Ein ganz schönes Stück Arbeit

… oder was Handarbeit mit einer Schlacht zu tun hat.

Im letzten Beitrag wurde gezeigt, wieviel Geschichte in nur einem Lied stecken kann. Heute steht ein Dekorationsgegenstand aus der Zeit des Hochmittelalters im Mittelpunkt. Viele kennen den Film „Robin Hood – König der Diebe“ (1991) mit Kevin Costner, Morgan Freeman, dem unvergleichlichen Alan Rickman als Sheriff von Nottingham und Sean Connery. Im Intro sieht man Teile des berühmten Teppichs von Bayeux. Allerdings hat die Handarbeit mit historischem Inhalt nicht viel mit der Geschichte von Robin Hood zu tun.

Dennoch erzählt der Teppich von Bayeux auf seinen unglaublichen 68 m (!) bedeutende Ereignisse aus der englischen Geschichte. Die gewaltige Stickerei wurde um 1070 angefertigt und manchmal auch als „Bildteppich von Königin Mathilde“ bezeichnet. In 58 Einzelszenen wird die Eroberung von England durch die Normannen unter Wilhelm den Eroberer, Herzog der Normandie, dargestellt. Ein ganz schönes Stück Arbeit! Angefangen mit der Begegnung von König Edward dem Bekenner mit Harald Godwinson, dem Earl of Wessex, über den Tod von König Edward bis hin zur Schlacht von Hastings 1066.

Doch wie kam es überhaupt zu der Schlacht von Hastings, die ein einschneidendes Ereignis in der englischen Geschichte darstellt. Dazu muss man ein wenig ausholen. Nicht lange konnten sich die Briten am Ende der Herrschaft der Römer über ihre Insel erfreuen. Schon um 450 landeten die germanischen Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten in England und gründeten Königreiche im Süden. Viele der Briten flohen über den Kanal nach Frankreich. So kam übrigens das Gebiet „Bretagne“ zu seinem Namen. Unter dem angelsächsischen König Egbert von Wessex kam es zur Erhebung Londons zur Residenz und einem Zusammenschluss der einzelnen Reiche.

König Eduard I. der Bekenner auf dem Teppich von Bayeux (Quelle: http://commons.wikimedia.org)

König Eduard I. der Bekenner auf dem Teppich von Bayeux (Quelle: http://commons.wikimedia.org)

Seit dem Ende des 8. Jahrhundert war ein neues Problem auf der Bildfläche erschienen – dänische Wikinger überzogen die Küsten der Insel mit Plünderungen. Ab 1013 kam es zur Invasion der Dänen, die England ihrem Reich einverleiben wollten. Bis zum Jahr 1016 konnten sich die angelsächsischen Könige erfolgreich gegen die Dänen zur Wehr setzen. Doch dann geriet England unter die Herrschaft von Dänemark. Der spätere König Edward der Bekenner musste fliehen und kam so in die Normandie. Seine Mutter hatte zuvor den Dänenkönig Knut den Großen geheiratet. Im Jahr 1042 kehrte Edward nach England zurück und ließ viele Neuerungen, die er in der Normandie kennengelernt hatte, in die Herrschaftsstruktur Englands einfließen. Dies stieß allerdings beim angelsächsischen Adel auf Widerstand und auch weitere Konflikte mit Dänemark waren unvermeidbar. Kurz vor seinem Tod ernannte Edward I. seinen Schwager Harald Godwinson zu seinem Nachfolger.

Dies rief jedoch den normannischen Herzog Wilhelm auf den Plan, der behauptete von Edward I. zu seinem Nachfolger bestimmt worden zu sein. So kam es am 14. Oktober 1066 zur Schlacht von Hastings, bei der Wilhelm der Eroberer Harald Godwinson tötete und somit als Sieger hervorging. Der Normanne hatte seinen Anspruch auf den Thron durchgesetzt und wurde zu Wilhelm I. Damit änderte sich auch die bisherige Herrschaftsstruktur z.B. durch die Einführung des Lehenswesens oder das Domesday Book (Grundkataster). All diese Ereignisse zeigt uns der Teppich von Bayeux. Die Krönung von Wilhelm zum König kann man heute auf den Teppich nicht mehr sehen, da das Ende abhanden gekommen ist. Experten gehen davon aus, dass die Länge des Teppichs von Bayeux über 70 m betragen haben soll.

Für die Leute der damaligen Zeit waren Bilder, in allen möglichen Formen, die einzige Möglichkeit sich Informationen zu beschaffen. Die Alphabetisierungsrate war extrem niedrig. Zwar sind auf dem Teppich von Bayeux viele der Darstellungen mit einem Schriftzug versehen, aber hier galt das Motto „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“.

Der Teppich von Bayeux ist jedoch nicht nur aufgrund der Darstellung politischer Ereignisse interessant, sondern er gibt auch Auskunft über viele Bereich des Lebens im Hochmittelalter: Von Kampfweise, Bewaffnung und Rüstung der Angelsachsen und Normannen über Schiffsbau, Jagd sowie Geldwesen bis hin zu Schmuck und traditioneller Kleidung. Das macht jeden/jede Historikerin glücklich!

Seit 1982 befindet sich der Teppich von Bayeux im extra dafür erbauten Centre Guilliaume le Conquérant in der Stadt Bayeux. Eine Kopie der gewaltigen Stickerei ist im Stadtmuseum von Reading ausgestellt. Wer nicht mehr bis zum Besuch in Bayeux oder Reading warten will, hier der Teppich in seiner vollen Länge im Schnelldurchlauf bzw. Teile davon als Animation. Im Jahr 2007 wurde der Teppich von Bayeux in die Liste des UNESCO „Weltdokumentenerbes“ aufgenommen.

Doch nun genug von Wilhelm dem Eroberer, Eduard dem Bekenner, Harald Godwinson und wie sie alle heißen. Nächstes Mal steht die Neutralität im Zentrum des Interesses.

 

„Alle Eroberer sind einander irgendwo ähnlich in ihren Plänen, in ihrem Geist und Charakter.“ (Joseph Joubert)

 

 

 

 

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  1. also, ich sticke ja mitunter ganz gerne, aber… puhhhhh. ich will gar nicht wissen wie lange die dafür gebraucht haben… weiss man, wer den angefertigt hat?

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