Reiche Olivenernte

… oder warum Gordianus I. nur 20 Tage Kaiser war.

Egal, ob man schon einmal in Rom war oder nicht, jeder weiß wie das Kolosseum aussieht. Und falls es wirklich jemand noch nicht auf in Natur, in einem Buch oder einem Reiseprospekt gesehen haben sollte: es ist auf dem Foto ganz oben im Blog abgebildet. Wie schon im Beitrag „Ein Unglück kommt selten allein“ erwähnt, hieß es eigentlich Amphitheatrum Flavium. Wenn man nun glaubt, dass es im ganzen Römischen Imperium nur eines davon gegeben hat, dann befindet man sich gewaltig auf dem Holzweg. In allen Provinzen des riesigen Reiches liebte man „Brot und Spiele“.

So auch in der antiken Stadt Thysdrus in der Provinz Africa. Noch nie gehört? Dann wird es aber Zeit. Dort befindet sich nämlich das drittgrößte Amphitheater (griechisch „amphi“ bedeutet „herum“) des römischen Imperiums und das größte Gebäude aus römischer Zeit auf afrikanischem Boden. Heute sind von Thysdrus nur mehr Ruinen übrig. Die Stadt El Djem im heutigen Tunesien liegt nun darüber.

Amphitheater von Thysdrus (Quelle: Hoffmann, 100 Wunder der Welt, S. 14)

Amphitheater von Thysdrus (Quelle: Hoffmann, 100 Wunder der Welt, S. 14)

Der liebe Caesar ermöglichte dort um das Jahr 45 v. Chr. seinen Veteranen, sich ein neues Leben aufzubauen und seßhaft zu werden. Zuvor hatte es an diesem Platz bereits eine punische Siedlung gegeben. Bedeutung erlangte die Stadt Thysdrus erst im 2. und 3. Jh. n. Chr. In dieser Zeit war dieses Fleckchen Erde der Mittelpunkt der Ölbaumkultur und damit auch ein bedeutender Produzent von Olivenöl. Dafür wurde Thysdrus von Kaiser Septimius Severus in den Rang eines Municipiums erhoben. Das Öl machte die Bewohner von Thysdrus sehr reich. Und was macht man, wenn man viel Geld hat und das auch zeigen möchte? Man baut etwas Gewaltiges, damit alle sehen, was man sich leisten kann.

Münze mit dem Bild Gordianus I.

Münze mit dem Bild Gordianus I.

Um 238 n. Chr. unter der Statthalterschaft von Gordianus I. begann man mit dem Bau des Amphitheaters in Thysdrus. Um die 35.000 Personen hätten darin Platz gehabt. Die Initiative ging dabei von den reichen Bürgern der Stadt aus. Leider kam es nie zur Fertigstellung des gewaltigen Bauprojekts. Die reichen Olivenbauern fühlten sich wohl etwas zu mächtig und beschlossen ihren Statthalter Gordianus I. zum Imperator auszurufen. Das sah man in Rom gar nicht gerne und auch vor Ort in Thysdrus befanden sich Truppen die loyal zum amtierenden Kaiser Maximinus Thrax standen. Während der Auseinandersetzungen kam es zur Zerstörung der Stadt und so wurde das Amphitheater nie vollendet. Gordianus I. entschied sich freiwillig aus dem Leben zu scheiden und so endete sein kurzes Imperium nach nur 20 Tagen.

Neben diesem gewaltigen Amphitheater gab es noch ein zweites, kleineres, von Römern erbautes. Dieses fasste allerdings nur ca. 2.000 Leute. Leider nutzte man das Amphitheater von Thysdrus als Steinbruch und verbaute die Steine anderswo. Heute wird das Gebäude zumindest wieder für ähnliche Dinge genutzt, wie ursprünglich geplant. Es findet dort Festivals und andere Events statt. Das Amphitheater von Thysdrus gehört seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Blick auf die Arena des Amphitheaters in Thysdrus (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki)

Blick auf die Arena des Amphitheaters in Thysdrus (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki)

Also für den Fall, dass man sich mal in Tunesien befindet, unbedingt einen Besuch beim Amphitheater von Thysdrus einplanen. Für alle, die nicht so weit reisen möchten, um ein römisches Amphitheater aus der Nähe zu betrachten, hier ein paar andere Möglichkeiten:

  • Amphitheater in Capua, Italien (2. größtes)
  • Arena di Verona, Italien
  • Amphitheater in Pula, Kroatien
  • Amphitheater in Trier, Deutschland
  • Amphitheater in Nimes, Frankreich

 

Amphitheater von Pula (Quelle: eig. Foto)

Amphitheater von Pula (Quelle: eig. Foto)

Beim nächsten Mal lernen wir nicht nur einen Papst kennen, sondern gleich drei.

Drei Dinge sind an einem Gebäude zu beachten: dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohlgegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei. (Johann Wolfgang von Goethe)

 

 

 

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