Hier bin ich

… oder schuften bis nach dem Tod.

In der vergangenen Woche freut sich nahezu jede ÖsterreicherIn auf Donnerstag, denn am Freitag war ein Feiertag. Man muss nicht arbeiten gehen, kann ausschlafen und sich seinen Hobbys widmen. Hierzulande häufen sich diese arbeits- und schulfreien Tage im Frühling. Die meiste Zeit des Jahres muss man sich allerdings Tag für Tag in die Arbeit, auf die Uni und in die Schule begeben. Das gilt für uns allerdings nur im Diesseits. Im antiken Ägypten glaubte man, dass auch nach dem Tod noch Arbeit auf einen wartet. Doch für diesen unangenehmen Umstand gab es eine kleine, aber feine Lösung – die Uschebtis. Diese gehören zur Jenseitsvorstellung der Ägpyter. Aus diesem Bereich habe ich vor einiger Zeit bereits Ammit, die Seelenfresserin vorgestellt.

Ein Uschebti ist eine kleine Figur aus glasiertem Terracotta, deren Aussehen meistens der/dem Verstorbene/n ähnelt. Sie konnte aber auch aus anderen Materialien wie Ton, Stein oder Bronze bestehen. Die Größe der Figuren variierte von ein paar Zentimeter bis hin zu großen Exemplaren. Die ersten dieser Uschebtis stammen aus der Zeit um ab 2.000 v. Chr. Zunächst hatten sie quasi eine Vertreterfunktion des Toten und wurden von den Hinterbliebenen in die Grabkapellen gestellt, um ihren Lieben nahe sein zu können. Dies änderte sich im Lauf der Jahre.

Spätestens um 1.500 v. Chr. kam es zu einer Erweiterung des Aufgabenbereichs eines Uschebtis. Jetzt musste er nicht mehr nur so tun als wäre er der Verstorbene, nein das kleine Figürchen musste nun schwer schuften – zumindest in der Vorstellung der Ägypter.  Man nahm sich die Uschebtis mit ins Grab, denn dann könnten die kleinen Figürchen statt einem selbst im Jenseits arbeiten. Und schon hat jemand anderer den Stress und man kann die Füße hochlagern. Einen zweiten Vorteil hat die Sache auch, man ist nie wirklich alleine.

Es funktionierte ungefähr so:
Der Verstorbene bekommt den Auftrag irgendeine Arbeit zu verrichten z.B. Felder im Jenseits zu bepflanzen. Der Uschebti hatte nun die Worte „Hier bin ich“ zu sagen und sich ans Werk zu machen.

Klar, je reicher und mächtiger man war, desto mehr Uschebtis nahm ein Verstorbener mit ins Jenseits. Es kam vor, dass ein Pharao bis zu 400 dieser kleinen Helferlein als Grabbeigabe bekam. Manchmal befanden sich die Uschebtis in eigens angefertigten Kästchen, die reich verziert wurden.

Kästchen für Uschebtis im Kunsthistorischen Museum Wien (Eigenes Foto)

Kästchen für Uschebtis im Kunsthistorischen Museum Wien (Eigenes Foto)

Der Mensch ist wie allgemein bekannt ist, ein kreatives Wesen und so kam es zu einer weiteren interessanten Erweiterungen bei den Uschebtis. Zum einen bekamen sie kleine Gerätschaften mit, damit sie die Arbeit im Jenseits besser bewältigen können. Ist ja auch logisch, wie soll man das Feld umgraben ohne Harke. Zum anderen wurde ein weiterer Figurtyp hinzugefügt: die Aufseher-Uschebtis. Ausgestattet waren diese Wachorgane mit Peitsche und Stock. Ordnung muss sein, auch in der jenseitigen Welt. Hier findet sich die gesellschaftliche Struktur des Diesseits im Totenreich wieder. Wahrscheinlich war es so leichter für die Menschen sich ein Leben nach dem Tod vorzustellen.

Morgen geht es dann wieder frisch und munter an die Arbeit – leider ganz ohne Uschebtis. Nächste Woche beschäftigen wir uns dann mit einem Bund zwischen Nationen.

„Müde macht uns die Arbeit, die wir liegenlassen, nicht die, die wir tun.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

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  1. So ein zwei Uschebtis könnt ich auch gebrauchen! Aber lieber im Hier und Jetzt. Aber kein Aufseher-Uschebti, das mach ich dann schon selbst. 😀

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