Köstliche Immigranten

… oder was Kaiser Tiberius gerne gegessen hat.

Man soll möglichst 5x am Tag Obst und Gemüse essen, heißt es. Wenn es geht, dann soviele verschiedende Farben wie möglich. Die knackigen Gesellen bieten Vitamine und wichtige Nährstoff, die unser Körper benötigt. Auf Märkten oder in Lebensmittelgeschäften bekommt man alles was das Herz eines Obst- und Gemüsefans begehrt. Doch nicht alle Früchte und Knollen stammen aus Europa. Ich meine jetzt nicht, dass sie aus Übersee zu uns verfrachtet wurden. Viele kamen im Lauf der Jahrhunderte aus fernen Ländern zu uns. Selten oder nie macht man sich Gedanken, wo die Zitrone beispielsweise historisch gesehen ihren Ursprung hat. Das wird sich gleich ändern, denn der Beitrag beschäftigt sich mit einigen köstlichen Einwanderern. Noch nie habe ich gehört, dass sich jemand über diese Immigranten beschwert, soviel sei schon einmal gesagt.

Kommen wir zunächst zu ein paar Gemüsesorten, bevor wir uns dem Obst zuwenden:

Paprika, Pfefferoni und Chili

Ursprünglich stammt die Paprika sowie alle Arten von Pfefferoni und Chilis aus Mittel- und Südamerika. Man geht von einem gemeinsamen Vorläufer aus, der aus dem Amazonasgebiet stammt. Ein paar Sorten breiteten sich eher im Norden aus, während andere im Gebiet des heutigen Staates Peru kultiviert wurden. Man geht davon aus, dass bereits um 7.000 v. Chr. Wildformen des Paprikas und der Chili Verwendung fanden. Züchtungen gibt es dann bereits 2000 Jahre später. Niemand anderes als Christoph Kolumbus machte auf seinen Reisen Bekanntschaft mit den feurigen Schoten. Schon bald tummelten sich in Spanien die ersten Paprikapflanzen auf den Feldern.

Gurke

Das Herkunftsland dieser Vertreterin der Kürbisgewächse ist Indien. Um 1.500 v. Chr. kam es zur Verbreitung der Gurke über den indischen Subkontinent hinaus. Das Gemüse nahm seinen Weg über den Iran und Irak bis hin zu Mittelmeer, wo es um 200 v. Chr. in den Quellen Erwähnung findet. Auch im Römischen Imperium gab es wahre Gurkenfans, wie z.B. Kaiser Tiberius (1. Jhdt. n.Chr.), was durch Plinius dem Älteren (historia naturalis 19,23) belegt ist.

Karotte

„Karotten sind gut für die Augen.“ Diesen Satz haben wir als Kinder oft gehört. Das Gemüse gibt es nicht nur in knalligem Orange, sondern in vielen weiteren Farben. Berichte in antiken Quellen aus Griechenland und Rom erwähnen bereits, wie gesund Karotten sind. Die gelben Vertreter der Rübe stammen aus dem Gebiet von Afghanistan und verbreiteten sich rasch über ganz Europa. Im 12. Jhdt. n. Chr. waren Karotten in Spanien keine Seltenheit mehr.

Süßkartoffel (Batate)

In den letzten Jahren steht die Süßkartoffel immer häufiger auf dem Speiseplan. Ursprünglich stammt die Knolle aus Mittelamerika. Dies wird uns von Alexander von Humboldt berichtet. Die Süßkartoffel verbreitete sich über Nord- und Südamerika bis nach Afrika. So erreichte sie auch Europa und ist heutzutage auf der ganzen Welt verbreitet.

Genug von Gemüse, Knollen und Rüben. Jetzt ist es an der Zeit die Herkunft von ein paar Obstsorten aufzuklären:

Wassermelone

Was gibt es besseres als in der Sonne zu sitzen und eine Wassermelone zu essen? Ihren Ursprung hat das runde Kürbisgewächs in Afrika, genauer gesagt in Westafrika. Das dort herrschende tropische Klima ist ideal für das süße Früchtchen. Aus diesem Grund ist es ziemlich schwer, Wassermelone bei uns anzubauen, wenn man nicht über ein Glashaus verfügt.

Birne

Das allseits beliebte Kernobst kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Vor allem aus dem Mittelmeerraum berichten die Quellen über die Birne wie z.B. Homer. Rasch entwickelten sich zahlreiche Züchtungen der saftigen Frucht. Der bereits erwähnte Plinius der Ältere beschreibt in seiner Naturgeschichte bereits 38 Birnensorten. Die Birne hielt Einzug in Europa und im 17. Jhdt. waren bereits 300 verschiedene Züchtungen bekannt.

Zitrone

Dieses saure Früchtchen ist aus der österreichischen Küche nicht mehr wegzudenken. Zu jedem Wiener Schnitzel wird eine Zitronenscheibe serviert, um die Panier zu verfeinern. Bereits im Römischen Imperium wurden Zitronen großflächig angebaut. Einige Forscher wollen in den Wandgemälden von Pompeij die gelben Früchte entdeckt haben. In nördlichere Gebiet Europas kam die Zitrone aber erst Jahrhunderte später. Aus der Zeit des Mittelalters sind Rezepte mit Zitronen bekannt.

Pfirsich

Dieses Obst eignet sich hervorragend als Snack für zwischendurch. Aber auch eine Vielzahl von Nachspeisen kommen ohne den Pfirsich nicht aus. Ursprünglich stammt die Frucht aus China, wobei eine Kultivierung um 2.000 v. Chr. begonnen hat. Der Pfirsich fand seinen Weg nach Europa über den Nahen Osten und Griechenland.

Damit ist bewiesen, dass auch in Obst und Gemüse nicht nur jede Menge Vitamine, sondern auch Geschichte steckt. Vielleicht folgt bald ein Beitrag über die Geschichte von Gewürzen oder auch Tee und Kaffee. Also nicht vergessen heute auch ein bißchen Obst und Gemüse zu essen. Nächste Woche besuchen wir einen ganz besonderen Ort in Deutschland, der früher zu Dänemark gehörte.

„Einen Apfel täglich und keine Krankheit quält dich.“ (Lucius Annaeus Seneca)

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