Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…

… oder wer drei goldene Kugeln verschenkte.

Der Dezember ist für die meisten ÖsterreicherInnen der wichtigste und geschäftigste Monat des Jahres. Noch bevor wir Weihnachten feiern, kommen ganz schön viele Termine und Punkte auf der To do Liste auf uns zu. Anfangen bei Geschenke kaufen, zu diversen Weihnachtsfeiern zu erscheinen, Kekse backen, Wohnung dekorieren, Punsch trinken am Christlkindlmarkt, Weihnachtsbaum aussuchen und und und. Alle Jahre wieder verfallen viele in diesen Weihnachtswahnsinn. Kein Wunder, dass wir uns an den Feiertagen gereizt und gestresst fühlen. Diese Zeit im Dezember, durch die wir meistens hindurchhetzen, ist schon als Vorbereitungszeit gedacht, aber sollte eigentlich keinen Stress verursachen. In den vier Wochen des Advents ging es ursprünglich um etwas anderes. Heute möchte ich etwas genauer darauf eingehen und auch einige Fixpunkte im Advent ansprechen, über die wir uns nur noch wenige Gedanken machen.

Über das meiste, das heute in diesem Beitrag thematisiert wird, hat die eine oder der andere in der Volksschule etwas gehört. Aber über die Jahre wurde dieses Wissen mit eben jene bereits erwähnten Tätigkeiten wie Geschenkkaufmarathon oder Blackout durch Punsch verschüttet. Wie allgemein bekannt ist, kommt der Begriff „Advent“ vom lateinischen Wort „adventus“, was soviel wie „Ankunft“ bedeutet. Damit war eigentlich die Ankunft des Kaisers gemeint, wenn er eine andere Stadt oder Region besuchte. Da galt es vieles vorzubereiten, denn man wollte sich ja nicht vor dem Herrscher blamieren oder ihn verärgern. Seit dem 5./6. Jh. n. Chr. wird mit „Advent“ die vorweihnachtliche Zeit bezeichnet, in der sich die Menschen auf die Ankunft von Christus vorbereiten. Heute gibt es vier Adventsonntage, an dem eine der vier Kerzen am Adventkranz angezündet wird. Zu diesen Brauch kommen wir noch. Ursprünglich war der Advent eine Fastenzeit und um einiges länger als heute. Begonnen hat diese Vorbereitungszeit nach dem 11. November. Das Martiniganserl war das letzte Festessen, bevor man den Gürtel enger schlang. Auch tanzen und feiern war nicht mehr erlaubt. Die liturgische Farbe einer Fastenzeit in der katholischen Kirche ist lila oder violett. Seit 1917 hat sich allerdings eingebürgt nicht mehr im Advent zu fasten. Was würden wir sonst mit den ganzen guten Keksen machen und auch die Punschstände wären umsonst.

Adventkranz (Eig. Foto)

Adventkranz (Eig. Foto)

Das führt uns direkt zum Adventkranz, der in der vorweihnachtlichen Zeit die Wohnzimmer oder Küchen schmückt. Dieser Brauch ist nicht so alt, wie man vielleicht vermuten würde. Auch ein nicht-christliches Element verbirgt sich im Adventkranz – das immergrüne Reisig. Damit wurde symbolisiert, dass die Natur im Winter eine Pause macht und im Frühling erst wieder erblüht. Bis dahin versuchte man sich mit Nadelzweigen zu behelfen, die auch in der kalten Jahreszeit ihre Farbe nicht verlieren. Der Brauch des Adventkranzes stammt aus Norddeutschland und wird dort seit der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. praktiziert. Ursprünglich wurden 23 Kerzen auf dem Kranz befestigt, diejenigen der Sonntage waren größer. Wer seinen Adventkranz übrigens ganz tradionell haben möchte, der benötigt drei lila Kerzen sowie eine rosarote. Hier liegt kein Schreibfehler von mir vor, sondern die Kerze des dritten Adventsonntag hat eine andere Farbe. Damit symbolisierte man, dass man beim Warten auf Weihnachten schon mehr als Hälfte hinter sich gebracht hatte. Die Farbe Lila entspricht der schon erwähnten liturgischen Farbe des Advents. Oft waren die Kerzen auf den Kränzen zuvor weiß und eine Mischung aus weiß und lila ergibt eben so eine Art Rosa. So kam die dritte Kerze zu ihrer besonderen Farbe.

