Eine Träne auf der Wange der Zeit

… oder welches Gebäude am Fluss Yamuna liegt.

Im Sommer vor zwei Jahren habe ich meine Kindheitserinnerungen aufgefrischt. Als kleines Mädchen habe ich einmal „Minimundus“ besucht. Für alle die das nicht kennen: das ist so eine Art Park, in dem berühmte Gebäude aus aller Welt in einem kleineren Maßstab nachgebaut sind. Minimundus liegt in Klagenfurt direkt am Wörthersee für alle, die mal in der Gegend sind und nicht wissen, was sie (mit oder ohne Kinder) machen sollen. Jedenfalls wollte ich es mir nocheinmal ansehen. Ein paar neue Gebäude gab es und alles wirkte verständlicherweise noch etwas kleiner als ich es in Erinnerung hatte. Ich hatte meinen Blick gerade auf eine der Miniaturen gerichtet, als ich eine Besucherin sagen hörte: „Was ist denn das? Das hab‘ ich noch nie gesehen.“ Also drehte ich mich in ihre Blickrichtung, um zu sehen, was sie zu so einer Aussage veranlasst hatte. Das Gebäude, dass die Frau nicht erkannt hatte, ist wahrscheinlich eines der berühmtesten Grabmäler der Welt – das Taj Mahal. Etwas geschockt über die Aussage der Frau in Verbindung mit diesem wundervollen Gebäude dachte ich mir meinen Teil. Vor allem kam mir in den Sinn, dass das vermutlich ein ziemlicher Schlag unter die Gürtellinie für das Taj Mahal gewesen sein muss. Aus diesem Grund ist es das heutige Thema, denn man sollte schon wissen, was das Taj Mahal ist.

Das Taj Mahal vom Fluss aus gehen

Das Taj Mahal vom Fluss aus gesehen

Wie bereits erwähnt es handelt sich beim Taj Mahal um ein Grabmal, dass in der Nähe der indischen Stadt Agra im der Provinz Uttar Pradesh steht. Übersetzt bedeutet der Namen soviel wie „Kronen-Palast“. Der Anlass für die Errichtung des Gebäudes ist eigentlich ein trauriger. Ein indischer Großmogul namens Shah Jahan („König der Welt“ 1592-1666) ließ das Taj Mahal als Grabdenkmal für seine verstorbene Lieblingsfrau Mumtaz Mahal (1593-1631) bauen. Das dauerte von 1631-1648. Damit man es vielleicht ein bißchen besser einordnen kann, in Europa wütete zu dieser Zeit der Dreißigjährige Krieg (1618-1648). Der Stil, in welchem das Taj Mahal gebaut ist, wird als indo-islamisch bezeichnet. Das Mogulreich existierte von 1526 bis 1858 in Indien, wobei sein Zentrum rund um die Städte Delhi, Agra und Lahore lag. Die Herrscher dieses Reichs werden als Mogule, Großmogule oder Mogulkaiser bezeichnet. Wenn man den Bereich Religion betrachtet, so trafen im Mogulreich die beiden großen Religionen Hinduismus und Islam aufeinander. Das brachte auch eine Vermischung in Kunst und Architektur mit sich. So erklärt sich auch, warum das Taj Mahal wie eine Moschee aussieht, aber der indische Einfluss unverkennbar ist. Schon bald entwickelte sich das Monument auch zu einer Pilgerstätte für Muslime.

