Planung ist alles

… oder nach wem Kaiser Augustus beinahe vergeblich auf der Suche war.

Kennt ihr das auch? Ihr brütet über einem Problem, das man nicht dem Zufall überlassen kann und dann endlich kommt euch eine Lösung in den Sinn. Oder aber die Durchführung eines Projekt verlangt eure volle Aufmerksamkeit. Man erarbeitet sich einen genauen Plan, organisiert dies und jenes und denkt alles bis ins kleinste Detail durch. Alles scheint perfekt zu laufen. Doch dann kommt eine unerwartetes Ereignis, dass den Plan zu scheitern verurteilt. Oder jemand durchkreuzt mutwillig das ganze Unternehmen. Die ganze Arbeit war umsonst und der so liebevoll ausgearbeitete Plan ist für die Tonne. Was bleibt sind Frust, Enttäuschung oder Wut. Manche Menschen bleiben aber flexibel und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. In einigen Fällen hilft jedoch alles nichts und man beginnt einen neue Plan, eine bessere Strategie auszuarbeiten. Das Problem verlangt nach einer Lösung. Die gute Nachricht ist: jedem von uns ist es schon einmal so ergangen. Auch in der Geschichte existieren zahlreiche Beispiele für Pläne, die einfach nicht aufgehen woltlen. Vor allem im Krieg oder aber auch in der Forschung kann so etwas leicht passieren. Die mächtigen Männer und klugen Köpfe dieser Welt sind nicht vor dem Scheitern gefeit. Einer, den man zu der ersten Gruppe zählen kann, tat sich vor allem bei der Suche eines geeigneten Nachfolgers enorm schwer. Sein Name ist Gaius Ocativus (63 v. Chr.-14 n. Chr.), aber den meisten ist er besser bekannt als Octavian oder Augustus, der erste Kaiser des Römischen Imperiums.

Kaiser Augustus mit der Bürgerkrone (Quelle: Wikicommons)

Kaiser Augustus mit der Bürgerkrone (Quelle: Wikicommons)

Augustus (dt. „der Erhabene“) hatte alles erreicht, was man in Rom nur erreichen konnte. Sein Großonkel war niemand geringerer als Julius Caesar (100-44 v. Chr.), von dem er im Jahr 44 v. Chr. testamentarisch adoptiert wurde. Das machte den späteren Herrscher von Rom zum Haupterben eines beträchtlichen Vermögens. Die folgenden Jahre widmete Augustus der Absicherung seiner Macht. Dazu gehörte die Erlangung von hohen politischen Ämtern und Machtpositionen sowie die Anwerbung von Veteranen. Caesar hatte in seinem Testament festgesetzt, dass jeder Bürger in Rom einen gewissen Betrag aus seinem Vermögen erhalten sollte. Augustus zahlte die Gelder aus und machte sich dadurch beim Volk beliebt. Im Jahr 43 v. Chr. schloss sich Augustus mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus zum 2. Triumvirat zusammen. So konnte man leichter mit den noch verbliebenen Gegner Caesars abrechnen. Doch schon bald entbrannte ein Konflikt zwischen Augustus und Marcus Antonius, den man vorerst beilegte, in dem jeder der beiden über einen Teil des Reiches herrschte. Augustus bekam den Westen, Marcus Antonius den Osten und den armen Lepidus speiste man mit Afrika ab. Doch das konnte den Ausbruch eines Krieges zwischen den beiden Machtmenschen nur hinauszögern. Nachdem Marcus Antonius mit Kleopatra eine Liaison eingegangen war, kam es zum Krieg. Dieser endete mit einem Sieg für Augustus nach der Schlacht von Actium im Jahr 31 v. Chr. sowie dem Selbstmord von Marcus Antonius und Kleopatra. Augustus stand nun alleine an der Spitze des Römischen Reichs. In den folgenden Jahren gelang es dem geschickten Politiker sich die Macht zu sichern. Zunächst gab er die Ämter und Kompetenzen immer wieder zurück, die er vom Senat erhalten hatte. Augustus verwehrte sich scheinbar dem Wunsch nach Alleinherrschaft. Er kannte das Schicksal von Caesar nur zu gut, dem sein Streben nach Alleinherrschaft zum Verhängnis geworden war. Im Jahr 23 v. Chr. war es Augustus gelungen ein ganzes Bündel von Kompetenzen in seiner Hand zu vereinen wie z.B. das „imperium proconsulare maius“. Das sicherte ihm die Aufsicht und Befehlsgewalt über alle Provinzen und die dort stationierten Legionen. Die Leitung der Getreideversorgung sicherte sich Augustus dann im Jahr 22 v. Chr. Mittlerweile bezeichnete er sich als „princeps“, der erste Mann im Staat. Zwei Jahre später kam auch noch die Oberaufsicht über den Straßenbau hinzu. Weiters ordnete Augustus eine Neuaufteilung der Stadt Rom an, die danach über 265 vici (Stadtteile) und 14 Regionen verfügte. Dafür überschüttete der Senat ihn mit zahlreichen Ehrungen und man stellte seine Qualitäten als Herrscher bildlich dar – virtus (Tugend), clementia (Milde), iustitia (Gerechtigkeit) und pietas (Frömmigkeit). In diese Zeit fällt auch die Neuformulierung seines Namens. Vollständig lautete dieser nun „Imperator Caesar divi filius Augustus“. Der Ehrentitel „der Erhabene“ ist ab jetzt mit dabei. Im Jahr 2 v. Chr. kam dann noch die Ehrung „pater patriae“ (Vater des Vaterlandes) dazu. Fast hätte ich jetzt vergessen zu erwähnen, was fast jedem bekannt ist – nach Augustus wurde der 8. Monat benannt.