Vom Adventkranz geht es weiter zum Adventkalender. Heute kann man sie in mannigfaltiger Ausführung kaufen, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Entweder verbirgt sich hinter den 24 Türchen ein Bilder oder man findet köstliche Schokolade. In den letzten Jahre kamen noch Adventkalender mit Spielsachen darin auf den Markt. Viele sind aber auch dazu übergegangen, die Adventkalender selber zu basteln und selbst zu füllen. Angefangen hat die Sache mit den 24 Türchen Anfang des 20. Jh. und zwar wurde es als pädagogische Erziehungsmaßnahme genutzt. So lehrte man die Kinder das Warten und die Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest.

Kommen wir nun zu einigen besonderen Tagen im Advent, an denen ein bestimmter Brauch stattfindet. Als erstes ein paar Worte zum 4. Dezember. Das ist der Gedenktag der Heiligen Barbara. Diese ist die Patronin der Bergleute, Geologen, Steinmetze, Schmiede, Sprengmeister, Architekten und Elektriker. Weiters zählt die Heilige zu den 14 Nothelfern und gilt als stand- und wehrhaft. Der Legende nach war die Heilige Barbara die Tochter eines Königs bzw. reichen Mannes aus Nikomedien oder Heliopolis. Die schöne Jungfrau soll viele Verehrer angelockt haben, die sie allesdings alle zurückwies. Barbara war heimlich ohne das Wissen ihres Vaters Christin geworden. Als er ihr dahinter kam, mit wem sich seine Tochter traf, sperrt der erzürnte Vater sie in einen Turm. So wollte er sie hindern an den Treffen der christlichen Gemeinde teilzunehmen. Barbara gelang es aus dem Turm zu fliehen und sie konnte sich in einen Felsspalt retten, der sich plötzlich auftat und sie so vor den Augen der Verfolger schützte. Nach einiger Zeit wurde die Jungfrau dennoch gefunden und von ihrem eigenen Vater enthauptet. Für die Christen gilt sie als Märtyrerin. Der Vater von Barbara wurde gleich nach seiner Tat durch Gott mit einem Blitz niedergestreckt. Dargestellt wird die Heilige mit einem Turm, einem Schwert, einem Kelch, Bergbauwerkzeugen sowie einem Palmenzweig. Tradiontiell ist es üblich am 4. Dezember Zweige von Kirsch- oder Apfelbäumen abzuschneiden und ins Wasser zu stellen. Diese beginnen oftmals zu blühen und in frühreren Zeiten hoffte man dadurch etwas grüne Natur über den Winter hindurch erhalten zu können. Manchmal werden solche „Barbarazweigerl“ auch jungen, unverheirateten Frauen geschenkt und wenn sie blühen, dann steht eine Hochzeit ins Haus.

Darstellung der Heiligen Barbara auf einem Deckenfresko in der Kirche St. Ulrich in Amendingen (Quelle: Wikicommons)

Darstellung der Heiligen Barbara auf einem Deckenfresko in der Kirche St. Ulrich in Amendingen (Quelle: Wikicommons)

Ikone mit dem Heiligen Nikolaus (Quelle: Wikicommons)

Ikone mit dem Heiligen Nikolaus (Quelle: Wikicommons)

