Go West

…oder warum zwei Männer eine Frau zur Orientierung brauchen.

Es gibt viele berühmte Pärchen. Den einen gibt es ohne den anderen nicht und umgekehrt. Hören wir den einen Namen, verbinden wir ihn sofort mit dem zweiten. Dafür benötigen wir kaum Bedenkzeit. Ich spreche hier nicht von Salz und Pfeffer, sondern eher von Adam und Eva, Tom und Jerry, Scarlett O’Hara und Rhett Butler, Asterix und Oberlix oder Hänsel und Gretel. Es existieren aber nicht nur fiktive Paare, deren Namen uns geläufig sind, sondern auch einige reale Doppelpackungen. Dazu gehören Caesar und Kleopatra, Napoleon Bonaparte und Josephine oder John Lennon und Yoko Ono. Betrachtet man die Geschichte Nordamerikas, so hört man unweigerlich von Lewis und Clark. Damit meine ich jetzt nicht die Adaption der Superman Comics als Serie „Die Abenteuer von Lois und Clark“, sondern Meriwether Lewis und William Clark. Die beiden begegneten mir unter anderem auch während meines Studiums. Doch wer waren diese beiden Männer und warum sind sie für die US-amerikanische Geschichte von Bedeutung?

Meriwether Lewis lebte von 1774-1809 und legte eine bilderbuchhafte Karriere in der Armee hin. Später arbeitete er als Sekretär des US-amerikanischen Präsident Thomas Jefferson. Des Weiteren war Lewis sehr an Biologie interessiert, vor allem im Bereich der Botanik. William Clark hingegen war einige Jahre älter als Lewis und lebte von 1770-1838. Er war ein Spezialist auf dem Gebiet der Kartographie und hatte bereits viel Erfahrung mit der indigenen Bevölkerung Nordamerikas gesammelt. Beide Akteure stammten aus Charlottesville, Virginia. Lewis und Clark wurde von Präsident Jefferson auserwählt, um das so genannte „Corps of Discovery“, die Expedition quer durch Nordamerika zum Pazifik, zu leiten.

Zu allererst muss man wissen, dass um 1800 einige Kolonialmächte wie Spanien oder Frankreich Besitzungen in Nordamerika hatten. So kam es, dass im Jahr 1801 das Gebiet von Louisiana von Spanien an Frankreich, das von Napoleon regiert wurde, abgetreten wurde. In diesem lag auch New Orleans, dessen Hafen ein Umschlagplatz für Waren aller Art war. Es galt zu befürchten, dass dies wirtschaftliche Einbußen für die Vereinigten Staaten nach sich ziehen würde. So unternahm Präsident Jefferson alles, um in den Besitz dieser Gebiete zu kommen. Diese Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, denn 1803 Napoleon verkaufte das französische Territorium in Nordamerika um ca. 15.Mio $ an die USA. Nun befand Präsident Jefferson, es wäre an der Zeit, sich das ganze Gebiet einmal genauer anzusehen. Und so kamen Lewis und Clark zum Handkuss und wurden von oberster Stelle zu den Leitern des „Corps of Discovery“ ernannt.

In einem offiziellen Schreiben vom 20.6.2803 instruierte Präsident Jefferson Lewis und Clark über den Zweck der Expedition. Erstens sollten sie den Lauf des Flusses Missouri und seine Nebenflüsse erforschen, da die Idee einer durchgehenden Flussverbindung quer über den Kontinent im Kopf des Staatsoberhauptes herumgeisterte. Das wäre ja ungemein praktisch, dachte er sich vielleicht dabei. Zweitens sollten Lewis und Clark in Kontakt mit den ansässigen indigenen Stämmen treten und Informationen sammeln. Drittens war es Präsident Jefferson ein Bedürfnis zu erfahren, welche Fauna und Flora in den noch unerforschten Gebieten zu finden sei.

