Völlig losgelöst

… oder warum man gemeinsam mehr erreichen kann.

In der heutigen Zeit ist der Umstand, dass man in einer anderen Stadt studiert, nichts Ungewöhnliches mehr. Das gilt nicht nur für das Inland, immer mehr Studenten zieht es in anderen Länder. Meistens allerdings nur für eine gewisse Zeit. Man muss heutzutage flexibel sein, heißt es immer. So läuft es auch in der Arbeitswelt. Man kann nicht mehr davon ausgehen, dass man einen Job in der näheren Umgebung, geschweige denn im gleichen Land findet. Manche leben dauerhaft in anderen Städten oder pendeln herum, um auch mal ihre Familien und Freunde zu sehen. Das lässt sich noch steigern. Der Arbeitsplatz von einigen wenigen befindet sich nicht auf unserem Planeten, denn sie arbeiten auf der ISS. Vor ein paar Tage sind wieder drei Astronauten wohlbehalten auf der Erde gelandet.

Die russische Raumstation "Mir"

Die russische Raumstation „Mir“

Im heutigen Beitrag steht die ISS, die Internationale Raumstation oder englisch International Space Station im Mittelpunkt. In der Geschichte der Raumfahrt gibt es ein paar wichtige Meilensteine, über die man schon einmal etwas gehört haben sollte. Sei es „Sputnik„, der erste Satellit in der Erdumlaufbahn 1957 oder die Landung der ersten Menschen auf dem Mond im Jahr 1969. Nach diesen ersten Erfolgen wagte sich die Menschheit an immer größere und aufwendigere Projekte heran. Für kurze Zeit im Weltall zu sein, reichte bald nicht mehr aus. Man wollte dort einen Stützpunkt errichten, der für längere Aufenthalte von Personen ausgelegt war. In den 1970ern stellte die kleine sowjetische Raumstation „Salut“ einen ersten Erfolg dar. Man wollte den USA etwas entgegensetzen können. Man plante eine Station, die ca. 300-400 km von der Erde entfernt sein sollte. Im Februar 1986 war es dann soweit, als das erste Modul der sowjetischen Raumstation „Mir“ (bedeutet „Friede“) ins All geschossen wurde. Die nächsten Teil von „Mir“ ließen leider 10 Jahre auf sich warten. Die Raumstation hatte Ausmaße von 35 x 30 Metern und wog 130 Tonnen. Die Mannschaften sollten sich abwechseln, da ein dauerhafter Aufenthalt für Menschen im All gesundheitlich nicht ratsam ist. Insgesamt 14 Jahre umkreiste „Mir“ unsere Erde und auch Astronauten aus anderen Ländern waren zu Gast auf der Raumstation. Doch kommen wir zur ISS.

Die Internationale Raumstation (ISS)

Die Internationale Raumstation (ISS)

Schon vor Sputnik gab es immer wieder Träume und Ideen von einer Raumstation z.B. jene von Wernher von Braun im Jahr 1952. Während die UdSSR fleißig an dieser Idee weiterbastelte, konzentrierten sich die USA nach der Mondlandung auf den Bau von Space Shuttles. Erst durch die Initiative von Präsident Ronald Reagan kam Uncle Sam wieder auf die Idee der Raumstation zurück. Doch es sollte sich nicht um ein rein US-amerikanisches Projekt handeln. Nein, man wollte eine internationale Raumstation errichten. Man konnte Kanada, Europa und Japan für diese Idee gewinnen. Das Projekt lief zunächst unter dem Namen „Freedom“. Dann beschloss man es in „Alpha“ umzutaufen, worauf allerdings die Russen allergisch reagierten. Denn „Mir“ war ja die erste Raumstation gewesen und somit das eigentliche Alpha. Man einigte sich auf den wenig klingenden Namen „ISS“. 2002 sollte das ganze Projekt abgeschlossen sein. 1993 kam dann auch Russland dazu. Das war auch gut so, denn das erste Teil der ISS wurde 1998 von russischem Boden aus ins All befördert. Bei der Zusammensetzung der Raumstation gab es einige Schwierigkeiten und so musste im Jahr 2000 die Besatzung eines Space Shuttles die Teile in eine höhere Umlaufbahn bringen und schon erste Reparaturen durchführen. Ungefähr 50x mussten US-amerikanische, russische und europäische Raketen starten, um alle Teile der ISS hinauf zubekommen. Europas großer Beitrag an dem Projekt „ISS“ ist das Forschungslabor „Columbus“ mit einer Länge von 6,7 m., welches im Jahr 2008 ein Teil der Raumstation wurde. Die Ausmaße der ISS sind nicht von schlechten Eltern, denn sie ist 110 m x 100 m x 30 m. Zu einer Animation darüber, aus welchen Modulen die ISS zusammengesetzt ist, gibt es auch. Hier ist der Link dazu.

Die ISS befindet sich nunmehr schon 5243 Tagen (seit November 2000) permanent bemannt im All. Sie umkreist die Erde etwas in einer Höhe von 416 km und das alle 1 1/2 Stunden. Astronauten aus vielen Nationen durften schon einmal ihren Blick von der ISS aus Richtung unserem Planeten wenden. Manche Staaten wie Südkorea und Indien haben bereits verlauten lassen, dass sie auch gerne bei dem Projekt dabei sein möchte. Das gilt auch für China, allerdings sträubt sich die USA dagegen.

Wie lange die ISS im All bleiben soll, ist noch nicht endgültig geklärt. Momentan ist der Betrieb der Raumstation bis zum Jahr 2020 vereinbart. Soweit zu diesem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte. Kommende Generationen werden vielleicht die Landung auf dem Mars oder anderen Planeten miterleben. Und wer weiß, was uns hinter den Grenzen unseres Sonnensystems noch alles erwartet. Gemeinsam erreicht man eben doch mehr, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Begeben wir uns wieder auf die Erde zurück. In der nächsten Woche stelle ich euch eine Frau vor, die das Römische Imperium ganz schön ins Schwitzen gebracht hat.

„Wenn ein Mensch zu anderen Himmelskörpern fliegt und dort feststellt, wie schön es doch auf unserer Erde ist, hat die Weltraumfahrt einen ihrer wichtigsten Zwecke erfüllt.“ (Jules Verne)

 

 

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