus, die römische Liebesgöttin, wird herangezogen, wenn es darum geht, Frauen davon zu überzeugen, dass man nur mit dem Rasierer gleichen Namens, göttlich glatte Beine bekommt, denen kein Mann wiederstehen kann.

Kommen wir zum Bereich Autos und Technik. Bei ersterem gibt es zwei wunderbare Beispiele dafür, wie Latein in der Werbung eingesetzt wird. Zum einen ist es die Marke „Audi“ (übers. „Horch!“) und zum anderen „Volvo“ (übers. „ich wälze“). Aber auch die Reifenmarke „Semperit“ (übers. „geht immer“) setzt auf lateinische Namensgebung. Schlendert man durch die Computerabteilung eines Elektronikmarktes so findet man die Marke „Acer“. Auch das ist ein lateinisches Wort und bedeutet „scharf“, „eifrig“ oder „feurig“. Apropos Elektromärkte, diese Sparte spannt die lateinische Sprache ein, um einen super klingenden Unternehmensnamen zu erhalten. „Saturn“ war ursprünglich ein römischer Gott, bevor sein Name für das Geschäft ziehrte, in dem „Geiz geil ist“ und Weihnachtshasen ihr Unwesen treiben.

Äußerst beliebt scheint Latein bei der Namensfindung von Fernsehsendern zu sein. An dieser Stelle wären drei Beispiele zu nennen: „ProSieben“ („Für Sieben“), VOX („Stimme“) und Servus TV (wörtlich übers. „Diener“). Beim letzten Beispiel ist aber wohl eher das Wort in seiner Bedeutung als österreichisches Grußwort gemeint.
Ich glaube, es ist nur deutlich geworden, wie oft uns Latein in der Werbung, und damit im Alltag, begegnet. Es gibt noch zahlreiche weiterer Beispiele wie „Caritas“, „Ferrari“, „Tempo“, „Mentadent“ oder „Libro“. Du kannst ja zum Spaß mal versuchen herauszufinden, was diese Namen bedeuten. Das Ganze könnte man auch mit dem Altgriechischen, ebenfalls einer „toten“ Sprache, machen. Naja, vielleicht ein anderes Mal.

Schluss mit dem Werbeblock – weiter geht’s mit dem Hauptabendprogramm. Falls du nächste Woche wieder Lust auf ein wenig Geschichte hast, wirf mit mir einen Blick auf die Nachkommen eines der größten griechischen Helden.

„Reklame ist die Kunst, auf den Kopf zu zielen und die Brieftasche zu treffen.“ (Vance Packard)

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