In allen Farben des Regenbogens

… oder was man aus Siliciumdioxid herstellen kann.

Wenn man an Venedig denkt, gibt es viele Wörter und Bilder die einem in den Sinn kommen. Mit Sicherheit handelt es sich dabei um die besondere Lage der Stadt, die zum Teil auf Pfählen gebaut ist und in der Lagune von Venedig liegt. Als nächstes tauchen die Rialtobrücke sowie die Seufzerbrücker vor dem geistigen Auge auf. Auch der Canale Grande sowie die vielen kleinen anderen Wasserstraßen von Venedig werden sofort mit der Stadt in Verbindung gebracht. Dazu gehörten im Weiteren auch die hübschen Gondeln und schnellen Vaporettos. Zum historischen Zentrum von Venedig gehören mit Sicherheit der Campanile sowie der Dogenpalast, die auf dem von Tauben bevölkerten Markusplatz liegen. Wer sich mit der Geschichte von Venedig schon einmal auseinandersetzen musste, kennt die Stadt als politische und wirtschaftliche Macht, die seit dem Hochmittelalter einen raschen Aufstieg erlebte. Konflikte blieben da natürlich nicht aus, sei es mit dem Byzanthinischen Reich, mit den Osmanen oder mit der italienischen Stadt Genua. Aber Venedig ist für noch etwas hochberühmt – für die Insel Murano und die dort ansässigen Glasbläser.

Murano liegt ebenfalls in der Lagune von Venedig, ca. 1 km von der Altstadt von Venedig entfernt. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Insel, sondern um sieben einzelne Inseln, die mit Brücken miteinander verbunden sind. Murano ist zwar klein, hat aber auch seine Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Basilica di Santa Maria e San Donato aus dem 12. Jhdt. oder der Palazzo da Mula. Die Insel war bereits in der Antike besiedelt und im Hochmittelalter erhielt die Insel großen Zuzug von benachbarten Inseln wegen ihre Absicherung gegen Überschwemmungen. Diese waren bereits im Frühmittelalter angelegt worden.

Promenade der Insel Murano (Quelle: Wikicommens)

Promenade der Insel Murano (Quelle: Wikicommens)

Doch kommen wir nun zu dem Produkt, das Murano berühmt gemacht hat – das Glas. Die häufigste Basis dieses Materials ist Siliciumdioxid und Glas wird durch Schmelzen gewonnen. Danach wird es in Form gebracht und abgekühlt. Bei Glas handelt es sich nicht um eine Erfindung des Mittelalters oder der Neuzeit.  Glas kannte man aber schon im Alten Ägypten, bevor es nach Rom kam. Eine der ältesten Glasstücke überhaupt stammt aus der Zeit um 1830 v. Chr.  Die Herstellung von transparentem Glas gelang dann um 50 v. Chr. Von Ägypten kam das Glas und die Kunst dieses herzustellen dann auch nach Rom. Aber leider ist es oft so, wenn eine hochentwickelte Zivilisation wie das Römische Reich durch innere und äußere Faktoren zu Fall kommt, dann geraten auch Entwicklungen und Errungenschaften in Vergessenheit. Die Völkerwanderung leitete den Untergang des Römischen Imperiums ein, allerdings war es nur Westrom, das im Jahr 476 aufhörte zu existieren. Die östliche Hälfte des Reiches mit seiner Hauptstadt Konstantinopel bestand weiter. Dort gingen Techniken wie die der Glasbläserei nicht verloren und so kam es, dass diese Kunst auch in Venedig wieder eingeführt wurde. Eine Benediktinermönch soll es gewesen sein, der um 1000 Glasfläschen produizerte. Schnell erkannte man in Venedig, dass man mit diesem Produkt Profit schlagen könnte. Zahlreiche filigrane und farbenfrohe Stücke wurden hergestellt. So florierte das Glasbläserhandwerk in der Stadt bis um das Jahr 1290. Zu diesem Zeitpunkt kam ein Gesetz heraus, dass sich auf die Brandgefahr, die von Glasbläseröfen ausging, bezog. Alle Betriebe mussten Venedig verlassen und sich auf die nahe Insel Murano ansiedeln. Auf den ersten Blick klingt die Idee sehr vernünftig. Man spricht aber auch dafür, dass Herren von Venedig nicht wollten, dass die mittlerweile hochentwickelte Kunst der Glasbläserei von anderen Wirtschaftsmächten ausspioniert wurde. Auch konnte man die Handwerker dadurch leichter kontrollieren, denn es war diesen bei hoher Strafe verboten ihr Wissen weiter zu geben. Diebstahl von Patenten ließen sich allerdings nicht verhindern wie der Fall Giorigo Ballerin zeigt. Dieser Glasbläser stahl einem Kollegen namens Angelo Barovier einige von dessen Erfindungen, die vor allem das Färben des Glases verbesserten.

Glas aus dem 13. Jhdt. (Quelle: Wikicommens)

Glas aus dem 13. Jhdt. (Quelle: Wikicommens)

Nichts ist für die Ewigkeit und so kam es im 16. und 17. Jhdt. zur Flucht einiger Glasbläser von der Insel Murano. Es zog die Handwerker nach Mitteleuropa wobei sie oft von Herrschern wie Ludwig XIV. angeworben wurden. So begann der Niedergang der venezianischen Gläsbläserkunst und damit auch der von Murano. Neue Techniken, die vor allem in Böhmen und Schlesien entwickelt wurden, drängten Venedig aus seiner Vormachtstellung in Sachen Glas. Dass man in Murano heute noch wunderschöne Stücke in allen Farben und Formen kaufen kann, verdankt die Insel den ersten Touristen im 19. Jhdt. So wurde beispielsweise auch eine Glasfachschule auf der Insel im Jahr 1860 gegründet. Sechs Jahre zuvor war sogar das Museo Del Vetro eingerichtet worden, in dem die Geschichte der Glasherstellung dokumentiert ist. Wenn man auf die Insel Murano kommt, dann fallen einem sofort die zahlreichen Geschäfte und Souvenirshops auf, die Produkte aus Glas anbieten. Auch ich habe bei meinem Besuch auf Murano vor 15 Jahren eine kleine Parfümflasche sowie kleine Ohrringe aus Glas gekauft. In einer Schauwerkstätte wurde gezeigt, wie die alten und neueren Techniken der Glasherstellung funktionierten und man konnte die Meister beim Arbeiten beobachten.

Bei einem Besuch in Murano lohnt sich auf alle Fälle, aber auch die nahegelegene Insel Burano mit ihren hübschen, bunten Häusern sollte man gesehen haben. Als nächstes steht dann ein Pionier im Mittelpunkt des Interesses, der durch seine Erfindung den Tod fand.

„Dem Meister vom Handwerk soll man glauben.“ (Sprichwort)

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