Der Mann mit den „kleinen grauen Zellen“

… oder was im Orientexpress passiert ist.

Lesen ist für mich nicht nur ein Hobby, sondern eine Leidenschaft. Seit meiner Kindheit und Jugend faszinieren mich Bücher und die Geschichten in ihnen. Jede Woche wartete ich ungeduldig auf die Ankunft des Bücherbusses in unserem kleinen Ort. Wahrscheinlich war ich auch eines der wenigen Kinder, die ihren Schulbibliotheksausweis auch aktiv benutzt haben. Krimis und Thriller gehörten in meiner Zeit als Teenager zu meinen absoluten Lieblingsgenres und daran hat sich auch nicht viel geändert. Manche Bücher entsprachen vielleicht nicht immer meinem Alter, aber das hinderte mich nicht daran sie zu lesen. Schon bald kristallisierte sich eine Vorliebe für die Werke einer bestimmten Autorin heraus – Agatha Christie. Häufig wird sie als „Queen of Crime“ bezeichnet und meiner Meinung nach trägt sie diesen Titel zurecht. Ihr widme ich den heutigen Blogeintrag. Wann immer wir ein Buch zu Ende gelesen haben, können wir den Inhalt wiedergeben. Doch was wissen wir eigentlich über die Menschen, die uns diese großartigen Geschichten geschenkt haben?

 

Agatha Christie (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Agatha_Christie.png)

Agatha Christie (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Agatha_Christie.png)

Agatha Christie, Geburtsname Agatha Mary Clarissa Miller, wurde am 15.9.1890 in Torquay (England) geboren. Im Alter von 24 Jahre heiratete sie ihren ersten Mann Archibald Christie. Während des 1. Weltkrieges arbeitete Agatha Christie als Krankenschwester in einem Lazarett. Und genau dort kam ihr die Idee für ihr erstes Buch. Es trug den Titel „Das fehlende Glied in der Kette“. In diesem Werk erblickte einer der berühmtesten Detektive der Literaturgeschichte das Licht der Welt – Hercule Poirot. In den folgenden Jahren erschienen weitere Krimis von Agatha Christie mit dem exzentrischen Belgier und seinen „kleinen grauen Zellen“. Sir Peter Ustinov und Albert Finney haben Hercule Poirot auch auf der Leinwand unsterblich werden lassen.
Ihre erste Ehe verlief nicht glücklich, denn Colonel Christie hatte eine Affäre mit einer anderen Frau. Diese Nachricht warf die Autorin völlig aus der Bahn und sie verschwand für mehrere Tage. Nach einer großen Suchaktion wurde Agatha Christie in einem Hotel gefunden. Nachdem sich Agatha Christie 1928 von ihrem ersten Mann scheiden ließ, lernte sie bei einer Reise in den Nahen Osten ihren zweiten Mann Max Mallowan kennen. Die Autorin traf den Archäologen bei Ausgrabung der antiken Stadt Ur. Von ihr stammt auch das Zitat:

„Heirate doch einen Archäologen! Je älter du wirst, umso interessanter findet er dich!“

1930 war ein besonderes Jahr für Agatha Christie, denn zum einen heiratete sie den um 14 Jahre jüngeren Max Mallowan und zum anderen kam ihr die Idee zur Figur der Miss Marple. Ihren ersten Auftritt hatte die Hobbydetektivin im Kriminalroman „Mord im Pfarrhaus“ (engl. „Murder at the Vicarage“). Obwohl die Schriftstellerin es nie für möglich gehalten hatte, dass die schrullige, ewige Jungfer Jane Marple aus dem Dörfchen St. Mary’s Mead dem großen Detektiv Hercule Poirot jemals Konkurrenz machen könnte, erfreute sich der neue Charakter großer Beliebtheit. In Verfilmungen der Miss Marple Romane verkörperten Margret Rutherford, Joan Hickson oder Angela Lansbury die Hobbydetektivin
Mit Max Mallowan besuchte Agatha Christie noch weitere berühmte Stätten wie Petra in Jordanien. Dort ließ sie ihr Buch „Der Tod wartet“ („Appointment with Death“) spielen, das in England 1938 erschien. „Tod auf dem Nil“ kann ebenfalls mit antiken Sehenswürdigkeiten wie Karnak oder Abu Simbel als Schauplätzen aufwarten.


Als sich Agatha Christie 1931 auf der Rückreise mit dem Orientexpress aus dem Nahen Osten über den Balkan nach England befand, geriet der Zug in einen Schneesturm. Durch diesen Umstand entstand das wahrscheinlich berühmteste Buch aus der Feder von Agatha Christie – „Mord im Orientexpress“, das 1934 verlegt wurde. Der Kriminalroman mit Hercule Poirot wurde 40 Jahre nach der Veröffentlichung des Buches verfilmt (mit Albert Finney, Lauren Bacall, Sean Connery, Michael York, Ingrid Bergman und Vanessa Redgrave) und war für 6 Oscars nominiert, wobei die begehrte Auszeichnung für die beste weibliche Nebendarstellerin Ingrid Bergman verliehen wurde.
Zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört „Die ersten und letzten Arbeiten des Herkules“, in dem Hercule Poirot zwölf Fälle löst, die an die berühmten Aufgaben des antiken Helden Herkules angelehnt ist. Agatha Christie hat damit das – zumindest für mich – perfekte Buch geschrieben, in dem sie es auf brillante Weise verstanden hat, Kriminalgeschichten mit Mythologie zu verknüpfen.
Insgesamt verfasste Agatha Christie 73 Kriminalromane, 20 Theaterstücke, unzählige Kurzgeschichten und eine Autobiographie. Unter dem Pseudonym „Mary Wesmacott“ schrieb sie sechs Liebesromane. 1956 wurde der Autorin der „Order oft he British Empire“ verliehen und damit wurde sie zu „Dame Agatha“. Die „Queen of Crime“ starb am 12.1.1976 in Wellington, Oxford. Agatha Christie hinterließ uns durch ihr Wirken zwei der berühmtesten Detektivfiguren der Welt sowie eine Vielzahl an außergewöhnlichen und mitreißenden Büchern. Ihre Werke wurden in über 100 Länder verlegt. Da die Bücher von Agatha Christie im Dritten Reich verboten waren, wurde sie erst nach 1945 in Deutschland publiziert. Im Jahr 2000 wurde Agatha Christie der „Anthony Award als beste Kriminal- und Mysteryautorin des Jahrhunderts“ verliehen. Mir persönlich haben ihre Kriminalromane nicht unzählige Stunde voller Spannung beschert, sondern auch Einblicke in die Gesellschaft der damaligen Zeit, einiges an Allgemeinbildung sowie imaginäre Reisen zu berühmten Stätten.

Weitere Kriminalromane von Agatha Christie:

Das Böse unter der Sonne
16 Uhr 50 ab Paddington
Fata Morgana
Mord im Spiegel
Der Wachsblumenstrauß
Die Morde des Herrn ABC
uvm.

Denken wir kurz an all die AutorInnen wie Agatha Christie, denen wir soviel Lesevergnügen verdanken. Nächste Woche benötigen wir gutes Schuhwerk, denn wir begeben uns auf eine lange Reise.

„Das wichtigste Rezept für den Krimi: Der Detektiv darf niemals mehr wissen als der Leser.“ (Agatha Christie)

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