Durchfahrtsstraßen

… oder was gleich drei Präsidenten der USA beschäftigte.

Jeder von uns war schon einmal an einem Projekt beteiligt. Losgehts bereits während der Schulzeit. Man muss die Jugendlichen ja auf eine der vorherrschenden Methoden in der Arbeitswelt vorbereiten. Sollte man sich für eine akademische Ausbildung entschieden haben, dann kommt man an Projekten mit Garantie nicht vorbei. Leider ist es meistens so, dass zumindest eine faule Socke im Team ist und man dadurch mehr Arbeit hat. Aber auch das bereitet einen auf spätere Jobs vor, denn manche Kollegen benötigen Hilfe von anderen. Ein Bereich in dem Projekte eine große Rolle spielen, ist das Bauwesen. Aber nicht nur Häuser für Privatleute, auch gigantische Großbauprojekte werden geplant und umgesetzt. In der Geschichte finden sich bereits in der Antike zahlreiche Beispiele für Projekte mit enormen Dimensionen. Denken wir zum Beispiel an Monumentalbauten wie die Pyramiden von Gizeh, die Caracalla-Thermen in Rom oder den Koloss von Rhodos. Die Menschen in den darauffolgenden Epochen wie Mittelalter und Neuzeit waren auch nicht faul. So können wir uns heute an Bauten wie Notre Dame in Paris oder dem Taj Mahal in Indien erfreuen. Im heutigen Beitrag stehen zwei Großprojekte im Mittelpunkt, die zwar keinen ästhetischen Aspekt erfüllen, aber für Verkehr und Transportwesen von enormer Bedeutung waren. Zwei Gemeinsamkeiten der beiden Bauten sind ihre enorme Länge und die Trennung von zwei Erdteilen. Manche werden es vielleicht schon erraten habe, die Rede ist vom Suezkanal und dem Panamakanal. Heute werden beide Wasserwege gegenüber gestellt.

Zeichnung des Suezkanals aus dem Jahr 1881 (Quelle: Wikicommons)

Zeichnung des Suezkanals aus dem Jahr 1881 (Quelle: Wikicommons)

Fangen wir mit dem älteren der beiden an – der Suezkanal. Zunächst ein paar Daten. Die Länge beträgt stolze 165 km, wenn man die Zufahrten im Norden und Süden nicht berücksichtigt. 345 m misst die breiteste Stelle des Kanals und seit 2010 wurde die Tiefe auf 24 m erweitert. Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und stellt somit die Grenze zwischen dem afrikanischen und asiatischen Kontinent dar. Was man unbedingt noch über den Suezkanal wissen sollte, ist das er schleusenlos ist. Die Schiffe müssen also keinen Höhenunterschied überwinden. Die Benutzung steht Schiffen aus aller Herren Länder frei. Auch Kriegsschiffe dürfen den Suezkanal passieren, sollte das Land dem sie zugehörig sind, aktiv an kriegerischen Handlungen beteiligt sein, gibt es zusätzliche Auflagen.

