Woodrow Wilson wünscht sich Weltfrieden

… oder in welchem Bund die USA kein Mitglied war.

Nur wenige Leute können auswendig alle Länder und Nationen unserer Erde aufzählen. Ich gehöre nicht dazu. Dafür gibt es einfach zu viele. In der heutigen Zeit ist es für die Staaten allerdings nicht mehr möglich individuell und unabhängig voneinander zu agieren. Es existieren zahlreiche Bündnisse und Zusammenschlüsse von Ländern aus unterschiedlichen Beweggründen heraus. Meistens sind es politische oder wirtschaftliche Überlegungen, die dazu führen. Aber auch humanitäre und soziale Zwecke führen Staaten zusammen. Bereits in der Antike gab es solche Zusammenschlüsse, allerdings standen immer politische Interessen im Vordergrund. Viele dieser heutigen Staatenbünde sagen uns etwas wie die UNO oder die NATO. Die EU stellt im Zusammenhang mit dem Begriff „Staatenbund“ einen Sonderfall dar. Weniger bekannt sind vielleicht die „Afrikanische Union“ (AU) oder die „Andengemeinschaft“ in Südamerika. Ein solcher Zusammenschluss von Staaten soll heute das Thema sein.

Die Rede ist vom Völkerbund. Wenn man in der Schule etwas über den 1. Weltkrieg lernt, dann könnte der eine oder die andere auch über den Begriff „Völkerbund“ gestolpert sein. Im Jahr 1918 ging der 1. Weltkrieg nach 4 langen Kriegsjahren zu Ende. Wie der Name schon sagt, war er nicht auf einen Kontinent beschränkt, sondern betraf Nationen rund um den Erdball. Die alliierten Großmächte USA, Russland, Großbritannien und Frankreich hatten den Sieg über die Mittelmächte Deutschland, Österreich sowie das Osmanische Reich erlangt. Man begann über den Frieden zu verhandeln und diesen vertraglich zu vereinbaren. Diese Ereignisse gingen als die Pariser Vorortverträge in die Geschichte ein. Zahlreiche neue Staaten entstanden, Großmächte verloren Territorien und Reiche wurden aufgelöst. In diese Zeit des Umbruchs fällt die Gründung des Völkerbunds.

Präsident Woodrow Wilson (Quelle: Wikicommons)

Präsident Woodrow Wilson (Quelle: Wikicommons)

Ein Mann ist damit untrennbar verbunden – der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson. Am 8. Jänner 1918 hielt er eine Rede vor dem Kongress, in der er seine berühmten 14 Punkte darlegte und ausführte. Darin forderte Wilson unter anderem einen Völkerbund, der den Weltfrieden sichern und die Unabhängigkeit von Staaten gewährleisten sollte. Knapp ein Jahr später wurde diese Idee von der Vollversammlung der Versailler Friedenskonferenz aufgegriffen und die Satzung des Völkerbundes angenommen. Damit wurde diese auch zu einem Bestandteil des Versailler Vertrags. Im Jänner 1920 – nur 2 Jahre nachdem Wilson seine 14 Punkte vorgestellt hatte – begann der Völkerbund seine Arbeit aufzunehmen. Das Bündnis bestand zunächst aus 32 Mitgliedern. Dazu gehörten Australien, Belgien, Brasilien, die Republik China, Italien, Kanada, Kuba, Polen, Rumänien und Großbritannien. Es fällt auf, dass sich die USA nicht unter den Gründerstaaten befinden. An dieser Stelle sei vorweg genommen, dass „Uncle Sam“ nie ein Mitglied des Völkerbundes war. Der Kongress hatte nämlich die Ratifizierung des Versailler Vertrags abgelehnt und damit auch den Völkerbund.

Die Aufgaben des Völkersbundes waren klar definiert. Als Weltorganisation der Freien Völker sollte er zur Sicherung des Friedens und zur Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit dienen. Weiters wollte man auch die Diplomatie zwischen den einzelnen Nationen forcieren, um geheimen Absprachen entgegen zu wirken. Interessant ist der Punkt, dass, falls ein Mitglied von einem Aggressor angegriffen wird, die anderen Mitgliedstaaten sofort militärisch einschreiten konnten. Wenn man dem Völkerbund beigetreten war, verpflichtete man sich allerdings zuerst eine friedliche Lösung von Konflikte zu suchen, bevor man zu den Waffen griff. Wer wieder austreten wollte, musste das zwei Jahre vorher bekannt geben.

