Die Macht der Drogen

… oder wie China die Insel Hongkong verlor.

Wenn man die Tageszeitung aufschlägt, dann findet man unter Garantie einen Beitrag der sich mit Drogen beschäftigt. Egal ob über eine Schlägerei bei der Drogen im Spiel waren, über die Zerschlagung eines internationalen Drogenrings oder über die Gefahren, die von bewusstseinserweiterender Substanzen ausgehen, geschrieben wird. Das Thema ist präsent. In den letzten Jahrzehnten hat die Palette an Drogen ständig neuen Zuwachs bekommen. Zu illegalen Stoffen wie Marihuana, Kokain und Heroin sind beispielsweise LSD oder Ecstasy gestoßen. Aber auch die Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten wird immer mehr zum Problem unserer Zeit. Auch in früheren Zeit nahmen die Menschen bewusstseinserweiterende Substanzen ein, oft aus religiösen oder kultischen Zwecken. Durch Reisen kamen auch Personen aus anderen Ländern in Kontakt mit diesen Stoffen. Dies führte dann in weiterer Folge zum Handel mit Drogen. Dass es dabei auch zu politischen und sogar kriegerischen Konflikten kommen kann, zeigt der heutige Beitrag.

Schlafmohnkapsel mit austretendem Milchsaft (Quelle: Wikicommons)

Schlafmohnkapsel mit austretendem Milchsaft (Quelle: Wikicommons)

Die Droge, die uns speziell interessiert, ist Opium. Gewonnen wird das Ganze auf den Kapseln des Schlafmohns. Man ritzt diese an und der milchige Saft rinnt heraus. Dieser trocknet an der Luft aus und verwandelt sich in eine braune Masse, das so genannte Rohopium. Vor allem der Bestandteil Morphin sorgt für eine berauschende Wirkung. Opium wurde in vergangenen Zeiten bereits als Schmerz- oder Schlafmittel eingesetzt. Nach diesen Basisinformationen über Opium, wollen wir uns ansehen, welche Folgen der Handel damit nach sich gezogen hat. Dafür begeben wir uns ins China des 19. Jhdt. Europäische Mächte wie England hatten seit dem 16. Jhdt. Handelsbeziehungen mit dem Reich der Mitte begonnen. Das gestaltete sich allerdings als nicht ganz so einfach, denn China schränkte die ausländischen Händler stark in ihrem Treiben ein. Nur der Hafen Kanton durfte von fremden Schiffen angefahren werden und die Händler aus Übersee lebten abgeschnitten von der Außenwelt. Die Engländer waren vor allem auf den Tee scharf, den China anzubieten hatte. Zusätzlich dazu wollte sie für ihren Vieruhr-Tee das passende Porzellanservice erwerben. Seide ist das dritte Gut, dass England aus China importierte. Leider hatte man anfangs nicht viel, was man den Chinesen dafür bieten konnte. Nur Silber und indische Baumwolle stellten Rohstoffe dar, die China interessierten. Seit den 1820er Jahren kam noch ein weiterer Stoff auf den Markt – Opium. Dieses wurde von England, allen voran von der East India Company, massenweise nach China eingeführt. Ursprünglich stammte das Opium aus dem indischen Raum. Im Zuge dessen kam es zu einem Abfluss von Silber zugunsten der Droge als Ware. Aus diesem Grund versuchte Kaiser Daoguang gegen den Opiumhandel vorzugehen. Leider war er dabei nicht sehr erfolgreich. Die Zahl der Süchtigen wuchs weiter.

