Liebestolle Ehefrauen und schlechter Atem

… oder was Menschen zum Lachen bringt.

„Kennst du den schon?“ Wenn ein Gespräch mit dieser Frage beginnt, bekommt man – ob man will oder nicht – einen Witz erzählt. Die meisten strapazieren unsere Bauchmuskeln, manche entlocken uns ein müdes Lächeln und einige verstehen wir schlichtweg nicht. Die Themenpalette von Witzen ist vielfältig. Angefangen von zwischenmenschlichen Beziehungen über diversen Berufsgruppen, Kinder sowie Tiere bishin zu Eigenarten von Menschen findet sich fast alles. Witze sind eine ganz eigene Art von Humor und nicht jeder findet die kleinen Geschichten mit Pointe lustig. Oftmals liegt das aber auch an dem Erzähler. Es gibt Menschen, die mit einer Begeisterung Witze erzählen, es aber leider nicht können. Sie zerstören durch vorzeitiges Lachen die Pointe, vergessen wichtige Details oder reden so langweilig, dass einem das Lächeln auf den Lippen stirbt.

Witze sind schon sehr alt und man kann ihre Entwicklung und Veränderungen durch die Geschichte verfolgen. Menschen lachen eben gerne. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden eine Sammlung von Witzen zum heutigen Thema zu machen, die vor sehr langer Zeit zusammengetragen wurde. Man nennt sie „Philogelos“. Der Name stammt aus dem Alt-Griechischen und bedeutet übersetzt „Lachfreund“. Entstanden ist die Sammlung aller Wahrscheinlichkeit im 4. oder 5. Jhdt. n. Chr. Das schließt man aus den sachlichen und sprachlichen Hinweisen in den lustigen Geschichten. Auch die zahlreichen lateinischen Wörter weisen auf eine Entstehung in dieser Zeit hin.

Insgesamt handelt es sich um 265 Witze. Die Themen sind unterschiedlich, aber denjenigen der heutigen Zeit sehr ähnlich. Man macht sich über bestimmte Typen von Menschen wie den „Scholastikos“ (gelehrter Narr) lustig. Aber auch Bewohner einzelner Stätte bekommen ihr Fett ab. Das ist für uns nichts Neues. Die Steirer machen Witze über die Burgenländer, die Oberösterreicher über die Mühlviertler oder die Deutschen über die Franzosen. Im Philogelos macht man sich über Menschen aus Kyme oder Abdera lustig. Einige Witze haben schlechten Atem oder liebestolle Ehefrauen zum Thema.

Nachdem wir jetzt einiges über die Herkunft und Art der Witze im Philogelos gehört haben, kommen hier ein paar Kostproben. Für alle die des Alt-Griechischen nicht mächtig sind, hier die Übersetzung ins Englische:

#27. An intellectual, falling sick, had promised to pay the doctor if he recovered. When his wife nagged at him for drinking wine while he had a fever, he said: „Do you want me to get healthy and be forced to pay the doctor?“

#70. An intellectual came to check in on a friend who was seriously ill. When the man’s wife said that he had ‚departed‘, the intellectual replied: „When he arrives back, will you tell him that I stopped by?“

#114. An Abderite saw a eunuch and asked him how many kids he had. When that guy said that he didn’t have the balls, so as to be able to have children, the Abderite asked when he was going to get the balls.

#197. An incompetent schoolteacher was asked who the mother of Priam was. Not knowing the answer, he said: „It’s polite to call her Ma’am.“

#219. A glutton betrothed his daughter to another glutton. Asked what he was giving her as a dowry, he replied: „A house whose windows face the bakery.“

#244A. A young man said to his libido-driven wife: „What should we do, darling? Eat or have sex?“ And she replied: „You can choose. But there’s not a crumb in the house.“

Wie fandet ihr die Witze? Ich muss gestehen, ich finde nicht alle lustig bzw. bei manchen fehlt mir etwas die Pointe. Humor ist zum Glück für den „Philogelos“ sehr subjektiv und im 4./5. Jhdt. müssen diese kleinen Geschichten richtige Kracher gewesen sein. In späteren Zeit versteht man oft nicht mehr, warum Menschen über gewisse Dinge gelacht haben. Das musste ich nach einem Seminar über die „Attische Komödie“ lernen. Witze unterliegen Trends und einem Zeitgeist. Deswegen werden heute meistens griechische Tragödien aufgeführt. Die Thematiken sind wohl über die Epochen hinweg traurig und dramatisch.

Für alle die gerne noch etwas mehr lachen möchten, hier der Link zu der englischen Übersetzung des „Philogelos“. Für alle, die ihn in der Originalsprache genießen möchten, gäb’s den Text auch in Alt-Griechisch:

http://www.stoa.org/diotima/anthology/quinn_jokes.shtml

http://www.hs-augsburg.de/~harsch/graeca/Chronologia/S_post05/Philogelos/phg_text.html

Damit schließen wir das Witzbuch für heute. Nächste Woche widme ich den Blogbeitrag – auf speziellen Wunsch einer lieben Freundin – der Geschichte einer deutschen Stadt.

„Jedes Mal, wenn ein Mensch lacht, fügt er seinem Leben ein paar Tage hinzu.“ (Curzio Malaparte)

 

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  1. Ich mag Nr.70 🙂 Der ist so herrlich naiv. Aber ich glaub auch die Witze sind lustiger wenn man sie zB. ins Deutsche übertragt und dabei auf Zweideutigkeiten achtet. Das ist halt auch das Blöde an Witzen die auf sprachlichen Verwirrungen beruhen 😉

    • Wenn du Lust und Laune hast, würde ich mich über eine professionelle Übersetzung einer Anglistin sehr freuen. 🙂
      Mir gefällt der Witz mit der Entscheidung zwischen Essen oder Sex. 🙂

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