Büste von Agrippa (Quelle: Wikicommons)

Büste von Agrippa (Quelle: Wikicommons)

Soweit zum Werdegang des ersten Kaisers von Rom. In den folgenden Jahren tat Augustus alles um das Reich von innen heraus zu stabilisieren und führte auch einige Feldzüge, vor allem gegen Feinde im Norden. Doch die Erfolge seiner beiden Stiefsöhne Tiberius und Drusus – wir werden später noch von ihnen hören – in Germanien wurden durch die katastrophale Niederlage von Varus in der Schlacht im Teutoburgerwald im Jahr 9 n. Chr. zunichte gemacht. Weiters hatte Augustus mit Aufständen in Gallien und Thrakien zu kämpfen. Augustus selbst war nie ein großer Feldherr, dafür hatte er fähige Männer wie Marcus Vispanius Agrippa. Auch dieser Namen wird gleich nochmal auftauchen. Der „Princeps“ zeichnete sich auch durch eine rege Bautätigkeit aus wie am Beispiel der Ara Pacis sichtbar wird. Dabei handelt es sich um einen Friedensaltar in Rom, auf dem in zahlreichen Bildern Augustus, seine Familie und seine Taten gezeigt werden. Apropos Taten! Wenn man etwas über Kaiser Augustus schreibt, dann kommt man in keinem Fall an seiner Autobiographie vorbei. Ja richtig gelesen, Augustus hat sich auch als Autor betätigt. Die „res gestae divi Augusti“ sind ein Tatenbericht des Princeps, in dem er seinen Werdegang und die Erlangung der Macht darlegt.

Münze mit dem Bild von Livia Drusilla (Quelle: Eig. Foto)

Münze mit dem Bild von Livia Drusilla (Quelle: Eig. Foto)

Mögliche Büste von Marcellus (Quelle: Wikicommons)

Mögliche Büste von Marcellus (Quelle: Wikicommons)

Doch kommen wir nun zu dem Bereich seiner Herrschaft, der Augustus einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat – die Regelung der Nachfolge. Verheiratet war Augustus mit Livia Drusilla, allerdings ging aus dieser Verbindung keine Kinder hervor. Livia hatte zwar die bereits erwähnten zwei Söhne namens Tiberius und Drusus, allerdings wünschte sich Augustus einen Nachfolger aus seiner eigenen Familie. Dafür gab es trotz fehlender eigener Söhne doch ein paar Möglichkeiten. Der erste Kandidat war Marcellus (42-23 v. Chr.), der Sohn von Augustus Schwester Octavia, oder besser gesagt sein Neffe. Um die Verbindung noch ein wenig zu stärken, verheiratete man Marcellus mit Iulia, der Tochter von Augustus aus einer früheren Ehe. Marcellus schlug die Ämterlaufbahn ein und erlangte rasch Ansehen. Alles lief bestens. Aber Marcellus war zu diesem Zeitpunkt nicht der einzige Anwärter auf die Nachfolge als Kaiser wie die Quellen berichten. Als Augustus im Jahr 23 v. Chr. schwer erkrankte, übergab er nicht Marcellus seinen Siegelring, sondern seinem treuen Gefährten Agrippa. Man kann sich nun vorstellen, dass diese Aktion dem Neffen überhaupt nicht geschmeckt hat und Spannungen zwischen Marcellus und Agrippa lagen in der Luft. Zu einem richtigen Ausbruch des Konfliktes kam es nicht, denn im gleichen Jahr durchkreuzte das Schicksal die Planung der Nachfolge des Augustus. Marcellus starb im besten Mannesalter.

