„Iorana“

… oder was heute vor 293 Jahren entdeckt wurde.

Einige werden den Titel des heutigen Beitrags lesen und sich fragen, was soll denn das bedeuten. „Iorana“ ist Rapanui und heißt zu Deutsch „Willkommen“. Es handelt sich bei Rapanui um einen polynesischen Dialekt und nur 2.500-3.500 Menschen sprechen ihn. Diese Begrüßung schien mir angemessen, da wir uns heute auf jene Insel begeben, auf der diese Sprache gesprochen wird. Der Name des kleinen Eilands lautet genauso wie der Name der Sprache – Rapa Nui, uns besser bekannt als „Osterinsel“. Damit widme ich – nach dem Beitrag über die Weihnachtsinsel – auch der zweiten Insel, die nach einem Feiertag benannt ist, einen Eintrag. 

Die Route von Jakob Roggeveen (Quelle: Wikicommons)

Die Route von Jakob Roggeveen (Quelle: Wikicommons)

Genau heute am 5. April 1722, einem Ostersonntag, wurde die Insel von dem niederländischen Seefahrer Jakob Roggeveen entdeckt. Der Feiertag verlieh der Insel dann den Namen. Roggeveen war im Auftrag der Westindischen Handelskompanie unterwegs und landet auf der Insel. An Bord befand sich auch der deutsche Carl Behrens, der die Osterinsel ausgiebig erforschte. Als erste europäische Macht meldete Spanien Besitzansprüche an, verlor aber bald das Interesse an der Insel. Auch Captain James Cook kam 1774 bei seiner 2. Expedition zur Osterinsel. Im Zuge dessen wurde das Stückchen Land genauer kartographiert und erforscht. Das schloss auch eine Besonderheit der Osterinseln ein, für die sie noch heute hoch berühmt sind – die Moai. Wem das jetzt nichts sagt, damit sind die riesigen Steinstatuen der Osterinsel gemeint. Doch wann und warum wurden diese gewaltigen Skulpturen errichtet?

Moai im British Museum, London (Quelle: Eig. Foto)

Moai im British Museum, London (Quelle: Eig. Foto)

Die Geschichte der Osterinsel vor der Ankunft der Europäer zu rekonstruieren, stellt die Forschung vor eine große Herausforderung. Es fehlen nämlich jegliche schriftliche Aufzeichnungen. Aber auch die Archäologie bringt keine eindeutigen Ergebnisse, sondern nur eine Vielzahl an Thesen. Nachdem die Besiedlung der Insel, wann immer sie auch begonnen hatte, abgeschlossen war, bildeten sich 10 Stämme heraus. Zeitlich befinden wir uns am Ende des 1. Jahrtausends n. Chr. Um ca. 1100 n. Chr. kam es dann zur Errichtung der Moai. Der vollständige Name lautet „Moai Maea“ und bedeutet übersetzt „steinerne Figur“. Die Forschung ist sich über das genaue Alter der Kolosse aus Stein nicht ganz einig. Wichtig ist, dass die Moai nicht einsam und alleine in der Gegend rumstehen, sondern immer in Gruppen auftreten. Sie sind ein Teil von Anlagen mit zeremonieller Funktion. Die Figuren stellen aller Wahrscheinlichkeit nach die Ahnen der Stämme oder berühmte Häuptlinge dar. Was auf den ersten Blick auffällt, ist der überdimensionierte Kopf und der strenge Gesichtsausdruck. Weiters haben die Moai nur einen Oberkörper und einige von ihnen wurde ein „Pukao“ (zylindrische Kopfbedeckung) auf den Kopf gesetzt. Die größte Figur ist beinahe 10 m groß, aber durchschnittlich sind es 4,5 m. Viele der Moai liegen heute umgestürzt auf dem Boden. Auch deswegen gibt es viele Spekulationen und Theorien. Von Umwelteinflüssen über Bürgerkrieg zu Abkehr von der indigenen Religion ist alles dabei.

Der chilenische Diktator Augusto Pinochet (Quelle: Wikicommons)

Der chilenische Diktator Augusto Pinochet (Quelle: Wikicommons)

Kommen wir zurück zur neueren Geschichte der Osterinsel. Durch Sklaverei, Kämpfe zwischen den Stämmen, Nahrungsmittelknappheit und eingeschleppte Krankheiten hatte sich die Zahl der indigenen Bevölkerung drastisch dezimiert. Man geht davon aus, dass im 16. Jhdt. ca. 10.000 Menschen auf der Insel gelebt hatten. Vor allem die Deportationen nach Peru 1868 verringerten die Zahl auf schockierende 900 Einwohner. Im Jahr 1888 wurde die Insel von der noch jungen Republik Chile annektiert. Geplant war die Insel als strategische Basis zu nutzen. Auch der 1. Weltkrieg hinterließ seine Spuren auf der Osterinsel als 1914 ein französisches Handelsschiff von einem deutschen Kriegsschiff versenkt wurde. Die Mannschaft konnte sich auf die Osterinsel retten. Einen großen Einschnitt bedeutete die Landung des ersten Passagierflugzeugs auf der Insel. Der Tourismus hatte auch die Osterinsel erreicht. Eine gewisse Eigenständigkeit für die Osterinsel brach mit dem Regierungsantritt von dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet an. 3x (1974 – 1980 – 1987) besuchte er die Insel und sorgte für eine bessere Infrastruktur. Pinochet ernannte auch zum ersten Mal in der Geschichte einen Gouverneur aus dem Volk der Rapanui. Im 20. Jhdt. kam es zu weiteren Expeditionen und und Ausgrabungen durch europäische Forschungsteams. Seit 1995 ist ein Teil der Osterinsel als „Nationalpark Rapa Nui“ zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt worden.

Damit sagen wir der Osterinsel „Auf Wiedersehen“. Nächste Woche beschäftigen wir uns mit ein paar ganz besonderen Früchtchen.

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

 

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