Die Geschichte des Suezkanals führt uns zunächst zurück ins Alte Ägypten, wo bereits der Bubastis-Kanal – wenngleich nicht als direkte Verbindung zwischen Mittelmeer und Rotem Meer – erbaut wurde. Auch in der römischen Kaiserzeit und Spätantike war dieser Kanal von wirtschaftlicher Bedeutung. In der Neuzeit gab es immer mal wieder die Idee, den Kanal zu erweitern und auszubauen. Erst als Napoleon Bonaparte auf seiner Reise nach Ägypten die Reste des alten Kanals begutachtete, kam Schwung in die Sache. Allerdings hatten sich seine Ingenieure bei dem Höhenunterschied vermessen und den Bau als zu kompliziert eingestuft. Erneute Messungen in der 1830ern und 1840ern ergaben, das der Unterschied zwischen den beiden Wasserspiegeln nicht von Bedeutung sei. Zu dieser Zeit hatten sowohl die Briten als auch die Franzosen enormes Interesse an Ägypten. Einen Namen sollte man sich im Zusammenhang mit dem Suezkanal unbedingt merken – Ferdinand de Lesseps. Er war es der seinem Freund und ägyptischen Herrschers Muhammed Said, den Bau des Suezkanals schmackhaft machte. De Lesseps war kein Ingenieur. Dennoch brachte er dieses Großprojekt ins Rollen. Muhammed Said gab seine Zustimmung und es kam zur Gründung der Compagnie universelle du canal maritime de Suez, der alle Rechte am Bau und dem Betrieb des Suezkanals gehörten. Bevor die Bauarbeiten begonnen, vergingen allerdings noch einige Zeit, da es noch zahlreiche rechtliche Fragen zwischen den einzelnen Nationen zu klären gab. Am 25. April 1859 war es dann soweit, die Baustelle wurde offiziell eröffnet. Jeden einzelnen Schritt der Bauarbeiten zu erwähnen, würde den Rahmen sprengen. Der Suezkanal brachte vor allem Schiffsreisenden und Warenverkehr nach Asien einen großen Vorteil. Die Reisezeit verkürzte sich um mehrere Tage. Zuvor hatte man den langen Weg um das Kap der Guten Hoffnung fahren müssen. England zeigte sich nicht glücklich über die französisch-ägpytische Buddelei in der Wüste. De Lesseps hatte sich auch nicht das Einverständnis des Sultans, Herrscher des Osmanischen Reiches, geholt. Großbritannien und die österreichische Habsburgermonarchie wurden an der Hohen Pforte vorstellig und beschwerten sich darüber. Diesem war der Vizekönig von Ägypten aber unterstellt. Es wurde ein diplomatisches Hin und Her, während dessen die Bauarbeiten aber weiter voranschritten. Nachdem auch die letzten arbeitsrechtlichen Fragen – hinsichtlich Zwangsarbeit auf der Baustelle – geklärt waren und der Sultan im März 1866 seine Zustimmung erteilt hatte, ging es dann flott voran. Im Frühjahr 1869 wurde dann das Wasser in den Kanal eingeleitet. Die Eröffnung des Suezkanals fand am 16. und 17. November 1869 mit vielen Persönlichkeiten von Rang und Namen wie z.B. Kaiser Franz Joseph I. statt. Der Bau hatte eine Gesamtsumme von 426 Mio. Francs verschlungen und mehrere Tausende Menschenleben gefordert.

In der Konvention von Konstantinopel vom 29. Oktober 1888 wurde der Suezkanal zur neutralen Zone erklärt. Die Schutzherrschaft über den Wasserweg wurde England zugesprochen, welches sich mittlerweile in Ägypten festgesetzt hatte. Während des 1. Weltkriegs versuchten die Mittelmächte immer wieder in den Besitz des Suezkanals zu gelangen. 1922 kam es dann zur Gründung des Königreichs Ägypten und Großbritannien musste die Vorherrschaft aufgeben. Nur der Suezkanal verblieb unter ihrer Kontrolle. Eigentümer aber immer noch die Compagnie universelle du canal maritime de Suez. Alles ziemlich verwirrend dort. Ins Zentrum des weltpolitischen Geschehens rückte der Suezkanal im Jahr 1956, denn der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser hatte den Kanal vor Ablauf der Konzessionsfrist verstaatlicht. Sowohl britische, französische als auch isrealische Truppen griffen Ägypten daraufhin an. In die Geschichtsbücher ging dies als Suezkrise ein. Die ganze Angelegenheit dauert nur wenige Monate und schon 1957 war der Kanal wieder für die Schifffahrt offen. Zu einer erneuten Sperrung des Suezkanals kam es während des Sechstageskriegs zwischen Israel und Ägypten im Jahr 1957. Auch in der jüngsten Vergangenheit rückte der Suezkanal in den Mittelpunkt des Interesses. 2011 fuhren iranische Kriegsschiffe in den Kanal ein, worüber sich vor allem Israel beschwerte. Da aber aufgrund der Konvention von Konstantinopel jede Nation den Suezkanal durchfahren durfte, war die Passierung zulässig.