Iulia mit ihren Söhnen Gaius Caesar und Lucius Caesar (Quelle: Eig. Foto)

Iulia mit ihren Söhnen Gaius Caesar und Lucius Caesar (Quelle: Eig. Foto)

Augustus ließ von diesem Rückschlag aber nicht unterkriegen und bestimmte nun seine beiden Enkel Gaius Caesar und Lucius Caesar zu seinen Nachfolgern. Augustus dachte sich wohl, doppelt hält besser. Wo kamen diese Enkel jetzt so plötzlich her? Es handelt sich dabei nämlich nicht um die Söhne von Marcellus und Iulia. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die arme Iulia immer so verheiratet wurde, wie es ihrem lieben Vater Augustus gerade in den Kram passte. Nach dem Tod von Marcellus heiratete niemand anders als der gute Freund des Kaisers Agrippa, ebenfalls kürzlich Witwer geworden, die liebe Iulia. Die Ehe war kinderreich und zwei davon waren die bereits erwähnten Gaius und Lucius Caesar. Leider ging auch dieser Plan des Augustus mächtig in die Hose, denn Lucius Caesar segnete bereits 2 n. Chr. das Zeitliche. Sein Bruder folgte ihm dann zwei Jahre später in die Unterwelt. Nachdem Kandidat 2 und 3 nun ebenfalls nicht mehr unter den Lebenden weilten, gingen dem Princeps die Möglichkeiten innerhalb seines eigenen Stammbaums aus. Also musste er notgedrungen auf die Familie seiner Frau Livia zurückgreifen. Seinen Stiefsohn Tiberius hatte Augustus nie gemocht, doch jetzt blieb ihm nichts anderes übrig als ihn zu seinem Nachfolger zu ernennen. Augustus ging jedoch auch jetzt auf Nummer sicher, denn gleichzeitig adoptierte er noch den dritten Sohn von Agrippa und Iulia. Der treue Agrippa konnte auch nicht mehr für Nachwuchs sorgen, denn er war bereits verstorben. Also damit war auch der 4. Kandidat von der Bühne verschwunden. Augustus drängte Tiberius dazu Germanicus, seinen Neffen zu adoptieren. Jetzt kam auch noch einmal Iulia ins Spiel, denn Augustus verheiratete sie in dritter Ehe mit dem präsumptiven Nachfolger Tiberius.

Büste von Kaiser Tiberius (Quelle: Wikicommons)

Büste von Kaiser Tiberius (Quelle: Wikicommons)

Es kam wie es kommen musste – ausgerechnet derjenige den Augustus am wenigstens als seinen Nachfolger wollte, wurde es dann schlussendlich. Im Jahr 14 n. Chr. verstarb der erste Kaiser des Römischen Imperiums und Tiberius folgte seinem Adoptivvater im Alter von 55 Jahren als Herrscher. Wenigstens Augustus letzter Plan war von Erfolg gekrönt und seit diesem Zeitpunkt regierten Kaiser das Römische Reich bis zu seinem Untergang. Nach Tiberius waren es noch drei Vertreter aus dem iulisch-claudischen Haus – Caligula, Claudius und Nero. Vermutlich rauchen nun ein bisschen die Köpfe von der ganzen Hin- und Heradoptiererei und den zahlreichen Ehen von Iulia. Hilfreich ist es in solchen Fällen einen Stammbaum zu betrachten, dann wird sicher einiges klarer:

Stammbaum des Iulisch-Claudischen Hauses (Grundzüge der politischen Geschichte des Altertums. S. 198)

Stammbaum des Iulisch-Claudischen Hauses (Grundzüge der politischen Geschichte des Altertums. S. 198)

Im Leben kommt es oft anders als man denkt. Augustus hat das deutlich und mehrmals am eigenen Leib erfahren. Wenn man Pläne macht, dann sollte man immer darauf gefasst sein, dass das Schicksal einem einen Strich durch die Rechnung macht. Da hilft dann eigentlich nur mehr Flexibilität und Humor. Augustus hat erstes sicher besessen, aber ob er auch noch darüber lachen konnte, ist in den Quelle nicht überliefert.

Genug von Augustus, seinen Nachfolger und Adoption für heute. In der nächste Woche betrachten wir alles durch buntes Glas.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ (John Lennon)

 

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