Nie ohne meinen Kollegen

… oder was man sich in Rom gegen Langzeitbeamte einfallen ließ.

Jeder der schon einmal etwas in einem Amt zu erledigen hatte, kennt die Tücken der österreichischen Bürokratie. Für alles braucht man eine Bescheinigung, einen Stempel und natürlich auch eine Person, die einem das alles ausstellt: der Beamte. Jahrelange sitzen manche bis zu ihrer Pensionierung in einem Büro ohne die Möglichkeit oder den Willen etwas anders zu machen. Oft erhält man den Eindruck, man befindet sich in der Szene „Das Haus, das Verrückte macht“ aus dem Film „Asterix erobert Rom“.Heute möchte ich mich aber nicht im dem Beamtenapparat in unserem schönen Land beschäftigten. Auch zu anderen Zeit gab es Beamten wie z.B. im Römischen Reich.

Viele kennen den Spruch „753 schlüpft Rom aus dem Ei“. Auch die Sage von Romulus, dem mythischen Gründer Roms und seines Zwillingsbruder Remus ist geläufig. Nach einer durch die Quellen nicht sehr gut belegten Zeit der Königsherrschaft existierte für einige Jahrhunderte die Römische Republik. Da man nun keinen obersten Herrscher mehr hatte, gab es verschiedene Ämter, die das Leben in Rom regelten. Dafür gab es eine Reihenfolge, wie man diese Ämter bekleiden musste – den „cursus honorum“.

Wenn man sich diesen „cursus honorum“ von unten nach oben betrachtet, dann trifft man zuerst auf das Amt des „Quaestors“ (oder Quästor). Davon gab es nicht nur einen, sondern gleich mehrere. Die Aufgabe dieser Beamten bestand darin die Staatsfinanzen zu verwalten.

Danach hatte man die Möglichkeit „Aedil“ zu werden. Auch hier wurden mehr als nur einer gewählt, denn die Aufgaben waren mannigfaltig. Die Aedile mussten die Getreideversorgung der Stadt gewährleisten, hatten die Aufsicht über den Markt, kümmerten sich um die allgemeine Sicherheit und durften zur Freude des Volkes die öffentlichen Spiele ausrichten. Hatte man auf all das keine Lust, so konnte man stattdessen Volkstribun werden. Dieser wurde von der Volksversammlung (concilia plebis) gewählt und hatte unter anderem die Aufgabe, Bürger vor Beamtenwillkür zu schützen.

Hatte man dann noch nicht genug davon ein Beamter zu sein, konnte man sich für das Amt des Zensors bewerben. Hier befinden wir uns wieder in der Abteilung „Finanzen“. Die Zensoren hatte die Aufgabe alle fünf Jahre die Bevölkerung in Vermögensklassen einzuteilen, die Staatseinnahmen zu verpachten sowie die öffentlichen Aufträge zu vergeben. Im Jahr 312 v. Chr. kam noch die Sittenaufsicht als Aufgabenbereich hinzu.

Im Anschluss daran wartete auf karrierehungrige römische Bürger das Amt des „Praetors“. Diese waren so eine Art Richter und seit 367 v. Chr. kennt man einen „praetor urbanus“ und einen „praetor peregrinus“. Ersterer war für die Rechtsprechung in der Stadt zuständig, während sich zweiterer um die Rechtsstreitigkeiten von nicht-römischen Personen kümmerte.

Das höchste Amt, dass man in der Römischen Republik erreichen konnte, war das des „Konsuls“. Von diesen Herrschaften gab es zwei. Ihnen oblag der Oberbefehl über das Heer sowie die Einberufung des römischen Senats und die Leitung desselbigen. Ein Konsul hatte ein sogenanntes „Imperium“, was bedeutet er hatte das Recht über Leben und Tod der römischen Bürger. Ein weiterer interessanter Aufgabenbereich, den man mit diesem Amt übernahm, war die Ernennung eines „Diktators“. Manche werden nun etwas verwundert sein, dass man in Rom Diktatoren ernennen konnte. Ursprünglich bezeichnet man als „Diktator“ eine Person, die in einer absoluten Notsituation höchstens sechs Monate lang mit nahezu uneingeschränkter Macht ausgestattet war. Der Konsul hatte auch noch das Recht gegen Maßnahmen seines Kollegen und niederer Beamter Einspruch einzulegen.

Soweit einmal zu den verschiedenen Ämtern im Römischen Reich. Doch wie konnten man in der Beamtenhierarchie aufsteigen? In Österreich ist das oft schwer, weil mancher Beamte bis zu seiner Pensionierung fest mit seinem Schreibtischstuhl verwachsen zu sein scheint. Oder manche sind aufgrund ihres jungen Alters noch gar nicht für so manchen Job zu brauchen. Dafür hatte man in Rom fünf Prinzipien ins Leben gerufen, die gegen so etwas vorbeugen sollten. 180 v. Chr. wurde im Gesetz „les Villia annalis“ der cursus honorum bezüglich Mindestalter, Ämterfolge und Intervall der Ämter geregelt. Beim römischen Geschichtsschreiber Livius (40,44,1) ist das nachzulesen. In aller Kürze wäre das folgendes:

Für das Amt des Quaestors muss man 31 Jahre alt sein, für das des Aedils 37. Praetor konnte man erst mit 40 Jahren werden und Konsul sogar erst im reifen Alter von 43. Soviel zum Mythos der kurzen Lebensdauer von Menschen in der Antike. Was nun die fünf Prinzipien betrifft, die lauten wie folgt:

  1. Annuität: Eine Person durfte ein Amt nur für 1 Jahr ausüben.
  2. Kollegialität: Es gab immer mindestens einen zweiten Kollegen im gleichen Amt.
  3. Iteration: Man konnte kein Amt ein zweites Mal ausüben.
  4. Kontinuation: Zwischen zwei Ämtern musste immer mindestens 1 Jahr liegen, in dem man kein Amt innehatte.
  5. Kumulation: Man durfte keine zwei Ämter auf einmal ausüben.

In dem Jahr, in dem man kein offizielles Amt innehatte, entschieden sich viele römische Bürger sich ein zweites Standbein in der Armee aufzubauen. Wenn man den cursus honorum durchlaufen und noch immer nicht genug von Politik und Verwaltung hatte, blieb einem immerhin noch die Möglichkeit sich für den Senat wählen zu lassen.

Alle fünf genannten Prinzipien sollte man auch einmal versuchen in einer modernen Bürokratie anzuwenden. Nur so zum Vergnügen. Vielleicht würden sich manche Vorgänge extrem beschleunigen bzw. die Motivation steigern. Aber vielleicht würde auch alles nur noch schlimmer werden.

Soviel zu dem Beamtenapperat in der Römischen Republik. Nächste Woche begeben wir uns abermals in die Welt der Werbung.

 

„Kein Amt zu haben ist nicht schlimm. Aber schlimm ist es, keine Fähigkeiten für ein Amt zu haben, das man innehat.“ (Konfuzius)

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