2 x 3 macht 4

… oder warum auch alte Frauen auf Bäume klettern.

In der vergangenen Woche stand der englische König Richard I. Löwenherz und seine Gefangenschaft in der österreichischen Burg Dürnstein im Zentrum. Ich kenne aber noch ein anderes „Löwenherz“. Er ist kein König, sondern ein einfacher Junge. Er hat auch einen Bruder, aber im Gegensatz zu Richard Löwenherz und Prinz John kämpften die beiden Geschwister Seite an Seite gegen ihre Feinde. Eigentlich ist auch der kleine Bruder ein echtes „Löwenherz“. Sie sind nicht real, sondern der Phantasie einer genialen Person entsprungen. Sie heißen Jonathan und Krümel (Karl) Löwenherz. Niemand geringerer als die berühmte schwedische Autorin Astrid Lindgren hat sich die Abenteuer der Brüder Löwenherz und ihren Kampf gegen den Tyrannen Tengil und das Drachenweibchen Katla ausgedacht. Doch das ist nicht die einzige Geschichte, die wir der Autorin verdanken. Sie hat zahlreiche Kinderbücher geschrieben und hätte am Samstag (14. November) ihren 108. Geburtstag gefeiert. Grund genug für mich, sich heute einmal mit dieser ganz besonderen Frau zu beschäftigen.

Wenn man als Kind so wie ich viel gelesen hat, dann kommt man an Astrid Lindgren nicht vorbei. Unzählige Nachmittage und Abende habe ich mit den Büchern „Die Kinder von Bullerbü“, „Ronja Räubertochter“ oder „Die Brüder Löwenherz“ verbracht. Viele ihre Bücher gab es auch als Hörspiele, Serien oder Filme. Wer hat als Kind nicht „Pippi Langstrumpf“ gesehen oder ist mit Mio ins Land der Ferne gereist?

Astrid Lindgren im Jahr 1924 (Quelle: Wikicommons)

Astrid Lindgren im Jahr 1924 (Quelle: Wikicommons)

Geboren wurde Astrid Lindgren am 14. November 1907 in der Nähe von Vimmerby in Schweden. Ihre Eltern hatten den Pfarrhof in dem Ort gepachtet. In der Schule fiel die spätere Schriftstellerin durch ihre ausgezeichneten Leistung auf und wurde nach Beendung der Schulpflicht auf weiterführende Schulen geschickt. In den 1920ern kam es zu einem der wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben, denn sie erhielt einen Praktikumsplatz bei der lokalen Zeitung „Vimmerby Tidning“. Dort lernte sie alles wesentliche über die Arbeit im Journalismus. Mit nur 18 Jahren wurde sie schwanger, wobei man dazu sagen muss, dass der Vater der Chefredakteur eben jener Zeitung war. Heiraten kam für die junge Frau aber nicht in Frage und sie zog nach Stockholm. Als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei verdiente sich Astrid Lindgren bis zur Geburt ihres Sohnes ihren Lebensunterhalt. Ihr Kind musste Astrid Lindgren allerdings vorerst zu Pflegeeltern geben. Bei einer ihrer Anstellungen lernte sie auch ihren späteren Ehemann Sture Lindgren kennen. 1930 nahm Astrid Lindgren ihren Sohn Lasse wieder zu sich und zog mit ihrem Gatten nach Stockholm in das Viertel „Vasastaden“. Ein paar Jahre darauf bekam Astrid Lindgren ihr zweites Kind, eine Tochter namens Karin.

Buchcover "Die Brüder Löwenherz" und "Mio mein Mio" (Eig. Bild)

Buchcover „Die Brüder Löwenherz“ und „Mio mein Mio“ (Eig. Bild)

Erst ab den 1940er Jahren begann sich Astrid Lindgren als Schriftstellerin zu betätigen. Eine der ersten Figuren, die sie sich ausdachte, war Pippi Langstrumpf. Als Astrid Lindgren zum zweiten Mal ihre Geschichte bei einem Preisausschreiben einreichte, gewann sie mit dem frechen Mädchen mit den roten Zöpfen den 1. Preis. Sie erhielt eine Stelle als Lektorin in dem Verlagshaus „Rabén & Sjögren“, welches das Preisausschreiben ins Leben gerufen hatte. Im Jahr 1949 erschien das Buch „Pippi Langstrumpf“ auch in Deutschland. Zahlreiche weitere Bücher folgten. Viele ihrer Werke wurden, wie bereits erwähnt, verfilmt. Astrid Lindgren erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihre schriftstellerische Tätigkeit. 1965 bekam sie den „Schwedischen Staatspreis für Literatur“, 1978 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1997 wurde sie zur „Schwedin des Jahrhunderts“ ernannt. Aber es gab nicht nur Lob für die talentierte Autorin. Vor allem das Buch „Die Brüder Löwenherz“ stieß auf Widerstand, weil es sich mit dem Thema „Tod“ auseinandersetzte. 

Statue von Astrid Lindgren in Stockholm (Quelle: Stefan Ott, Wikicommons)

Statue von Astrid Lindgren in Stockholm (Quelle: Stefan Ott, Wikicommons)

Astrid Lindgren betätigte sich aber auch politisch und setzte sich vor allem für die Rechte von Kindern und Tieren ein. Beispielsweise forderte sie in einer ihrer Reden unter dem Titel „Niemals Gewalt“ zu einer gewaltfreien Erziehung von Kindern auf. Seit den 1930er Jahren engagierte sie sich bei den Sozialdemokraten in Schweden. Bis ins hohe Alter bewahrte sich Astrid Lindgren ihren Humor und ihre Kindlichkeit. So konnte man 1974 mitansehen, wie die schon etwas in die Jahre gekommene Schriftstellerin auf einen Baum kletterte. Doch auch für die Mutter von Pippi, Ronja und Kalle kam die Stunde des Abschieds. Astrid Lindgren starb im Jahr 2002 im Alter von 95 Jahren. Zahlreiche Menschen nahmen an dem Begräbnis teil, unter anderem auch das schwedische Königshaus. Ihr Grab liegt dort, wo sie ihre glückliche Kindheit verbrachte – in Vimmerby. Ihre wunderbaren Geschichten erfreuen auch nach ihrem Tod immer noch zahllose Kinder, aber auch Erwachsene, die immer ein wenig Sehnsucht nach ihrer Kindheit haben.

Jedem Fan von Astrid Lindgren und ihren Büchern empfehle ich einen Besuch im „Junibacken“, wo die Welt von Astrid Lindgren zum Leben erwacht. Dort kann man sich die Villa Kunterbunt von innen ansehen, mit Karlson über die Dächer fliegen oder die Streiche von Lausbub Michel aus Lönneberga erleben. Astrid Lindgren hat meine Kindheit bereichert und dafür bin ich ihr unendlich dankbar.

Junibacken in Stockholm (Eig. Bild)

Junibacken (Astrid Lindgren Museum) in Stockholm (Eig. Bild)

Lassen wir die Villa Kunterbunt, das Land der Ferne und Nangijala hinter uns. Nächste Woche gibt es dann einiges zum „wundern“.

„Denn er ist im Land der Ferne. Im Land der Ferne ist er, sage ich. Er ist dort, wo die Silberpappeln rauschen…“ (Aus dem Buch „Mio mein Mio, von Astrid Lindgren)

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