Von Löwen und Myrten

… oder warum man „Tausendundeine Nacht“ auch in Spanien erleben kann.

Die Urlaubszeit steht bald vor der Tür und viele haben sich bereits für ein Land entschieden, wo sie ihre Ferien verbringen werden. Vor allem der Süden von Europa lockt die Touristen scharenweise an. Italien, Kroatien, Griechenland, aber auch Spanien erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit als Urlaubsland. Doch in diesen Ländern kann man sich nicht nur am Strand sonnen und sich mit köstlichem Essen den Bauch vollschlagen. Auch Kultur gibt es im Überfluss. Spanien ist da keine Ausnahme. Dort findet man eine Vielzahl von berühmten Sehenswürdigkeiten und Bauwerken, die durch ihre Schönheit und Ästhetik verzaubern. Denken wir nur an die Kathedrale von Santiago de Compostela, die „Sagrada Familia“ in Barcelona oder die Höhle von Altamira. Aber mit Abstand das faszinierendste und beeindruckendste Bauwerk auf der Iberischen Halbinsel ist die Alhambra in der südspanischen Stadt Granada.

Alhambra

Alhambra

Hoch auf einem Berg über Granada thront die Burg Alhambra. Über die Bedeutung des Namens herrscht Uneinigkeit in der Forschung, meistens wird Alhambra mit „Roter Berg“ übersetzt. Das Bauwerk stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist das herausragende Beispiel für maurische Baukunst in Spanien. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass ein Gebäude, das aus „Tausendundeine Nacht“ stammen könnte, im andalusischen Granada errichtet wurde?
Im 7. Jahrhundert kam es zur Entstehung des Islam durch den Propheten Mohammed (übers. „der Gepriesene“). Als Mohammed 626 starb, war bereits die gesamte arabische Halbinsel muslimisch geworden. In den folgenden Jahrzehnten begann die religiöse, aber auch politische Expansion über Syrien und Ägypten bis nach Persien. Unter der Herrscherfamilie der Omajaden dehnte sich das Reich über ganz Nordafrika aus und im Jahr 711 überschritt das islamische Heer die Meerenge bei Gibraltar. Die Westgoten, die auf der Iberischen Halbinsel ihr Reich etabliert hatten, unterlagen den Truppen der Omajaden. An den Grenzen des Frankenreiches war für die Eroberer dann Endstation, denn Karl Martell konnte mit seinem Heer bei Tours und Poitiers einen Sieg erringen. Das Reich der Omajaden hatte seine größte Ausdehnung erreicht – vom Indus über Syrien und Nordafrika bis nach Spanien.

Expansion des Islam bis 750 (dtv Atlas der Weltgeschichte)

Expansion des Islam bis 750 (dtv Atlas der Weltgeschichte)

Doch wie so oft, konnte ein derartig riesiges, politisches Gebilde nicht lang bestehen. Vor allem Machkämpfe im Inneren trugen dazu bei, dass es 750 zum Sturz der Omajaden kam. An ihre Stelle traten die Abbasiden. Ein Sprössling der Omajadenfamilie floh nach Spanien und richtete sich dort häuslich ein. Cordoba wurde zur Hauptstadt des Emirats und entwickelte sich ab dem 9. Jhdt. zu einer der größten Städte Europas.
Granada wurde neben Sevilla zu einem der Machtzentren ausgebaut und laut einigen Forschern lebten bis zu 400.000 EinwohnerInnen in Granada. Schon zu dieser Zeit war das Gelände der späteren Alhambra als Festung ausgebaut. Doch dieser Umstand konnte die Herrschaft der Omajaden in Spanien nicht festigen und um 1010 verloren sie ihre Machtstellung. In den folgenden Jahrhunderten überzog im Norden die Reconquista (Rückeroberung) das Land und im Süden waren die Dynastien aus Nordafrika an die Macht gekommen. Nach der Verlegung ihres Herrschaftssitzes nach Granada kam es unter der Familie der Nasriden zum Bau der Zitadelle der Alhambra.

Die Alhambra dient bis heute als Zeugnis für die Blüte der arabischen Kultur in Spanien. Die Anlage umfasst etwa 13 ha und man kann sie grob in vier Teile unterscheiden: Die Alcazaba oder Zitadelle, die Nasridenpaläste, die Medina (Palaststadt) sowie der Generalife (Sommerpalast), wobei letzterer außerhalb der Festungsmauern liegt. Vor allem die Nasridenpaläste weisen prachtvolle Ornamenten und Stuckarbeiten auf. In diesem Teil der Alhambra befindet sich der berühmte „Löwenhof“ mit dem „Löwenbrunnen“. Vor allem wenn es um das Element Wasser ging, bewiesen die Architekten der Alhambra große Kunstfertigkeit. Ein Beispiel dafür ist das Wasserbecken des „Myrtenhofes“. Die besondere Bauweise des Wasserzuflusses garantiert stets eine spiegelglatte Wasseroberfläche des Bassins. Auch der Sommerpalast und die Palaststadt bieten BesucherInnen aus aller Welt einen wunderbaren Einblick in die Architektur und Baukunst der arabischen Welt.

Im Jahr 1492 kam es dann zur endgültigen Eroberung von Granada, dem letzten  arabischen Herrschaftsgebiet auf europäischem Gebiet, durch Ferdinand II. und Isabella I. von Kastilien. Kaiser Karl V. ließ 1527 einen Teil der Nasridenpaläste abreißen, um einen Palast im Renaissance-Stil zu errichten. Des Weiteren findet man eine Kapelle in achteckiger Form im Nordosten des Palastes. Die Moschee der Alhambra wurde von Karl V. in eine katholische Kirche umgewidmet.
Die Alhambra inspirierte nicht nur Maler und Literaten aus aller Welt, sondern auch Musiker und Komponisten. Einige Filmproduktionen sahen in der Alhambra die ideale Kulisse.

Falls man sich in Südspanien befindet, sollte man sich einen Besuch auf der Alhambra und in Granada nicht entgehen lassen. Nächste Woche wird sich zeigen, warum es gut ist, bei dem zu bleiben, was man schon kann.

„Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.“ (Kurt Tucholsky)

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