Römische Diven

… oder warum man sterben muss, um ein Gott zu werden.

„Carpe diem“ oder auf deutsch „Nutze den Tag“. So lautet ein äußerst bekanntest und oft zitiertes Sprichwort. Es soll uns daran erinnern, dass wir nicht ewig leben. Die Medizin der heutigen Zeit kann zwar unser Leben um einiges verlängern, aber Menschen sind und bleiben nun mal sterblich. Schon in der Antike war man sich dessen bewusst, denn Unsterblichkeit war ein Privileg von Gottheiten. Dennoch kam es im Lauf der Zeit zu Vergöttlichungen von Menschen. Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um Hinz und Kunz, sondern um berühmte Persönlichkeiten. Über die Vergöttlichung des Spartaners Lysander habe ich bereits berichtet. Alexander der Große wiederrum erhielt von dem Zeus-Orakel in Siwa die Bestätigung seiner göttlichen Abstammung. Das machte ihn ebenfalls zu einem Gott. Aber nicht nur in der griechischen Geschichte finden wir Beispiele für Menschen, die zu Götter erhoben werden. Auch im Römischen Imperium gibt es solche Individuen.

Bronzebüste von Kaiser Augustus im British Museum (Quelle: eig. Bild)

Bronzebüste von Kaiser Augustus im British Museum (Quelle: eig. Bild)

Doch wie wird man überhaupt zu einer Gottheit erklärt? Erstmal muss man anmerken, dass dies nur den römischen Kaisern bzw. ihren Gattinnen vorbehalten war. Nach dem Tod eines Kaiser konnte die sogenannte „Divinisierung“ durch den Senat erfolgen. Der oder die Verstorbene erhielt den Beinamen „Divus“ (Staatsgott) oder „Diva“. Durch den Akt der sogenannten Konsekration (von lat. consecrare = weihen) wird ein Mensch oder auch ein Gegenstand von der weltlichen in die göttliche Sphäre übertragen. Durchgeführt und genehmigt wurde das Ganze durch den römischen Senat. Der Vergöttlichte erhielt Tempel, Altäre sowie Weihgaben. Wichtig war auch, dass ein Zeuge für die Himmelfahrt eines Kaiser gefunden wurde. Am Beispiel des Berichtes des Historiographen Sueton über die Vergöttlichung von Kaiser Augustus (27 v. Chr. – 14 n. Chr.) wird das deutlich:

„Den Ehrungen aber hat man das rechte Maß gesetzt und nur zwei Preisreden gehalten: die eine hielt Tiberius vor dem Tempel des göttlichen Iulius, die andere Drusus, der Sohn des Tiberius, vorn auf der alten Rednerbühne, und Senatoren trugen den Leichnam auf ihren Schultern zum Marsfeld, dort wurde er verbrannt. Und da gab es auch einen Mann von Rang eines Praetors, der schwor, dass er gesehen habe, wie das Abbild des Verbrannten in den Himmel aufgestiegen sei.“ (Suet. Aug. 100,4)

Nicht jeder Kaiser erhielt diese Ehrung, wie man am Beispiel von Kaiser Tiberius (14-37) sehen kann. Er wurde nicht in den Rang eines Gottes erhoben. Wie immer im Leben gibt es Ausnahmen, also auch hier. Teilweise verlangten oder erhielten Kaiser bereits zu Lebzeiten göttliche Ehrungen. Caligula (37-41) fühlte sich schon als Gottheit als er noch sehr lebendig war. Unter Kaiser Domitian (81-96) wurde die Anrede „dominus et deus“ (Herr und Gott) eingeführt.

Vom machtpolitischen Aspekt her gesehen, war der potentielle Nachfolger eines römischen Kaisers gut beraten, seinen Vorgänger zu divinisieren. So konnte er seine Herrschaft besser legitimieren, denn damit galt man als Sohn eines Gottes. Kaiser Antoninus Pius (138-161) drohte sogar damit die Kaiserwürde nicht anzutreten, wenn sein Vorgänger und Adoptivvater Kaiser Hadrian (117-138) nicht in die Reihe der Staatsgötter aufgenommen werden würde. Kaiser Tiberius beispielsweise stellte Vergehen hinsichtlich des Staatsgottkultes unter schwere Strafe, um seine Verbundenheit mit seinem vergöttlichten Adoptivvater zu zeigen.

Wenn bei der Divinisierung alles seine Richtigkeit hatte, so zahlte ein Kaiser den höchsten Preis dafür ein Gott zu werden – nämlich sein Leben. Kaiser Vespasian (69-79) wird folgender Satz in den Mund gelegt, den er kurz vor seinem Tod ausgesprochen haben soll: „Ich glaube, ich werde ein Gott.“

Büste von Kaiser Commudus im Kunsthistorischen Museum Wien (Quelle: eig. Bild)

Büste von Kaiser Commodus im Kunsthistorischen Museum Wien (Quelle: eig. Bild)

Für römische Kaiser gab es neben der Vergöttlichung oder Nicht-Vergöttlichung noch eine dritte Möglichkeit ihr Nachleben anzutreten. Man konnte nämlich auch zum Landesfeind erklärt werden. Dafür hatte man sich aber einiges zu Schulden kommen lassen müssen. Man spricht dann von einer „damnatio memoriae“, der Löschung jeglicher Erinnerung an einen Menschen. Nach dem Ableben des betreffenden Kaisers wurde vom Senat ein Strafprozess gegen diesen eröffnet. Danach erfolgte die Tilgung jeglichen Beweises, dass der Kaiser jemals regiert hatte. Seine Statuen wurden vernichtet und sein Name aus sämtlichen Inschriften gelöscht. Wenn man bedenkt, dass diese häufig in Stein gemeißelt waren, war es ein mühsames Unterfangen. Heute braucht man nur die „Löschen“-Taste drücken und schon ist alles weg. Auch Münzen mit dem Porträt des in Ungnade gefallenen Kaiser wurden zerstört. Beispiele dafür wären Kaiser Nero (54-68) oder Kaiser Commodus (180-192). Letzterer wurde allerdings einige Jahre nach seinem Tod doch noch vergöttlicht. All die Löscherei umsonst!

Lassen wir nun Götter und Gelöschte gleichermaßen ruhen. Nächste Woche beschäftigen wir uns mit einem wahrhaft tödlichen Spiel.

„Sich selbst darf man nicht für so göttlich halten, dass man seine eigenen Werke nicht gelegentlich verbessern könnte.“ (Ludwig van Beethoven)

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  1. hm.. die Päpste machen auch was ähnliches, sprechen auch den Vorgänger heilig/selig wie auch immer. Das hab ich eh noch nie verstanden.

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