Ritter, Tod und Teufel

… oder wer sich mit Vitruv, Hyperbeln und Panzernashörnern beschäftigt hat.

"Feldhase" von Albrecht Dürer

„Feldhase“ von Albrecht Dürer

Vor ein paar Tagen war ich in der Innenstadt von Graz unterwegs ein paar Sachen besorgen. Dazu gehörten auch Stifte sowie Druckerpapier und somit machte ich mich auf den Weg ins nächste Papier- und Schreibwarengeschäft. Bei der Suche nach den richtigen Stiften traf mein Blick auf die großen, brauen Kulleraugen eines Feldhasen. Dieser blickte mich von der Vorderseite eines Zeichensblocks treuherzig an. Sicher kennen einige von euch diesen Hasen aus ihrem Zeichenunterricht während der Schulzeit, wenn sie einen neuen Block kaufen mussten. Bei dem Gemälde „Feldhase“ (1502) handelt es sich um ein Bild eines sehr berühmten Malers aus der Zeit des Humanismus. Viele werden den Namen Albrecht Dürer schon einmal gehört haben. Da ich selbst nicht viel von seinem Leben und Wirken wusste, dachte ich mir, dass es an der Zeit ist, diesen Künstler mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Selbstporträt von Albrecht Dürer

Selbstporträt von Albrecht Dürer

Geboren wurde Albrecht Dürer am 21. Mai 1471 in der deutschen Stadt Nürnberg. Sein Vater Albrecht Dürer sen. kam ursprünglich aus Ungarn, zog aber in den 1450er Jahren nach Nürnberg um. Sein Geld verdiente Albrecht Dürer sen. als Goldschmied und sein Sohn sollte in seine Fußstapfen treten. Dort zeigte sich bereits das große künstlerische Talent von Albrecht Dürer, besonders auf dem Gebiet der Malerei. In den Jahren 1486-1490 arbeitete Dürer für den Maler Michael Wolgemut. Möglicherweise war der junge Künstler maßgeblich an der Entstehung der „Schedelschen Weltchronik“ beteiligt. Diese berichtet in mehreren Abschnitten über die Erschaffung der Welt, die Geschichte der Antike bis hin zur Gegenwart. Als kleinen Blick in die Zukunft gab es dann noch einen letzten Teil mit dem Thema „Weltuntergang und Jüngstes Gericht“. Diese Chronik gilt als eines der bedeutendsten Beispiele für die Buchdruckkunst der frühen Neuzeit. Nach der Zeit bei Wolgemut folgte für Albrecht Dürer eine Zeit, in der er drei Reisen unternahm, aber auch heiratete. Zunächst verschlug es ihn in das Gebiet des Oberrheins. Von Herbst 1494 bis Mai 1495 bereiste der Maler Italien zum ersten Mal und kam mit den Ausprägungen der dortigen Malerei in Berührung. Verstärkt wurde dieser Einfluss noch während seiner zweiten Reise 10 Jahre später, wo Dürer sich vor allem mit Künstlern wie Tizian oder Giovanni Bellini auseinandersetzte. In diese Zeit fallen viele von Dürers Werken aus dem Bereich Kupferstich und Holzschnitt z.B. „Die Offenbarung des Johannes“. In den folgenden Jahren war Dürer hauptsächlich in Nürnberg tätig, wo er als Gesandter des Größeren Rats seinen Einfluss vermehren konnte und an künstlerischen Projekten teilnahm. Auch wurde Dürer mehrmals von Kaiser Maximilian I. mit der beauftragt, Bilder für ihn anzufertigen. Zwei der berühmtesten Werke aus diesem Lebensabschnitt Dürers wären „Maria mit der Birnenschnitte“ (Öl, 1512) oder das Gemälde „Ritter, Tod und Teufel“ (Kupferstich, 1513).

"Rhinocerus" von Albrecht Dürer

„Rhinocerus“ von Albrecht Dürer

Noch zu Lebzeiten Dürers vergrößerte sich die damals bekannte Welt enorm. Weitere Wege nach Asien wurden gesucht und gefunden, der amerikanische Kontinent entdeckt. Damit kamen die Menschen auch mit der Fauna und Flora der neuen Gebiete in Berührung. Auch Dürer bildete hier keine Ausnahme und so ist ein Bild auf uns gekommen, das den einfach Namen „Rhinocerus“ trägt. Dargestellt wird ein indisches Panzernashorn, welches über Lissabon schließlich nach Rom kam. Mit eigenen Augen hat Dürer das exotische Tier nie gesehen. Ihm reichten die Beschreibung und die Skizze eines anderen Künstlers, um eine Zeichnung davon anzufertigen. Bis ins 18. Jhdt. dachte man, dass diese Tierart wirklich so aussehen würde. Den Namen „Panzernashorn“ hat es unter anderem auch wegen der großen Panzerplatten bekommen, die Dürer gemalt hatte. Erst als lebende Exemplare nach Europa gebracht wurden, erhielt man ein exaktes Bild vom Aussehen dieser Tiere.

Albrecht Dürer machte sich 1520 auf eine Reise in die Niederlande und wurde dort als Künstler groß gefeiert. Während dieser Fahrt war der Maler auch bei der Krönung von Kaiser Karl V. anwesend, der ihm all seine Privilegien erneut bestätigte. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte sich Dürer weniger als praktizierender Künstler, sondern widmete sich der Kunsttheorie. Albrecht Dürer verstarb am 6. April 1528. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt. Einige Forscher meinen Dürer sei an Malaria erkrankt, mit der er sich während seiner Reise in die Niederlande angesteckt hatte. Begraben wurde der Künstler am Nürnberger St. Johannesfriedhof. Das Vermächtnis von Albrecht Dürer begegnet uns in mehreren Bereichen. Unbestritten hat Dürer großes auf dem Gebiet des Holzschnitts und des Kupferstichs geleistet. Vor allem ersterer wurde von seinem Dasein als Illustration in Büchern zu einer eigenständigen Kunstform emporgehoben. Dürer war auch einer der ersten Künstler, die ihre Werke signierten, was in der Folgezeit zu einem Gütesiegel eines Malers wurde. Wie bereits erwähnt nahm sich Dürer aber auch theoretischen Fragen an wie beispielsweise der Perspektivenproblematik in der Malerei. Der Künstler beschäftigte sich aber auch mit dem Bereich der Befestigung von Städten und Gebäuden. Von Dürer stammt ein Werk über Befestigungslehre aus dem Jahr 1527. Als Hilfestellung zog der die zehn Bücher „de architectura“ des Vitruvs heran. Die Festung „Munot“ in Schaffenhausen wurde nach Dürers Vorgaben errichtet, allerdings erst im Jahr 1585. Was nur wenigen bekannt ist, Albrecht Dürer war auch ein begnadeter Mathematiker. Im Jahr 1515 stellte er in Zusammenarbeit mit einem Astronomen eine Karte der Erdhalbkugel her. Vor allem aber beschäftigte sich Dürer mit Formen wie Kurven, Ellipsen, Hyperbeln sowie mit der grafischen Darstellung der Tangens-Funktion.

Das Monogramm von Albrecht Dürer

Das Monogramm von Albrecht Dürer

Wenn wir das nächste Mal dem „Feldhasen“ in seine großen Kulleraugen blicken oder über einem geometrischen Problem brüten, dann sollte uns allen kurz Albrecht Dürer in den Sinn kommen. Das nächste Mal treffen wir auf einen Raben, der oft auf Schiffen zu finden ist.

„Angestrichen ist nicht gemalt“ (Leonardo da Vinci)

 

 

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