Unerwünscht in Mexiko

… oder wer besser auf die Warnungen seiner Familie gehört hätte.

Mexiko – wenn man diesen Wort hört, denkt man unweigerlich an Tequila, Tacos, weiße Strände oder die Ruinen der Azteken. Das Land hat als Reiseziel für Touristen viel zu bieten. Natürlich hat Mexiko auch viele berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht wie Emiliano Zapata, Frida Kahlo, Anthony Quinn, Selma Hayek oder Carlos Santana. Diese Leute spielten entweder eine Rolle in der Politik oder belebten Kunst und Kultur des Landes. Leider gibt es auch die weniger schönen Seiten von Mexiko. Vor allem die hohe Kriminalität fällt einem dazu ein, wobei der Handel mit Drogen und die daraus resultiereden Verbrechen der Kartelle sicher das größte Problem sind. Wer in den letzten Wochen die Medien verfolgt hat, der hat sicher vom Ausbruch des mächtigen Drogenbosses El Chapo gehört. Somit ist klar ein bißchen was, weiß jeder von Mexiko. Was die wenigstens unter uns wissen, es gab eine kurze Zeit in der ein Habsburger als Kaiser von Mexiko regiert hat. Diesen Umstand wollen wir heute näher betrachten.

Erzherzog Maximilian von Österreich (Quelle: Wikicommons)

Erzherzog Maximilian von Österreich (Quelle: Wikicommons)

Der Mann von dem hier die Rede ist, ist Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich, Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. Geboren wurde er 1832 im Schloss Schönbrunn in Wien. Der junge Erzherzog wurde umfassend erzogen und unterrichtet. Maximilian, wie er sich später nannte, sprache mehrere Sprache fließend und bekam auch eine militärische Ausbildung. Laut den Quellen verfügte er über ein einnehmendes, charmantes Wesen. In seinen jungen Jahren bereiste Maximilian die Welt und wurde mit nur 22 Jahren zum Kommandenten der Kriegsmarine. Im Jahr 1857 kam dann die Heirat mit Prinzessin Charlotte von Belgien, mit der Maximilian im Schloss Miramare in der Nähe von Triest lebte. Doch wie kam es dazu, dass Maximilian Kaiser von Mexiko wurde?

Schloss Miramare (Quelle: Wikicommons)

Schloss Miramare (Quelle: Wikicommons)

An dieser Stelle sind einige Informationen über die Geschichte Mexikos im 19. Jahrhundert notwendig. Seit 1535 war das Land als Vizekönigreich Neuspanien als Kolonie der spanischen Krone unterstellt. Vor allem seine Bodenschätze machten es für Spanien äußerst wertvoll. 1810 entbrannte der Unabhängigkeitskampf zwischen den Einheimischen und der Kolonialmacht. Anführer dieser Revolution war der Priester und Gelehrte Miguel Hidalgo y Costilla. In den Jahren des Unabhängigkeitskrieges hatten sich zwei Parteien gebildet – die Konservativen und die Liberalen. Erst im Jahr 1821 wurde vertraglich vereinbart, dass Mexiko unabhängig war. Danach gab ein kurzes Intermezzo von Kaiser Augustin I. von Mexiko, der zuvor ein führender Politiker und Feldherr gewesen war. 1823 war dann aber auch schon wieder Schluss mit dem Kaiserreich Mexiko.

Präsident Benito Juarez

Präsident Benito Juarez

Ab 1824 kam die Zeit der Ersten Republik in Mexiko, das Land erhielt eine Verfassung und einen gewählten Präsidenten. Fünf Jahre später machte Spanien einen letzten Versuch, Mexiko als Kolonie zurückzuerobern, was aber scheiterte. Die Republik durchlebte unruhige politische Zeiten und eine Vielzahl von Präsidenten kamen und gingen. Gebiete wie Texas oder Kalifornien verlor man an die USA. Eine neue Verfassung wurde im Jahr 1857 erarbeitet. Daran beteiligt war ein gewisser Benito Juárez, den man sich für den Fortgang der Ereignisse merken sollte. Leider brachte die Verfassung nicht die erhoffte Stabilisierung im Land, denn es kam Auseinandersetzungen zwischen den Konservativen und Liberalen. Vor allem die Macht der katholischen Kirche stellte das größte Konfliktpotential in dieser Zeit dar. Im Jahr 1861 endete der Krieg mit einem Sieg für die Liberalen und Benito Juárez wurde Präsident. Dieser stand nun vor dem Problem, dass der Bürgerkrieg Mexiko finanziell und wirtschaftlich ruiniert hatte. Hinzu kam, dass Mexiko Schulden bei ausländischen Mächten wie Frankreich oder England hatte. Diese konnte man nicht begleichen und schon landeten englische, spanische und französische Truppen in Mexiko. Vor allem Napoleon III., Kaiser der Franzosen, hätte es gerne gesehen, wenn das Land wirtschaftlich und militärisch an Frankreich gebunden worden wäre. Ein Kaiserreich in Mexiko wäre in den Augen des französischen Kaisers ein Gegengewicht zu den USA gewesen, deren Macht immer größere wurde. Jetzt kommt unser Habsburger Maximilian ins Spiel.

