Spiel ums Leben

… oder warum Oberösterreich von Bayern besetzt wurde.

Menschen lieben es zu spielen. Ganz gleich ob Brettspiele, Würfelspiele oder Kartenspiele. Auch Computerspiele machen da keine Ausnahme. Wir können in diese Welten eintauchen und gänzlich damit verschmelzen. Dort sind wir Rennfahrer, Krieger und Spione oder Herrscher über eine ganze Nation. Egal welche der angeführten Arten von Spiele man bevorzugt, sie haben alle den gleichen Zweck: Sie dienen unserer Unterhaltung, lenken uns vom Alltag ab. Auch die Menschen in den vergangenen Epochen waren da genau gleich wie wir. Man dachte sich immer schon gerne Spiele aus. Der heutige Blog beschäftigt sich auch mit einem Spiel. Allerdings gibt es dabei einen entscheidenden Unterschied zu beachten: Die Spieler wurden zu diesem Spiel gezwungen.

Adam Graf von Herberstorff (Kupferstich von Lucas Kilian 1624)

Adam Graf von Herberstorff (Kupferstich von Lucas Kilian 1624)

Die Rede ist vom „Frankenburger Würfelspiel“, das 1625 in der Nähe von Frankenburg in Oberösterreich stattfand. Um die Ereignisse verstehen zu können begeben wir uns abermals in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Der katholische Kaiser Ferdinand II. hatte im Jahr 1619 ein Bündniss mit Bayern geschlossen, um seine Machtposition gegenüber den protestantischen Kräften zu verbessern. Oberösterreich hatte die Aufstände in Böhmen unterstützt und war dafür beim Kaiser in Ungnade gefallen. 1620 ließ Herzog Maximilian I. von Bayern, ein Verwandter von Ferdinand II., das Land ob der Enns besetzen und Adam Graf von Herberstorff wurde zum Statthalter bestimmt. Ferdinand II. hatte das Land quasi an seinen Cousin verpfändet, um die marode Kriegskasse etwas aufzubessern. Er wird in dieser Geschichte noch eine Rolle spielen. Ferdinand II. war es aber noch nicht damit genug, dass Oberösterreich besetzt worden war. Er führte viele Maßnahmen durch, um die Gegenreformation in Oberösterreich voranzutreiben. Im Jahr 1624 wurde ein Religionspatent erlassen mit weitreichenden Folgen erlassen. Protestantische Prediger und Schulmeister wurden des Landes verwiesen und es durfte kein protestanischer Gottesdienst mehr abgehalten werden. Darüber waren die oberösterreichischen Anhänger der neuen Religion verständlicherweise verärgert. Es war nur noch eine Frage der Zeit bis die Aufstände losbrechen sollten, die als „Oberösterreichischer Bauernkrieg“ im Jahr 1626 in die Geschichtsbücher eingingen. Nicht zu verwechseln mit dem „Großen Bauernkrieg“ im Jahr 1525, der sich über Teil Deutschlands und Österreichs erstreckte.

Religionspatent von Kaiser Ferdinand II. aus dem Jahr 1624 (Quelle: Wikicommons)

Religionspatent von Kaiser Ferdinand II. aus dem Jahr 1624 (Quelle: Wikicommons)

Die Ereignisse rund um das „Frankenburger Würfelspiel“ geschahen jedoch ein Jahr zuvor. 1625 waren zunächst im Jänner in Natternbach und im Mai dann in Frankenburg erste Gewalttaten gegen den Katholizismus ausgebrochen. Die Bewohner von Frankenburg verweigerten die Einsetzung eines katholischen Priesters und belagerten Schloss Frankenburg. Doch schon nach kurzer Zeit brachen die Aufständischen die Aktion ab und kehrten nach Hause zurück. Graf Adam von Herberstorff konnte das aber nicht so auf sich sitzen lassen. Am 15. Mai 1625 wurden die männlichen Bewohner auf das Haushamerfeld in der Nähe von Frankenburg zitiert. Dort machte man dann 36 Männer aus, die die Anführer des Aufstandes gewesen waren. Was nun folgte, erklärt die tiefe Verachtung der Bauern für Graf von Herberstorff. Die 36 Bauern mussten sich paarweise aufstellen und gegeneinander würfeln. Wer verlor, wurde auf der Stelle gehenkt. Dem anderen wurde das Leben geschenkt.

So verlor die Hälfte der Anführer an diesem Tag ihr Leben. Obwohl nicht ganz die Hälfte. Für einen der 18 Todgeweihten setzte sich der Pfleger von Schloss Frankenburg ein und rettet ihm damit das Leben. Die Namen der Hingerichteten findet man auf einer Gedenktafel am Haushamerfeld. Graf von Herberstorff hatte ein deutliches Exempel für alle statuiert, was mit denen geschieht, die sich gegen ihn wandten. Diese Vorgehensweise war damals eine gängige Strafe für Soldaten, die sich diversen Verfehlungen schuldig gemacht hatten.

Gemälde von Stefan Fadinger

Gemälde von Stefan Fadinger

Der Oberösterreichische Bauernkrieg brach nach diesen Ereignissen des Frankenburger Würfelspiels so richtig aus. Der Plan von Graf von Herberstorff durch seine Aktion für Ruhe in Oberösterreich zu sorgen, ging ziemlich in die Hose. Vor allem ein Name ist im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg 1626 berühmt geworden ist – Stefan Fadinger. Große Teile des Mühlviertels und des Hausruckviertels befanden sich in Aufruhr. Die Städte Wels, Steyr und Gmunden wurden von den Bauerntruppen besetzt. Am 24. Juni 1626 kam es dann zur Belagerung von Linz, bei der Stefan Fadinger tödlich verwundet wurde.Es folgten einige weitere Auseinandersetzungen zwischen dem Heer von Herberstorff und den Bauern. Am 19. November 1626 erlitten die Truppen der Bauern die entscheidende Niederlage bei Wolfsegg. Vor allem die Anführer des Oberösterreichischen Bauernkrieges wurden hingerichtet und zuvor gefoltert. Die Gegenreformation wurde von Kaiser Ferdinand II. weiter vorangetrieben und die Bevölkerung stark unter Druck gesetzt. Frei nach dem damals herrschenden Prinzip „Cuius regio, eius religio“. Das bedeutet soviel wie „wer herrscht, der bestimmt auch die Religion“. Zahlreiche Protestanten verließen daraufhin Oberösterreich bzw. Österreich freiwillig.

Das Frankenburger Würfelspiel ist nur eine kleine Episode aus dem Dreißigjährigen Krieg, aber es sollte nicht vergessen werden. Beim nächsten Mal steht eine ganz besondere Waffe im Zentrum des Interesses.

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ (Bertolt Brecht)

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • Ja, ich glaub die 36 Bauern hätten auch lieber eine Runde ausgesetzt. Die Willkür bei dieser Bestrafung ist einfach das Schlimmste daran.
      Nächstes Mal, wenn du länger in Ö bist, spielen wir eine Partie Schach.

  1. ui. da ist mir ja russisches roulette noch lieber.. 😛
    p.s.: das heisst nicht, dass ich das tatsächlich spielen will!

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