Nachdem fähige Experten sowie mutige Abenteurer für das Unternehmen gefunden waren und alle Gerätschaften sowie Proviant beisammen lagen, startete die Expedition am 3. Juli 1803. Über den Winter quartierte man sich in St. Louis ein, vor allem um alle Anwesenden auf die Wildnis und ihre Gefahren vorzubereiten. Am 14. Mai 1804 bestieg man dann endlich das Boot und fuhr den Fluss Missouri entlang. Während Lewis oft am Ufer entlang ging, um dort die Natur zu studieren, hatte Clark das Kommando über das Boot. Die Begegnungen mit einheimischen Stämmen verliefen meist friedlich, aber nicht immer. Als Lewis und Clark in Fort Mandan im heutigen North Dakota überwinterten, verpflichteten sie den französischen Pelzhändler Toussaint Charbonneau als Dolmetscher. Auch die Frau von Charbonneau begleitete den Trupp. Ihr Name war Sacagawea und sie stammte ursprünglich vom Volk der Shoshonen, wurde aber als Kind von einem anderen Stamm entführt, da sie die Tochter des Häuptlings war und an Charbonneau verkauft. Sacagawea erwies sich als unendlich wertvoll für Lewis und Clark, denn nicht nur ihr großes Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt war für die Expedition von unschätzbarem Wert. Sie war es auch, die die Männer über die Rocky Mountains führte und die Expedition davor bewahrte, sich in der Wildnis zu verirren. Des Weiteren vermittelte Sacagawea häufig zwischen den indigenen Stämmen und den Expeditionsleitern. Dabei muss man bedenken, dass sie diese strapaziöse Reise mit ihrem erst kürzlich geborenen Babys am Rücken bewältigte. Durch ihre Verwandtschaft mit dem Shoshonen stellte die Beschaffung der benötigten Packpferde kein Problem dar.

Lewis und Clark sowie ihre Männer passierten die Wasserfälle des Missouri, gelangten an seine drei Quellflüsse und überwanden die Pässe der Rocky Mountains. Entlang von Flussläufen und mit der Unterstützung freundlich gesinnter Stämme erreichten sie Anfang November 1805 die Mündung des Flusses Columbia, den sie fälschlicherweise für das Meer hielten. Der Irrtum wurde schnell klar und nur wenige Tage später war die Expedition am Ziel ihre Reise angekommen: dem Pazifik. Auf dem Rückweg teilten Lewis und Clark ihre Männer in zwei Gruppen, um mehr von dem entdeckten Gebiet besser erforschen zu können. Am 23.9.1806 kamen die beiden wiedervereinten Teile der Expeditionsmannschaft wieder sicher in St. Louis an.

Die Ausdehnung der Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Unabhängigekeitskrieg (dtv Atlas Weltgeschichte, Bd. 2, 2004; S. 292)

Die Ausdehnung der Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Unabhängigekeitskrieg (dtv Atlas Weltgeschichte, Bd. 2, 2004; S. 292)

Zu den Ergebnissen ist zu sagen, dass es Lewis und Clark nicht gelang, den Wunsch von Präsident Jefferson zu erfüllen und einen durchgängigen Wasserweg zum Pazifik zu finden. Man hatte nicht mit den Rocky Mountains gerechnet. Doch fanden sie zahlreiche neue Tier- und Pflanzenarten wie z.B. den Grizzlybären oder den Präriehund. Es gelang Lewis und Clark auch zu zahlreichen indigenen Stämmen Kontakt herzustellen, allerdings nicht immer auf friedliche Weise. Das „Corps of Discovery“ brachte auch die Besiedlung des nordamerikanischen Westens ins Rollen. Damit begann aber auch der Kampf der einheimischen Bevölkerung gegen die Siedler aus dem Osten. Viele Menschen suchten in den neuen Gebieten nach einem besseren Leben. Dabei nahmen die „weißen“ Siedler aber anderen die Grundlage zum Leben und verdrängten die ansässigen Völker aus ihrer Heimat.

Blicken wir mit Lewis und Clark noch einen Moment auf die unendlichen Weiten des Pazifiks. Nächste Woche tauchen wir tief in die Wellen eines anderen Meeres hinab.

„Wer den Weg ans Meer nicht weiß, gehe nur dem Flusse nach.“ (Sprichwort)

 

 

0 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Endlich hab ichs mal wieder geschafft.
    sehr interressant! Ich glaub ich habe schon mal was von der Frau gelesen… gibt es eigentlich kein Bild von ihr? wäre mal wieder typisch, aber schade.

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