Die Nachfahren des Herakles

… oder warum ein König manchmal nicht genug ist.

Da ich vor kurzem wieder einmal meine Diplomarbeit in den Händen hatte, dachte ich mir, ich nehme einen kleinen Teil davon als Thema des heutigen Blogeintrags. Ich beschäftigte mich dabei mit dem Einfluss von Mythen auf die Politik Spartas in archaischer und klassischer Zeit (ca. 800-300 v. Chr.).
Im griechischen Stadtstaat (polis) Sparta herrschte nicht nur ein König, sondern gleich zwei. Eine Doppelmonarchie ist äußerst selten in der Geschichte. Die beiden Könige der Spartaner stammten immer aus den gleichen Adelsfamilien – den Agiaden und Eurypontiden. Doch wie kam es überhaupt zu dieser Sonderform des Königtums? Nun dazu muss man sich eingehend mit Mythen beschäftigen.

Der Halbgott Herakles (Vat. Museum)

Der Halbgott Herakles (Vat. Museum)

Der große griechische Held und Halbgott Herakles (lat. Herkules) war zu Lebzeiten ein sehr promiskuitiver Geselle. Aus seinen zahlreichen Beziehungen entstand eine Vielzahl von Nachkommen verstreut über die in der Antike bekannten Welt. So erzählen es zumindest einige Mythen. Das war die Chance für manche Herrscher zu behaupten von Herakles abzustammen. Eines der berühmtesten Beispiele ist Alexander der Große, der seinen Stammbaum väterlicherseits auf den Halbgott zurückführte. Aber auch die beiden spartanischen Königsfamilien fanden in der Mythologie rund um Herakles ihre Legitimation zur Herrschaft.

Es gibt eine Sage über die Rückkehr der Nachfahren des Herakles (Herakliden) auf die peloponnesische Halbinsel, denn von dort stammte der Held ursprünglich. Allerdings waren seine Kinder nach seinem Tod aus ihrer Heimat vertrieben worden und neue Herrscher hatten sich auf der Peloponnes breit gemacht. Die Nachfahren des Herakles versuchten mehrere Male erfolglos ihre Heimat zurückzuerobern. Erst die drei Ur-Ur-Enkel des Halbgottes konnten den Sieg davontragen. Anschließend überlegten sie, wie sie das Gebiet am besten aufteilen könnten.

Die Nachfahren von Herakles - Stammbaum der spartanischen Könige

Die Nachfahren von Herakles – Stammbaum der spartanischen Könige

Bevor das passierte, starb einer der drei und hinterließ als Erben seine beiden Söhne Prokles und Eurysthenes. Keine Angst, wir sind fast wieder bei den spartanischen Königen angelangt. Diese beiden bekamen Lakonien, das Gebiet rund um Sparta, zugewiesen. Von diesen beiden Nachfahren des Herakles leitete jeweils eine der beiden Königsfamilien ihren Stammbaum ab. Dieser Mythos ist die Grundlage für die Doppelmonarchie in Sparta.
Nun möchte ich noch ein wenig genauer auf die spartanischen Könige eingehen, damit man vielleicht ein anderes Bild als jenes des Königs Leonidas I. aus dem Film „300“ vor Augen hat, wenn man an spartanische Könige denkt. Denn Sparta ist mehr als die Heimat von muskelbepackten, halbnackten Spartiaten, die sich alleine gegen die Übermacht des persischen Heeres stellen.

In Sparta finden wir ein Erbkönigtum vor, das vom Vater zum Sohn weitergegeben wurde. In einzelnen Fällen erbte auch der Bruder des Königs. Ein spartanischer König legitimierte sich über seine mythologischen Vorfahren, wie oben erläutert. Daraus leitet sich sein Recht zu Herrschen ab. Das war von großer Bedeutung in Sparta, denn nur wenn Könige aus den beiden erwähnten Familien auf dem Thron saßen, war das Wohlergehen des Volkes gesichert. In der gesellschaftlichen Hierarchie standen die beiden Herrscher an oberster Stelle, aber ihre Macht war nicht absolut. Ihre Taten wurden von den Ephoren (die fünf höchsten Beamten) beobachtet und kontrolliert. Die spartanischen Könige hatten nicht nur innenpolitische Aufgaben, sondern waren auch beide die Oberbefehlshaber des Heeres. Das änderte sich erst ab dem Jahr 506 v. Chr., denn ab diesem Zeitpunkt wurde durch das sogenannte „Kommandogesetz“ angeordnet, dass immer nur ein König in den Krieg ziehen und einer in Sparta zu verbleiben hatte.
In den Pflichtenkatalog fielen auch religiöse und sakrale Aufgaben wie Ausübung der höchsten Priesterämter sowie das Vollziehen der Opfer, die einen erfolgreichen Ausgang einer Schlacht gewährleisten sollten.

Nun ist vielleicht ein etwas deutlicheres Bild des spartanischen Königtums entstanden. In einer Woche besuchen wir eine der schönsten Bauwerke Spaniens.

„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest
uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“
(Friedrich Schiller)

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