Kaiser Napoleon III. von Frankreich

Kaiser Napoleon III. von Frankreich

Napoleon III. versuchte Erzherzog Maximilian davon zu überzeugen, dass es eine wahnsinnige tolle Sache wäre, wenn er Kaiser in Mexiko werden würde. Maximilian wollte gerne diese hohe Würde übernehmen, aber nur wenn die Mexikaner das auch wünschten. Wie vielleicht schon klar geworden ist, wollten diese das ganz und gar nicht, außerdem gab es da schon Präsident Benito Juárez. Also musste Napoleon III. zu einer List greifen und ließ ein Dokument fälschen, aus dem hervorging, dass das mexikanische Volks sich für Maximilian als Kaiser aussprach. In Wien traute man dem Braten nicht und so musste Maximilian auf Geheiß seines kaiserlichen Bruders alle Ansprüche auf den österreichischen Kaiserthron abgeben. Der Erzherzog schlug die warnenden Stimmen seiner Verwandtschaft in den Wind und ließ sich im Jahr 1864 in Miramare zum Kaiser von Mexiko krönen. Die Ankunft von Kaiser Maximilian I. und seiner Gattin in Übersee gestaltete sich alles andere als prunkvoll und glamorös. Die Hauptstadt Mexiko-City war seit 1863 von französischen Truppen besetzt, allerdings wartete auf den frisch gebackenen Kaiser kein schönes Schloss wie jenes in Miramare.

Maximilian I. begriff schnell, dass seine Machtposition in Mexiko alles andere als gefestigt war. Die restlichen Staaten aus dem amerikanischen Kontinent unterstützten Präsident Juárez. Die USA steckten zwar mitten in ihrem eigenen Bürgerkrieg, aber das sollte sich bald ändern. Maximilian versuchte Maßnahmen zu ergreifen, die seine Situation verbesserten, aber es gelang ihm nicht. 1866 hatte sich die politische Lage in den USA stabilisiert und Präsident Andrew Johnson erhöhte den Druck auf Frankreich. Napoleon III. musste seine Truppen abziehen. Kaiser Maximilian I. war nun auf sich alleine gestellt. Bis zu seinem Sturz dauerte es auch nicht mehr lange. Die mexikanischen Truppen nahmen den Kaiser am 15. Mai 1867 gefangen. Präsident Juárez kam wieder an die Macht. Ein Kriegsgericht verurteilte Maximilian zum Tode, wobei das Urteil am 19. Juni 1867 durch Erschießung vollzogen wurde. Das war das Ende des Kaiserreiches in Mexiko.

Die Erschießung von Kaiser Maximilian von Mexiko (Quelle: Wikicommons)

Die Erschießung von Kaiser Maximilian von Mexiko (Quelle: Wikicommons)

Maximillian wurde nach Wien überführt und liegt bis heute in der Kapuzinergruft neben zahlreichen anderen Mitgliedern des Hauses Habsburg. Sein Tod bedeutete einen schweren Schlag für Kaiser Franz Joseph I. Doch es sollte nicht der einzige bleiben, denn 1889 beginn sein Sohn Kronprinz Rudolf Selbstmord und 1898 wurde seine Gattin Kaiserin Elisabeth (Sisi) in Genf ermordet. Die letzten Jahre der Habsburgermonarchie in Österreich waren angebrochen.

Wie sooft gibt es auch Theorien, dass Maximilian gar nicht hingerichtet worden sei, sondern unter falscher Identität weiter in Südamerika gelebt haben soll. In Wien, Bad Ischl und Triest stehen Denkmäler zu Ehren von Kaiser Maximilian und ein Raum im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien widmet sich dem glücklosen Habsburger.

Nun kennt man die Verbindung zwischen den Habsburgern und dem Staat Mexiko – sie heißt Maximilian. Damit lassen wir den ehemaligen Kaiser in Frieden ruhen und wenden uns in sieben Tagen dann einer Urkunde zu, die für die Geschichte Österreichs von großer Bedeutung ist.

„Sturz von Kaiserreichen und Throne rühren mich nicht sehr an; ein Verbrannter Bauernhof – das ist eine wirkliche Tragödie.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.