Lin Zexu (Quelle: Wikicommons)

Lin Zexu (Quelle: Wikicommons)

Im Jahr 1838 entschloss sich der Kaiser zu einem weiteren Schritt. Er setzte mit Lin Zexu einen seiner Spitzenleute auf das Problem an. Lin Zexu war ein renomierter Beamter und hatte sich bereits bei einigen Großbauprojekten und im Finanzbereich hervorgetan. Dieser Mann startete eine wahre Anti-Drogen-Kampagne und griff hart gegen den Opiumhandel durch. Es kam zu Verhaftungen und Razzien, wie wir es auch heute aus den Medien kennen. Lin Zexu verbot ausländischen Händlern – auf kaiserlichen Befehl hin – den Handel mit Opium. Im Frühjahr 1839 kam es zur Verhaftung mehrerer Hundert ausländischer Personen. Damit konnte Lin Zexu die Herausgabe von Unmengen der Droge vom englischen Superindendanten für Handel erzwingen. Ganze 20.000 Kisten Opium wurden verbrannt.

Diese Vorgehensweise stieß der englische Regierung sauer auf und es kam was kommen musste. Im gleichen Jahr schickte England einen Flottenverband aus, um „Wiedergutmachung“ zu fordern. Offiziell gab es keine Kriegserklärung. Die Ereignisse in China in den Jahren 1839-1842 gingen als „Erster Opiumkrieg“ in die Geschichtsbücher ein. Die chinesischen Truppen waren den britischen vor allem kriegstechnisch stark unterlegen. Ein Beispiel wäre der Schaufelraddampfer, der auch auf seichten Flüssen fahren konnte. So konnten Ziele weit im Landesinneren angegriffen werden. Der Krieg endete am 29. August 1942 mit dem Vertrag von Nanking. Dieser äußerst einseitige Friedensvertrag hatte es für die Chinesen in sich. Die Insel Hongkong musste an die Briten abgetreten werden. Weiters wurde China gezwungen fünf Häfen für den Außenhandel öffnen musste. In einem späteren Zusatzvertrag erhielt England noch mehr Vergünstigungen.

Die Folgen für China waren katastrophal. Der Schock über die militärische Überlegenheit Englands saß tief und man begann sich im Reich der Mitte intensiv mit diesem Problem zu beschäftigen. Weiters erlitt die herrschende Qing-Dynastie einen gewaltigen Imageschaden. Das Volk verlor viel von seinem Vertrauen in die Herrscher. Aus diesem Grund kam es in der folgenden Zeit vermehrt zu internen Spannungen und Aufständen wie dem Taiping-Aufstand (1851-1864). China verlor nach dem Ersten Opiumkrieg viel an seiner Machtposition gegenüber anderen asiatischen Mächten und musste es dulden, dass eine ausländische Macht die Fäden zog. Dies sollte bis ins frühe 20. Jhdt. andauern. In den Jahren 1856-1860 kam es sogar zum Zweiten Opiumkrieg. Ein weiteres Problem der massenweisen Einfuhr von Opium durch den damals größten Drogenhändeler, die East India Company, waren die zahllosen Süchtigen. Ein Problem mit dem China noch zu kämpfen hatte.

Global gesehen stellen Opium und der damit verbundene illegale Handel nach wie vor ein großes Problem dar. Weltweit gibt es nur sechs Länder, die Opium legal unter Aufsicht der UN für den medizinischen Bedarf produzieren dürfen. Das wären z.B. Ungarn, Frankreich oder Australien. Leider existieren auch Staaten, die das Opium illegal anbauen und verkaufen. Ganz oben in diesem traurigen Ranking stehen Laos, Thailand und Myanmar (Goldenes Dreieck) sowie Afghanistan. Um es hier nochmal zu betonen – Finger weg von Drogen! Doch ich fürchte solange die Menschheit exisitiert, werden auch Drogen eine Rolle in der Geschichte spielen wie man am Beispiel des anglo-chinesischen Opiumkriegs gesehen hat.

Damit genug von dem Milchsaft des Schlafmohns und seinen Spätfolgen. Nächste Woche zeige ich euch, wie man sich am besten über einen Kaiser lustig macht.

„Die Gewohnheit ist so mächtig, dass sie uns selbst aus dem Bösen ein Bedürfnis macht.“ Théodore Simon Jouffroy

 

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