Taj Mahal

Taj Mahal

Kurz ein paar Fakten und Daten zum Taj Mahal. Das gesamt Areal misst ungefähr 18 ha und liegt direkt am Fluss Yamuna. Das Monument liegt in einer wunderschönen Parkanlage. Die Plattform auf der das eigentliche Gebäude thront, ist quadratisch (100×100 m). Die Kuppel der Moschee streckt sich 59 m in den Himmel, während die vier Minaretten an den Ecken der Plattform stolze 40 m aufweisen. Diese sind auch leicht schräg nach außen gebaut, damit sie bei einem etwaigen Erdbeben das Hauptgebäude nicht beschädigen konnten. Das Gewicht der großen Kuppel wird über ein ausgeklügeltes System von Gewölben gehalten. Weiters überlegte man sich das Grundwasser zu regulieren, damit das Taj Mahal nicht absinken konnte. Man spricht von 20.000 Arbeiter die das Monument errichteten sowie 1000 Lastelefanten die unermüdlich unterschiedliche Baustoffe nach Agra brachten. Die Mauern bestehen aus flachen Ziegeln und sind mit weißem Marmor verkleidet. Unter der Anleitung des Venezianers Geronimo Veroneo und dem Franzosen Austin de Bordeaux stellten Fachleute prächtige Mosaike und Intarsien her. Beim Zusammensetzen wurde unglaublich exakt gearbeitet, dass die Nähte und Kanten mit dem bloßen Auge fast nicht sichtbar sind. Nach der Fertigstellung wurde Mumtaz Mahal dann in dem imposanten Monument zur letzten Ruhe gebettet. Was vielleicht die wenigsten wissen, Shan Jahan plante ein zweites Bauwerk ganz in der Nähe des Taj Mahals. Es sollte ein Grabmal für ihn selbst werden, errichtet aus schwarzem Marmor. Bevor Shah Jahan seine Idee in die Tat umsetzen konnte, wurde er von seinem Sohn Aurangzeb (1618-1707) entmachtet. Dieser fürchtete, dass sein Vater das Reich mit seiner Bautätigkeit in den Ruin treiben würde. Shan Jahan wurde im Roten Fort, einem weiteren berühmten Gebäude Indiens, ganz in der Nähe des Taj Mahals unter Hausarrest gestellt. Als der Großmogul Shah Jahan dann im Jahr 1666 gestorben war, setzte man ihn neben Mumtaz Mahal im Taj Mahal bei.

Mumtaz Mahal

Mumtaz Mahal

Die Schönheit des Taj Mahals faszinierte die Menschen der folgenden Jahrhunderte bis heute. Schon bald kamen die Leute aus aller Welt um sich das Monument anzusehen. Das hat sich bis heute nicht geändert und es steht auch auf meiner Liste von Orten, die ich unbedingt besuchen möchte. Der indische Dichter Rabindranath Tagore (1861-1941) beschreibt das Taj Mahal in einem seiner Werke als „eine Träne auf der Wange der Zeit“. Besser könnte man es nicht sagen. Seit 1983 gehört das Taj Mahal zum UNESCO Weltkulturerbe. Leider kam es 2006 zu Bombendrohungen gegen das Gebäude, weshalb die Sicherheitsvorkehrungen enorm verschärft wurden. Weiters hat das Monument bereits durch die Umweltverschmutzung, vor allem wegen der schlechten Luft, Schaden genommen. Die Farbe des Taj Mahals verändert sich langsam von weiß in gelb. Hoffentlich wird ein Weg gefunden, wie man das prächtigte Gebäude in Zukunft vor solchen Veränderungen bewahren kann.

Taj Mahal im Abendlicht (Veränderung der Farbe wird sichtbar)

Taj Mahal im Abendlicht (Veränderung der Farbe wird sichtbar)

Kommen wir noch einmal auf die Frau zurück, der das Taj Mahal gänzlich unbekannt zu sein schien. Wie der Zufall es so wollte, trafen sich unsere Wege in Minimundus ein zweites Mal. Diesmal standen wir beide vor der Mini-Version des Tempels von Abu Simbel. Dort kam es zu folgender Aussage von besagter Frau: „Das ist ja kaputt! Das sollten sie mal wieder herrichten. Das ist eine Frechheit, es in dem Zustand den Besuchern zu zeigen.“ Mir fehlten echt die Worte und auch heute wüsste ich nicht, was ich sagen sollte. Für alle, die jetzt kein Bild von Abu Simbel vor Augen haben, so sieht es aus:

Tempel von Abu Simbel (Quelle: Dennis Jarvis, Halifax Canada; Wikicommons)

Tempel von Abu Simbel (Quelle: Dennis Jarvis, Halifax Canada; Wikicommons)

 

 

 

 

 

 

Wie man deutlich sehen kann, ist auch das Original „kaputt“!

So genug von Monumenten und ihren Miniaturausgaben in Klagenfurt. Nächste Woche steht dann ein besonders prickelnder Kampf zwischen zwei Giganten auf dem Plan.

„Wer hohe Türme bauen will, muß lange beim Fundament verweilen.“ (Anton Bruckner)

 

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