An der Schlei

… oder worum Dänen und der Heilige Römische König verbissen kämpften.

Jeder von uns kann mit dem Begriff „Stadt“ etwas anfangen und weiß, was damit gemeint ist. Dieses Wort ist jedoch alles andere als genau definiert. Hier eine mögliche Beschreibung des Begriffs „Stadt“:

größere, dicht geschlossene Siedlung, die mit bestimmten Rechten ausgestattet ist und den verwaltungsmäßigen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt eines Gebietes darstellt; große Ansammlung von Häusern [und öffentlichen Gebäuden], in der viele Menschen in einer Verwaltungseinheit leben (Duden Online)

Es gibt noch weitere Unterbegriffe, um besser unterscheiden zu können. Man spricht von Groß- und Kleinstädten oder sogar von Millionen- oder Weltstädten. Man kann Städte aber auch hinsichtlich ihrer Bedeutung unterscheiden. So existieren neben Industrie- und Handelsstädten auch Kulturstädte. Aus früheren Zeiten kennt man Begriffe wie Residenzstadt, Hansestadt oder Freie Reichsstadt. Heute wollen wir uns genauer mit einer Handelsstadt beschäftigen.

Reich der dänischen Wikinger mit der Lage von Haithabu (Hedeby) (Quelle: Wikicommons)

Reich der dänischen Wikinger mit der Lage von Haithabu (Hedeby) (Quelle: Wikicommons)

Der Name dieser Handelssiedlung lautet „Haithabu“ und liegt heute bei dem beschaulichen Ort Busdorf in Schleswig-Holstein an dem Fluss Schlei. Zur Zeit der Gründung von Haithabu um 770 n. Chr. gehört die Gegend allerdings den Dänen. Die altnordische Bezeichnung war „Heiðabýr“, was übersetzt „Heidehof“ bedeuten würde. Es gab noch andere solcher Handelsniederlassungen wie Haithabu, die man auch als „Wik“ (Mehrzahl: „Wike“) bezeichnet. Darunter verstand man im Mittelalter nichts anderes als Marktsiedlungen, quasi die Vorform einer Stadt. Es konnten aber auch eigenständige Ortsteile damit gemeint sein. Andere Beispiele für Wike wären Quentowik (heute Nordfrankreich), Dorestad (heute Niederlande) oder Bardowik (heute Niedersachsen).

Lageplan von Haithabu (Quelle: Wikicommons, Alexander Leischner)

Lageplan von Haithabu (Quelle: Wikicommons, Alexander Leischner)

Während der Völkerwanderung weiteten die Stämme der Dänen und Jüten ihr Territorium nach Norddeutschland aus. Später wurden sie dann als Wikinger oder Waräger bezeichnet. Die Dänen trieben regen Handel mit anderen Völkern. Schon bald nach seiner Gründung wurde Haithabu zu dem bedeutendsten Handelsumschlagplatz in diesem Gebiet. Es entwickelte sich zu einer richtigen Stadt und ein Großteil des Handels nach Skandinavien und das Baltikum lief über Haithabu. Die häufigsten Waren, mit denen gehandelt wurde, waren Wein, Salz, Bernstein, Pelz und Eisen. Durch Haithabu und die oben genannten Orte verlief auch eine der wichtigsten Handelsrouten des Mittelalters. Die Forschung geht davon aus, dass im 9. und 10. Jhdt. ungefähr 1.000 Personen ständig in Haithabu lebten, im 11. Jhdt. sogar 1.500. Das hört sich für heutige Verhältnisse nicht viel an, aber zur damaligen Zeit war es beachtlich. Weiters wurden in Haithabu auch Münzen geprägt. Es gab bereits größere Werkstätten, in denen bis zu 20 Personen arbeiteten.

Taufe von Harald I. "Blauzahn" Gormson (Quellle: Wikicommons)

Taufe von Harald I. „Blauzahn“ Gormson (Quellle: Wikicommons)

Immer wieder wurde das Gebiet von Haithabu von schwedischen Wikinger erobert und dann von den Dänen wieder zurückgewonnen. Das ging solange hin und her, bis sich eine dritte Macht in die Kämpfe einschaltete – das Heilige Römische Reich. Der Sachsenkönig Heinrich I. erlangte 934 einen Sieg über den Dänenkönig Knut I. und eroberte Haithabu. In den folgendenen Jahren wurde die Handelsstadt ständig zwischen dem Dänen und dem Heiligen Römischen Reich hin und her gereicht. Zum Beispiel eroberte Harald I. „Blauzahn“ Gormson das Gebiet um Haithabu zurück, während es um 1000 schon wieder zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Daran sieht man die große Bedeutung von Haithabu als Handelsumschlagplatz. Jeder wollte es für sich haben. Das Ende von Haithabu kam im Jahr 1066, also zur gleichen Zeit wie die Schlacht von Hastings. Slawische Stämme plünderten und zerstörten die einst so mächtige Wik. Haithabu wurde nicht wieder aufgebaut, denn die Menschen siedelten nun am anderen Ufer des Flusses Schlei.

Seit 1985 gibt es in Busdorf das Wikinger-Museum Haithabu. Eine Fahrt nach Haithabu lohnt sich auf alle Fälle, denn man hat dort sieben der ehemaligen Wikingerhäuser rekonstruiert. Seit Juni 2008 kann man diese in Haithabu bewundern. Weiters wurde ein Schiff aus der Zeit der Wikinger gebaut, das man in der Nähe der Ausgrabung besichtigen kann. Haithabu wurde neben anderen bedeutenden Stätten der Wikingerzeit des Projektes „Wikingerzeitliche Stätten in Nordeuropa“ für das UNESCO Weltkulturerbe nominiert.

Also falls ihr euch mal in der Nähe von Busdorf befindet, schaut doch in Haithabu vorbei und lasst euch in die Wikingerzeit entführen. Bei nächsten Mal zeige ich euch, was man mit Shakespeares Werken noch machen kann, außer sie zu lesen.

„Am Handel lernt man den Wandel.“ (Sprichwort)

 

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • Danke für den Museumstipp! Schaut echt interessant aus. Ich werde ihn auch bei den Links anführen, damit noch mehr Leute davon erfahren. 🙂

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