Die unabhängige Augusta

… oder wer sich vom Römischen Reich lösen wollte.

In der Geschichte kann man über die Jahrhunderte hinweg den Aufstieg und Fall von großen Reichen beobachten. Es handelt sich um gewaltige Territorien, die meistens durch Eroberung entstanden sind. In der Antike stoßen wir auf das Reich Alexanders des Großen oder das riesige Römische Imperium. Im Mittelalter und in der Neuzeit wird das Bild Europas durch das Heilige Römische Reich geprägt. Aber auch in Asien und Südamerika existieren solche Großreiche wie jenes der Mongolen, der Osmanen oder der Inka. Je weiter sich diese Herrschaftsgebiete ausdehnten, desto instabiler wurden sie oftmals. Immer wieder gab es Versuche von einzelnen Personen oder Gruppen, Teile aus solchen Reichen herauszulösen.

Wenn wir uns dem Römischen Imperium zuwenden, treffen wir auf eine Frau, die etwas Unruhe in die Sache gebracht hat. Nein, ich spreche hier nicht von Kleopatra. Der Name der Dame ist Zenobia und sie war für einige Zeit (267-271/2 n. Chr.) die Herrscherin über Palmyra. Diese Stadt liegt im heutigen Syrien. Der volle Name lautete Septimia Zenobia oder Bath-Zabbai auf Syrisch. Zenobia war mit Septimius Odaenathus, dem Herrscher von Palmyra, in zweiter Ehe verheiratet. Aus dieser Verbindung war ein Sohn hervorgegangen – Vaballathus Athenodorus. Im Jahr 267 wurde Odaenathus ermordet und Vaballathus war noch zu jung, um zu regieren. So übernahm Zenobia unter der Duldung des damaligen römischen Kaisers Gallienus die Herrschaft für ihren Sohn.

Das Römische Reich im 3. Jhdt. n. Chr. und seine Teilreiche - Reich von Palmyra (gelb)

Das Römische Reich im 3. Jhdt. n. Chr. und seine Teilreiche – Reich von Palmyra (gelb)

In den folgenden Jahren gelang es Zenobia nicht nur, praktisch unabhängig von Rom zu regieren, sondern sie erweiterte auch den Machtbereich von Palmyra in mehrere Richtungen. Das konnte aber nur gelingen, da es in dieser Zeit mehrere Krisenherde im Römischen Imperium zu bewältigen galt. So hatten weder Kaiser Claudius II. Gothicus, noch seiner Nachfolger Quintillus, Zeit sich mit der wachsenden Macht Palymras zu beschäftigen. So wurden von Zenobias Truppen Syrien, Teile von Mesopotamien und Ägypten erobert. Es gelang der geschickten Herrscherin sogar, sich die Annexion dieser Gebiete von Rom vertraglich bestätigen zu lassen. Vor Zenobia war Palymra eine alte Karawanenstadt ohne große Bedeutung gewesen. Jetzt blühte die Stadt auf. Zahlreiche Tempelanlagen wurden errichtet und Straßen ausgebaut. Palmyra wurde das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum im östlichen Teil des Römischen Reiches.

Münze mit Zenobia als "Augusta"

Münze mit Zenobia als „Augusta“

Doch dann ging Zenobia einen Schritt zu weit. Im Jahr 271 erklärte sie die Unabhängigkeit des palmyrischen Reiches. Ein herber Schlag für das Römische Imperium! Münzprägungen aus dieser Zeit zeigen Zenobia als „Augusta“. Mit solchen Aktionen macht sich beim römischen Kaiser schwerst unbeliebt. Zu dieser Zeit herrschte Kaiser Aurelianus. Sofort nachdem er die Alamannen besiegt hatte, machte er sich daran Zenobia in ihre Schranken zu weisen. Der palmyrischen Herrscherin wurde der Krieg erklärt und obwohl die Truppen den Römern erbitterten Widerstand leisteten, kam es zur Niederlage. Bei Antiochia und Emesa wurden die Palmyrer besiegt. Es kam zur Belagerung von Palmyra, welche mit der Kapitulation Zenobias im Frühjahr 272 endete.

Über das weitere Schicksal von Zenobia sind sich die antiken Quellen nicht einig. In der Historia Augusta wird davon berichtet, dass Zenobia und ihre beiden jüngere Söhne von Aurelianus beim Triumphzug durch Rom vorgeführt wurden. Der Historiker Zosimos schreibt, dass Zenobia bereits vorher verstorben ist.

"Zenobia" - Gemälde von Herbert Schmalz

„Zenobia“ – Gemälde von Herbert Schmalz

Rund 200 Jahre später kam es dann zum Ende des Weströmischen Reiches. Das Oströmische Reich bestand noch bis 1453, bis Konstantinopel von den Osmanen erobert wurde. Allerdings zeichnete sich zu Zenobias Zeiten schon die Instabilität des Römischen Reiches ab. Rom musste Zenobia gewähren lassen, da es dringendere und bedrohlichere Krisen zu lösen galt.

Werfen wir gemeinsam mit Zenobia einen letzten Blick auf Palmyra. Nächste Woche erklimmen wir einen heiligen Berg.

„Sei nicht zu sehr ein Sklave der Meinungen andrer von dir! Sei selbständig! Was kümmert dich am Ende das Urteil der ganzen Welt, wenn du tust, was du sollst?“  (Adolph Freiherr Knigge)

 

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