Zeichnung des Panamakanals (oben)

Zeichnung des Panamakanals (oben)

Begeben wir uns nun auf den amerikanischen Kontinent. Der zweite, künstlich angelegte Wasserweg, der uns heute interessiert, ist der Panamakanal. Dieser trennt den amerikanischen Kontinent an der Landenge von Panama in zwei Teile trennt. Im Längenvergleich zum Suezkanal muss sich der Panamakanal mit dem zweiten Platz begnügen. Er hat eine Länge von 82 km vorzuweisen. Der Wasserweg verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Beim Bau des Panamakanals mussten drei Schleusen eingerichtet werden, da ein Höhenunterschied zwischen der Ein- und Ausfahrt bestand. Den Wasserverlust aufgrund der Schleusen wird vom Rio Chagres ausgeglichen. Doch kommen wir nun zur Baugeschichte des Panamakanals.

Alexander von Humboldt 1831 (Quelle: Wikicommons)

Alexander von Humboldt 1831 (Quelle: Wikicommons)

Ebenso wie beim Suezkanal gab es schon in der Neuzeit die Idee eines künstlich angelegten Wasserweges in diesem Gebiet. Kaiser Karl V. regte beispielsweise dazu an. Weiters beschäftigte sich der Forscher Alexander von Humboldt mit dem Kanalbau. Die Fahrt um die Südspitze des amerikanischen Kontinents – das Kap Hoorn – stellte für die Seefahrt ein Problem dar. Ein Kanal mitten durch Amerika würde die Sache abkürzen. Am Beispiel des 1869 eröffneten Suezkanal hatte man bereits gesehen, dass ein solches Großbauprojekt von Erfolg gekrönt sein konnte. Also wurde hier die Société Civile Internationale du Canal Interocéanique eingerichtet, die den Bau des Panamakanals voranbringen sollte. Hier treffen wir auch auf einen alten Bekannten vom Suezkanalbau, Ferdinand de Lesseps. Zunächst plante man einen schleusenlosen Kanal durch die Landenge. 1881 begann man mit dem Bau des Wasserwegs. Dieses Projekt scheiterte vor allem wegen dem massenhaften Ausbruch von Krankheiten wie Malaria und finanzieller Schwierigkeiten. 1888 trat dann die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft ein und löste damit eine finanzielle Krise aus. Bekannt wurde dieses Ereignis unter dem Namen „Panamaskandal“. Die Bauarbeiten wurden eingestellt.

Nun traten die USA auf den Plan. Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt ließ sich von der Sinnhaftigkeit einer Investion überzeugen. Nachdem man dem sich sträubenden Kolumbien das Panamagebiet abgeschwatz hatte, konnte weitere Schritte eingeleitet werden. Die Region wurde im Jahr 1903 von U.S.-amerikanischen Truppen besetzt und der unabhängige Staat Panama ausgerufen. Es wurde vertraglich vereinbart, dass der Kanal und das angrenzende Land unter die Kontrolle der USA gestellt werden sollte. Die schlechten Arbeitsbedingungen stellten aber immer noch ein enormes Problem dar. Als dieses gelöst war, schritt der Bau rascher voran. Insgesamt kostete der Bau 385 Mio. U.S.-Dollar. Hier sollen aber auch die zahlreichen Menschenleben erwähnt werden, die der Kanalbau gefordert hat. 1914 war es dann soweit, das erste Schiff passierte den Panamakanal. Allerdings geriet im gleichen Jahr die Welt in Aufruhr, denn der 1. Weltkrieg hatte begonnen. So wurden die Eröffnungsfeierlichkeiten erst im Jahr 1920 unter Präsident Woodrow Wilson durchgeführt. In der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den USA und Panama z.B. 1964. Präsident Jimmy Carter handelte 1977 mit Panama einen Vertrag aus, der besagt, dass Panama den Kanal ab dem Jahr 2000 kontrollieren sollte.

Damit genug von den beiden Känalen. Nächste Woche wird sich zeigen, wo Freiheit im All zu finden ist.

„Der Erfolg zählt. Die Misserfolge werden gezählt.“ Nikolaus Cybinski

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