Habeamus papam³

…oder was vor 500 Jahren in Konstanz geschah.

Im Frühjahr 2013 besuchte ich zum zweiten Mal Rom. Natürlich standen auch der Petersdom und die Vatikanischen Museen auf dem Plan. Kurz zuvor war ein neuer Papst gewählt worden – Franziskus I. Die Medien berichteten in alle Welt über die Fortschritte der Wahl, erklärten die Abläufe und brachten eine Menge an Zusatzinformationen über das Papsttum. Die Sedisvakanz (die Zeit in der kein Papst amtiert, also niemand auf dem Heiligen Stuhl sitzt) währte nur kurz. Bald stieg weißer Rauch über dem Vatikan auf. So schnell und reibungslos wie im Jahr 2013 ging es bei der Wahl des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche nicht immer zu.

Wenn wir einige Jahrhunderte in der Zeit zurückgehen und zwar in das Jahr 1378, dann finden wir dort eine ganz und gar verfahrene Situation rund um den Heiligen Stuhl wieder. In diesem Jahr starb Papst Gregor XI. und bald darauf kam es durch die Kardinäle zur Wahl von Urban VI. Leider enttäuschte dieser Papst die Erwartungen und Hoffnungen der hohen Geistlichen. Man beschloss zu handeln und eben ein Teil dieser, vermehrt aus Frankreich stammenden, Kardinäle wählte einen zweiten Papst mit Namen Clemens VII. Wie zwei Päpste gleichzeitig? Das kann nicht gut gehen und nein, ging es auch nicht. Hinter jedem dieser Nachfolger Petrus standen auch politische Mächte. Urban VI. konnte sich über die Unterstützung vom Heiligen Römischen Reich, von England, den rheinischen Kurfürsten, den skandinavischen Königreichen sowie Portugal erfreuen. Die Verbündeten von Clemens VII. hingegen waren die Königreiche Frankreich, Aragon, Kastilien, Neapel und Schottland. Urban VI. saß in Rom, während Clemens VII. in Avignon residierte. Eine extrem komplizierte und verworrene Situation, die unter dem Namen „Abendländisches Schisma“ in die Geschichte eingegangen ist. Das griechische Wort „Schisma“ bedeutet nichts anderes als „Trennung“.

Man merkte schnell, dass durch kriegerische Auseinandersetzungen keine Einigung herbeigeführt werden konnte. Nicht, dass die Parteien es nicht ausgiebig versucht hatten. Es half auch nichts, dass die beiden Päpste starben, denn es wurde einfach ein neuer Papst aus dem jeweiligen Lager gewählt. Man musste sich etwas anderes einfallen lassen, um die katholische Kirche wieder unter einen Papsthut zu bringen. Viele Gelehrte und Geistliche drängten auf die Abhaltung eines Konzils, das über den beiden Päpsten stehen würde, abzuhalten. Doch wie sich gleich zeigen wird, machte ein erster Versuch eines solchen Konzils die Lage nur noch schlimmer.

1409 hielt man ein Konzil in Pisa ab. Das Ergebnis desselben lautete wie folgt: Offiziell wurden sowohl Gregor XII. (urbanisch, Rom) als auch Benedikt XIII. (clementistisch, Avignon) abgewählt. Dafür, man höre und staune, wählte das Konzil in Pisa noch einen dritten Papst. Die beiden anderen weigerten sich nämlich abzudanken. Als ob die Verwirrung mit zwei Päpsten nicht groß genug gewesen wäre. Zunächst war es Alexander V. und als dieser starb, fiel die Wahl auf Papst Johannes XXIII. Aber wie wir alle wissen: Schlimmer geht’s immer! Alle drei Päpst exkommunizierten sich gegenseitig und blieben weiter in ihren Papstsitzen in Rom, Avignon und Pisa.

König Sigismund von Luxumburg

König Sigismund von Luxumburg

So konnte es nicht weitergehen. Nun betrat ein Mann die Bühne der Geschichte, der an der Beendigung des Abendländischen Schisma großen Anteil hatte – Sigismund von Luxemburg, dem aktuellen König Ungarns. Seit 1411 war er auch König des Heiligen Römischen Reiches und unterstützte Papst Johannes XXIII. (Pisa). Diese beiden riefen das Konzil von Konstanz ein, welches im November 1414 begann. Drei Aufgaben hatte man sich vorgenommen zu lösen, unter anderem auch die Einheit der Kirche (causa unionis) wiederherzustellen. Natürlich kann man sich vorstellen, dass dies nicht ohne Widerstand der drei Päpste geschehen würde. Gregor XII. war noch am einfachsten zu überzeugen und als man seine Bedingungen erfüllt hatte, dankte er ab. Johannes XXIII. dagegen weigerte sich, flüchtete aus Konstanz und musste erst wieder eingefangen werden. Danach wurde er in einem Prozess zur Absetzung als Papst verurteilt. Erst mit der Absetzung von Benedikt XIII. im Juli 1417 (!) konnte man an die Wahl eines einzigen Papstes denkten. Am 11.11.1417 wurde Martin V. zum Papst gewählt und damit hatte das Abendländische Schisma ein Ende.

Papst Martin V.

Papst Martin V.

Die beiden andere Aufgaben des Konzils von Konstanz konnten nicht gelöst werden, denn es handelte sich um die Wiederherstellung der Glaubenseinheit (causa fidei) und eine Reform der Kirche (causa reformatoris). Zweiteres betraf vor allem die Hussitenbewegung in Böhmen unter der Führung des Reformators Jan Hus.

Gedenkstein für Jan Hus in Konstanz

Gedenkstein für Jan Hus in Konstanz

Dieser wurde im Zug des Konzils wegen Ketzerei angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Doch die Glaubensspaltung der katholischen Kirche war nicht mehr aufzuhalten und nur ca. 100 Jahr später kam es durch die Thesen Martin Luthers zum Bruch.

 

 

Es ist nun deutlich geworden, dass nicht nur zuviele Köche den Brei verderben, sondern auch zuviele Päpste den Glauben. Nächste Woche erklimmen wir die höchsten Höhen.

 

Gegner bedürfen einander oft mehr als Freunde, denn ohne Wind gehen keine Mühlen. (Hermann Hesse)

 

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