Die „Gotteserscheinung“

… oder warum eine Kaiserin manchmal auch ein Kaiser sein kann

Berufstätige Mütter und Karrierefrauen sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Aber nicht nur das. Immer mehr Frauen meistern den äußerst schwierigen Spagat zwischen Mutterschaft und dem raschen Erklimmen der Karriereleiter. Persönlich kann ich nicht einschätzen, was man alles dafür tun muss, dass beide Lebensbereiche funktionieren und man nicht nach kurzer Zeit ausgebrannt ist.

Heute treffen wir auf eine Frau, die in mittelalterlicher Zeit ganz weit oben in der politischen Hierarchie zu finden war. Aber sie war auch eine Mutter und sie tat ihr Möglichstes, ihren Sohn zu einem guten Herrscher zu erziehen.

Christus segnet Kaiser Otto II. und Kaiserin Theophanu, Elfenbeinrelief aus Italien, Ende 10. Jhdt. (Knefelkamp, Das Mittelalter, S. 113)

Christus segnet Kaiser Otto II. und Kaiserin Theophanu, Elfenbeinrelief aus Italien, Ende 10. Jhdt. (Knefelkamp, Das Mittelalter, S. 113)

Die Rede ist von Theophanu, was übersetzt „Gotteserscheinung“ bedeutet. Sie war die Nichte des byzantinischen Kaisers Nikephoros Phokas. Im Jahr 972 wurde Theophanu mit Otto II. verheiratet, dem Sohn von Otto I. des Großen. Die Zeremonie fand in der Peterskirche in Rom statt und der Papst höchst persönlich traute das Paar. Der Schwiegervater Otto I. war zu diesem Zeitpunkt der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Da sein Sohn Otto II. bereits zum Mitkaiser gekrönt worden war, trug nun auch Theophanu diesen Titel. Vor allem die Sicherung der nördlichen Gebiete gegen die Dänen unter Harald Blauzahn sowie die Festigung der Herrschaft in Italien standen im Zentrum von Ottos II. Interesse. Theophanu begleitete ihren Gatten in den Süden. Nach dem Tod Ottos I. kam Otto II. im Jahr 973 an die Macht, allerdings regierte er nur 10 Jahre. Theophanu hatte fünf Kinder mit Otto II., darunter auch den Thronfolger Otto III. Etwas verwirrend diese ganz Ottos, das gebe ich zu. Aber deswegen hat man sie auch nummeriert. Obwohl Otto III. beim Tod seines Vaters erst drei Jahre alt war, galt der royale Knirps bereits regierungsfähig. Aber die Vormundschaft über den Mini-Kaiser war  nicht eindeutig geregelt und so entbrannte ein Streit zwischen Theophanu und Heinrich dem Zänker. Letzterer war der Mann von einer Nichte Ottos I. von Otto I. Es gelang Heinrich – in Abwesenheit von Theophanu und der Großmutter Adelheid – den kleinen Otto III. in seine Gewalt zu bringen. Allerdings schlug ihm durch diesen politischen Schachzug heftiger Gegenwind ins Gesicht. Heinrich der Zänker musste flüchten und im Jahr 984 wurde Otto III. wieder an Theophanu übergeben.

Bereits zwei Jahre später wurde Otto III. offiziell zum Kaiser gekrönt und Theophanu übernahm die Regierungsgeschäfte für ihren Sohn. Selbstverständlich wurde sie von führenden Adeligen aus dem Reich unterstützt. Die nächste Aufgabe, die auf Theophanu wartete, war die Sicherung der Herrschaftsansprüche in Italien, mit der sich bereits ihr verstorbener Gatte Otto II. herumschlagen musste. Von Papst Johannes XV., der von 985-996 oberster Hirte des Christentums war, empfing Theophanu und die Kaiserrechte in Rom und den südlichen Gebieten des Reiches wurden erneuert.

Wenn man sich Urkunden aus dieser Zeit ansieht, dann tritt Theophanu hier als Kaiserin auf. Die genaue Bezeichnung lautete „Theophanu imperatrix augusta“. Es kam allerdings auch vor, dass Theophanu ihr Geschlecht „wechselte“, zumindest in den Urkunden. Man findet dort auch die männliche Titulatur „Theophanius imperator augustus“. Dies ist ein Ausdruck der großen Macht und des Einflusses, den Theophanu inne hatte.

Insgesamt zeigte sich die ehemalige byzantinische Prinzessin Theophanu als kluge Regentin und geschickte Vermittlerin in politischen Angelegenheiten. Weiters vollendete sie das Reichskirchensystem und hielt die Herrschaft des Kaisertums in Italien aufrecht. Ihrem Sohn Otto III. ließ sie eine umfassende Ausbildung zuteilwerden, die ihn bestens auf die Kaiserwürde vorbereiten sollte. Des weiterenbefanden sich in dem Umfeld von Theophanu zahlreiche Künstler und Gelehrte aus Byzanz ins Heilige Römische Reich. Diese förderte die Verbreitung der griechischen Kultur in Mitteleuropa.

Als Theophanu 991 in Nimwegen starb, übernahm Adelheid, die Witwe Otto I. und Großmutter Ottos III., die Regentschaft für den noch unmündigen Kaiser. Das Grab von Kaiserin Theophanu befindet sich in Köln. Otto III. erreicht 994 endlich seine Mündigkeit und konnte selbst bis zum Jahr 1002 über das Heilige Römische Reich herrschen.

Theophanu war beides – Mutter und Kaiserin, manchmal sogar Kaiser. Dass ihr Sohn eine fundierte Ausbildung, damit er als Herrscher eine gute Figur machen würde, war eines ihrer Hauptanliegen. Damit unterscheidet sie sich in keinster Weise von den Müttern in der heutigen Zeit. So stark ändert sich die menschliche Natur auch über Jahrhunderte nicht.

Lassen wir Theophanu, Otto I., Otto II. und Otto III. in Frieden ruhen. Beim nächsten Mal steht eine Stadt nach Plan im Zentrum des Interesses.

 

„Süß wie die Mutter ist dem Kind nichts auf der Erde. Ja, Kinder, habt die Mutter lieb! Das Leben bringt euch keine Liebe, die so wohl tut wie diese.“ (Euripides)

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. jaaa über die hab ich schon mal ein Buch gelesen (kein wissenschaftliches 😉 )!
    aber ich lach mich grade tot: Heinrich der Zänker!! 😀 der muss ja wirklich unsympahisch gewesen sein, wenn sich der Spitzname so hartnäckig gehalten hat!

  2. Ein Buch ist besser als kein Buch! 😉

    Vielleicht schreib ich auch noch was über Heinrich den Zänker, mal sehen! Titel: Das wahre Rumpelstilzchen

  3. Pingback: 4 x Iulia - Geschichte ist alles

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