Lord Robert Cecil (Quelle: Wikicommons)

Lord Robert Cecil (Quelle: Wikicommons)

Wie es sich für einen ordentlichen Staatenbund gehört, hatte auch der Völkerbund eine fixe Organisationsform und verschiedene Gremien. Der Sitz des Völkerbundes befand sich in Genf. Einmal im Jahr tagte die Völkerbundversammlung, wo alle Mitglieder mit einer Stimme vertreten waren. Entscheidungen mussten einstimmig beschlossen werden. Daneben gab es noch den Völkerbundrat, der aus 4-6 ständigen Mitgliedern und 9 nicht-ständigen Mitgliedern bestand. Weiters gab es noch den Posten eines ständigen Generalsekretariats und des dazugehörigen Generalsekretärs. Der Präsident des Völkerbundes wurde Lord Robert Cecil, der es bis zu dessen Auflösung 1946 blieb.

Bei solchen Bündnissen kommt es häufig vor, dass auch andere Staaten gerne dabei wären. Im Jahr 1920 wurde die Mitgliederzahl auf 45 erhöht. Hauptsächlich wurden Nationen zugelassen, die im 1. Weltkrieg neutral gehandelt hatten. Hier wären Chile, Dänemark oder Venezuela zu nennen. Die Verlierer des 1. Weltkriegs wurden erst später zugelassen wie das Deutsche Reich 1926, Österreich 1920, Ägypten 1937 oder die Türkei 1932. Einige Staaten traten wie gesagt freiwillig wieder aus dem Völkerbund aus. Ein Beispiel wäre Japan im Jahr 1933. Es wurden aber auch Länder einfach aus dem Bündnis ausgeschlossen wie die UdSSR 1939 (Beitritt 1934). Dem Völkerbund fern blieben nicht nur die USA, sondern auch Staaten wie Monaco, Nepal, der Vatikan oder die Mongolische Volksrepublik.

Ein allzulanges Leben war dem Völkerbund nicht vergönnt. Gründe dafür gibt es einige. Zum einen fehlten Großmächte wie die USA als Mitglieder und bis 1939 traten 14 Mitglieder wieder aus. Auch einige politische Konflikte wie der Einfall Japans in die Mandschurei 1931 oder jener von Italien auf Abessinien müssen hier als Anlässe für ein Scheitern dieser Organisation angeführt werden. Denn der Völkerbund war nicht in der Lage etwas zu unternehmen. Die UdSSR wurde für seinen Angriff auf Finnland 1934 ausgeschlossen. Auch gegen die aggressive Expansionspolitik der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler unternahm der Völkerbund nichts. Nachdem Ende des 2. Weltkrieges 1945 waren die Tage des Völkerbunds gezählt. Am 18.4.1946 wurde das Bündnis durch einen Beschluss in der Völkerbundversammlung aufgelöst.

Mitgliedstaaten des Völkerbundes (Quelle: dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 2. S. 414)

Mitgliedstaaten des Völkerbundes (Quelle: dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 2. S. 414)

Doch umsonst ist der Völkerbund nicht aus dieser Welt geschieden. Denn man hatte aus den Fehlern gelernt. Bereits im Jahr 1945 kam es auf Initiative der Alliierten und China zur Gründung der Vereinten Nationen (UNO). Dieser Zusammenschluss von Staaten mit seinen zahlreichen Unterorganisationen besteht bis heute und hat aus mittlerweile 193 Mitgliedsstaaten. Diesmal ließen sich die USA nicht lange bitten und unterzeichneten als erste Nation den Vertrag. Österreich trat am 14. Dezember 1955 der UNO bei, nur als Detail am Rande. Ihre Wurzeln hat die UNO im Völkerbund, das steht außer Frage. Es ist allerdings umstritten, ob es sich wirklich um eine Nachfolgerorganisation handelt oder nicht.

Lassen wir den Völkerbund in Frieden ruhen. Das nächste Mal treffen wir auf eine junge Frau, die sich aus Protest selbst das Leben nahm.

„Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“ (Carl Sandburg)

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