Nur zwei Tage nach dem Gedenktag der Heiligen Barbara treffen wir auf einen Mann, auf den sich viele Kinder in der Adventzeit freuen. Am 6. Dezember wird das Fest des Heiligen Nikolaus gefeiert und es ist üblich Kindern kleine Geschenke wie Äpfel, Orangen, Nüsse oder Süßigkeiten zu machen. Mittlerweile werden die Geschenke zu Nikolaus auch immer teurer und aufwendig. Doch woher stammt der Brauch sich Äpfel und Orangen am 6. Dezember zu schenken? Der Heilige Nikolaus war ein Bischof aus der kleinasiatischen Stadt Myra aus dem 3./4. Jh. n. Chr. Nikolaus verfügte über ein beträchtliches Vermögen, das er mit den Armen teilte. Die Legende erzählt von einer besonderen Begebenheit. In Myra lebte ein Witwer mit seinen drei Töchtern, der nur wenig Geld hatte. Somit war es dem armen Mann nicht möglich seinen Töchtern eine ordentliche Mitgift zu zahlen und damit standen die Chance auf eine Ehe denkbar schlecht. Prostitution und das Leben als Dirne schien das Schicksal der Mädchen zu sein. Der Heilige Nikolaus hörte davon und warf drei goldene Klumpen oder Kugeln durch das Fenster in das Haus in dem die Mädchen lebten. So bewahrte er sie vor einem schlimmen Schicksal. Die Äpfel und die Orangen erinnern heute noch an die goldenen Kugeln des Heiligen Nikolaus. Am 5. und 6. Dezember ziehen als Nikolaus verkleidete Männer von Haus zu Haus und bringen den Kindern Geschenke, wenn sie brav gewesen sind. Natürlich gibt es auch jemand der für die schlimmen Kinder zuständig ist und das ist der Krampus. Diese Schreckensgestalt begleitet den Nikolaus vor allem in Mitteleuropa und sein Name geht auf das Wort „Krampe“ also „Kralle“ zurück. Mit einer Rute bestraft der Krampus die unartigen Kinder. Im Brauchtum ist es auch üblich, dass in der Adventzeit so genannte Krampusläufe stattfinden.

Postkarte mit einer Abbildung des Krampus (Quelle: Wikicommons)

Postkarte mit einer Abbildung des Krampus (Quelle: Wikicommons)

Wieder zwei Tage nach dem Fest des Heiligen Nikolaus steht für Österreich, die Schweiz und ein paar andere Länder ein Feiertag an – Maria Empfängnis. Viele sind der Meinung, dass an diesem Tag die unbefleckte Empfängnis von Jesus durch Maria gefeiert wird, was falsch ist. Am 8. Dezember wird der Empfängnis von Maria durch ihre Mutter Anna gedacht und liegt damit neun Monate vor dem Tag an dem die Geburt Marias gefeiert wird. Ein Feiertag ist der 8. Dezember seit dem Jahr 1647, als Kaiser Ferdinand III. (1608-1657) diesen für Österreich einführen ließ. Über den Feiertag können sich in Österreich nicht alle freuen, denn zahlreiche Geschäfte haben an diesem Tag geöffnet, damit die Leute den freien Tag nutzen können, um Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Nur ein paar wenige Geschäfte schließen am 8. Dezember auch ihre Türen, um ihren Mitarbeitern einen freien Tag zu ermöglichen.

Vielleicht kann sich der eine oder die andere jetzt wieder besser an einige Bräuche und Begriffe aus der Adventzeit erinnern. Oder manche haben möglicherweise noch etwas dazugelernt, wer weiß. Hoffentlich gelingt es manchen Menschen noch in der hektischen Zeit vor Weihnachten, einen besinnlichen und ruhigen Adventaugenblick zu genießen. Wünschen würde ich es uns allen.

Im Diözesanmuseum Graz kann man noch bis 10. Jänner eine Weihnachtsausstellung besuchen, die den Besuchern neben den verschiedensten Arten von Krippen auch den Advent und die damit verbundenen Bräuche und Feierlichkeiten näher bringt.

Doch der Advent hat noch etwas mehr zu bieten, den nächste Woche werfen wir einen Blick auf den 21. Dezember und auf die Gestalten, die ab dann ihr Unwesen treiben.

„Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit.“ (Voltaire)

 

 

 

 

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