Der Wurstdieb

… oder warum man sich in Island über Socken zu Weihnachten freut.

In der Adventzeit bereiten wir uns auf vielfältige Weise auf Weihnachten vor. Viele schmücken die Wohnung oder das Haus mit Dekorationsgegenständen verschiedenster Art, Lichterketten und Adventkränzen. In diesen vier Wochen hetzen zahllose Leute durch Geschäfte und Einkaufszentren, um Geschenke für ihre Lieben zu kaufen. Dazwischen gönnt man sich einen Beerenpunsch am Glühweinstand. Kurz vor Weihnachten besorgt man dann noch den, in unseren Breiten traditionellen, Weihnachtsbaum. Heute möchte ich von einem Weihnachtsbrauch der anderen Art erzählen. Es geht um die Weihnachtskatze.

Diese weihnachtliche Vertreterin der Felinen findet man in Island. Eine liebe Freundin erzählte mir letztes Jahr davon. Sofort schoßen Bilder von süßen kleinen Kätzchen mit roten Mützen durch mein Gehirn. Ohhhhhh!!! Aber ich wurde schnell eines besseren belehrt. Die isländische Weihnachtskatze „Jólaköttur“ ist alles andere als eine niedliche Schmusekatze. Sie ist das Haustier eine Trollfrau namens Grýla, deren Leibgericht kleine Kinder sind. „Jólaköttur“ wird meistens als riesige schwarze Katze mit glühenden Augen, Reißzähnen und langen Krallen beschrieben. Zu Weihnachten kommt die Weihnachtskatze zu den Häusern der Menschen und nimmt alle faulen oder unartigen Kinder mit. So eine Art Krampus auf vier Beinen. Die Kinder werden zu Grýla gebracht und man kann sich schon denken, was dann passiert. Vor allem jene Menschen, die nicht die ganze Wolle verarbeitet hatten, wurden von der Weihnachtskatze geholt. Aus diesem Grund erhalten fleißige Kinder und Erwachsene in Island heute häufig noch Kleidung zu Weihnachten. Ganz oben auf der Liste stehen die obligatorischen Socken, die man auch in Österreich häufig unter dem Weihnachtsbaum antrifft. Würde ich in Island wohnen, würde ich mich aber auch über Socken freuen.

Die isländische Sängerin Björk in Jahr 1988 hat ein altes Lied über die Weihnachtskatze neu aufgenommen. Für den Fall, dass jemand des Isländischen mächtig ist und es sich anhören will, hier ist der Link.

Doch die Weihnachtskatze und die riesige Trollfrau Grýla sind nicht die einzigen merkwürdigen Gestalten, die sich in der Weihnachtszeit auf Island tummeln. Grýla hat nämlich noch Kinder. Diese werden „Jólasveinar“, auf deutsch „Weihnachtsgesellen“ genannt. Davon gibt es gleich 13 Stück. Ab 12. Dezember schleichen sie sich in die Häuser und treiben allerlei Unsinn. Ihre Namen sprechen oft schon für sich. Der eine stiehlt die Milch von den Schafen, der nächste vergreift sich an den Kochtöpfen. Heute am 20. Dezember beispielsweise kommt „Bjúgnakrækir“, der die Wurst aus den Räucherkammer stibitzt. Nach Weihnachten zieht jeden Tag einer der „Weihnachtsgesellen“ davon, bis am 6. Jänner alle wieder verschwunden sind. Ein Gedicht von Jóhannes úr Kötlum erzählt von den Taten der „Jólarsveinar“.

Doch nun genug von Socken, Wurst und den isländischen Weihnachtsgestalten. Mal schauen, welche fremde Weihnachtstradition im Jahr 2015 Thema sein wird. Im nächsten Beitrag spielten 135 km² die Hauptrolle.

„Dem Schuldigen läuft die Katze bald über den Rücken.“ (Sprichtwort)

 

 

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  1. Hab das Lied noch gar nicht gekannt! Grade angehört, die Katze klingt sehr grimmig. Wie gut dass ich immer Gewand bekomme zu Weihnachten! 😀

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