Undank ist der Welten Lohn

… oder wie ein Lebensretter sein Leben verlor.

Alexander der Große gilt wohl als eine der bekanntesten Gestalten in der Geschichte und rund um seine Person finden sich zahlreiche Erzählungen und Episoden. Eine davon soll heute das Thema sein. Diese Geschichte handelt von einem Lebensretter und wie Alexander es ihm gedankt hat.
Im Jahr 334 v. Chr. machte sich Alexander – angeblich um an den Persern für die Zerstörung Athens Rache zu nehmen  – auf nach Asien, um gegen den Großkönig Dareios III. in den Krieg zu ziehen.
Zu Anfang des Feldzuges lief alles recht gut und man traf am Fluss Granikos auf feindliche Truppen. Eine Schlacht entbrannte! Laut den Quellen soll sich an diesem Ort noch ein weiteres, sehr einschneidendes Ereignis im Leben des großen Feldherrn ereignet haben.
Wie schon erwähnt, lag das Schlachtfeld direkt neben dem Fluss Granikos und im Kampfgetümmel geschah es, dass Alexander der Große sich in den Fluten des Flusses wiederfand. Nun könnte man sagen: Kein Problem, schwimmt man einfach wieder zurück ans Ufer. Allerdings strampelte Alexander der Große verzweifelt im Wasser, ohne sich retten zu können. In einigen antiken Quellen ist zu lesen, dass der große Alexander gar nicht schwimmen konnte.

Büste von Alexander dem Großen im British Museum (eig. Foto)

Büste von Alexander dem Großen im British Museum (eig. Foto)

Der König der Makedonen hatte Glück, dass ihn viele seiner Freunde aus Jugendzeiten auf seinem Feldzug begleiteten. Einer davon war Kleitos der Schwarze. Warum dieser junge Mann diesen Beinamen hatte, weiß ich nicht. Kleitos rettete Alexander das Leben und zog ihn aus den reißenden Wassern. Nachdem Kleitos ausgiebig als Lebensretter des Königs gefeiert wurde und die Schlacht am Granikos gewonnen war, zog der ganze Trupp weiter. Am Ende des Feldzuges 331 v. Chr. krönte sich Alexander der Große in Babylon als persischer König und richtete sich dort häuslich ein. Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende.

 

 

Nach einiger Zeit beschloss Alexander auch noch die Völker östlich des Perserreiches zu unterwerfen. So fielen Baktrien, Sogdien und sogar Teil des indischen Subkontinents in die Hände des Eroberers. Dieser hatte sich während des Indienfeldzuges doch etwas dahingehend verändert, dass er immer häufiger dem Wein zusprach und aus diesem Grund öfter emotional überreagiert. Dabei half es auch nicht, dass sogar seine engsten Freunde seine Entscheidung häufiger in Frage stellten und Kritik an Alexander übten. Es machte ihn nur noch zickiger. Das dies in einer Katastrophe enden musste, zeichnete sich ab.
Während eines rauschenden Gelages beleidigte der einstige Lebensretter Kleitos seinen König und Herrscher. Alexander war tief getroffen durch die Worte seines Freundes und wollte diesen noch tiefer treffen. Der antike Autor Plutarch beschreibt es so:

„Nicht lange danach ereignete sich der Vorfall mit Kleitos, der, wenn man ihn einfach erzählen hört, einem noch grausamer erscheinen mag als das Vorgehen gegen Philotas. Betrachtet man aber im Zusammenhang mit dem Bericht die Ursachen und die Zeitumstände, so findet man, dass der König nicht mit Vorsatz, sondern zufolge eines unglücklichen Zusammentreffens vollbracht hat, indem Wut und Trunkenheit dem bösen Dämon des Kleitos freie Bahn schufen. Jetzt riss Alexander einem seiner Trabanten den Spieß aus der Hand und rannte ihn Kleitos, der ihm entgegenkam und gerade den Vorhang vor der Tür wegzog, durch den Leib. Als er stöhnend und brüllend niedergestürzt war, verließ den König augenblicklich der Zorn, er kam wieder zu sich, und als er die Freunde sprachlos dastehen sah, konnte er den Spieß eben noch aus dem Leichnam herausreißen; als er aber Miene machte, sich ihn in den Hals zu stoßen, wurde er daran gehindert, da die Leibwächter seine Arme festhielten und ihn mit Gewalt in sein Schlafzimmer brachten.“

(Plut. Alex. 50-51)

 

Alkohol war wiedermal die Wurzel allen Übels gepaart mit einem cholerischen Temperament. Zumindest stellt Plutarch die Ereignisse so dar. Geplant hat der sturzbetrunkene Alexander die Tat sicher nicht, aber Alkohol soll nicht als Ausrede gelten – auch nicht für persische Großkönige. Die anschließende Reue halfen weder Alexander dem Großen noch Kleitos dem Schwarzen – der lag tot auf dem Boden. Dies war nicht der einzige Wutanfall den Alexander der Große gehabt hat, doch hatte dieser einen tragischen Ausgang.

Die Feldzüge Alexanders des Großen (dtv Weltatlas, Bd. 1 - 2004, S. 64)

Die Feldzüge Alexanders des Großen (dtv Weltatlas, Bd. 1 – 2004, S. 64)

Kurze Zeit darauf wurde der Indienfeldzug beendet und das Heer zog zurück nach Babylon. Dort starb Alexander der Große im Jahr 323 v. Chr. ohne eine Nachfolgeregelung zu hinterlassen. Sein riesiges Reich wurde unter den Diadochen aufgeteilt und zerbrach allmählich.

Vieles wurde über Alexander den Großen geschrieben, seine Taten diskutiert und versucht sie zu analysieren. Eines ist sicher: Nicht einmal das Leben von Alexander gerettet zu haben, konnte einen vor seinem Zorn bewahren.

 

Lassen wir Alexander den Großen weiter in den Fluten seiner Reue herumstrampeln. Nächste Woche heften wir uns an die Fersen zweier Männer und einer Frau, die Richtung Westen reisen.

„Wenn Du das Trinken aufgeben willst, sieh Dir mit nüchternen Augen einen Betrunkenen an.“ (Chinesisches Sprichwort)

0 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. tja, Macht korrumpiert, sag ich nur. Und wenn man sich die Geschichte so anschaut, ist es sowieso gefährlich, mit mächtigen Menschen befreundet zu sein. Wenn diese dir nicht nach dem Leben trachten, sind es dessen Feinde…

    • Und selbst wenn man als Historiker für Alexander seine Geschichte aufschrieb, war man nicht davor gefeit, vorzeitig sein Leben zu beenden. Sein Hofhistoriker Kallisthenes von Olynth wurde im Zusammenhang mit der sogenannten „Pagenverschwörung“ hingerichtet. Laut den Quellen soll er sich geweigert haben, sich vor Alexander zu verbeugen und den Boden (oder Saum seines Gewandes) zu küssen –> Proskynesis. Das war bei den Griechen nur Gottheiten vorbehalten.

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