Sternstunden mit Johannes

…oder wer in Graz, Prag, Linz und Regensburg gewohnt hat.

Der Jahreswechsel steht unmittelbar bevor. Ein Phänomen dieser Zeit, neben Glücksbringen, Feuerwerk und massenhaft Sekt, sind Horoskope für das kommende Jahr. Auch wenn es niemand zugeben möchte, man liest sie doch um zu erfahren was 2016 für einen selbst und andere bereithält. Vor allem diverse Frauenzeitschriften bieten ihren Leserinnen solche Ausblicke in die Zukunft, meistens aufgeteilt in die Bereiche Liebe, Beruf und Gesundheit. Wenn die Venus in den Schützen wechselt, dann gibt es wenig Streit in Beziehungen oder wenn Saturn die 2. Dekade erreicht, dann geschehen nur noch Ereignisse, die von Dauer sind. Der Kreativität der Astrologen ist da keine Grenze gesetzt. Doch auch in früheren Jahrhunderten ließen sich die Leute Horoskope erstellen. Heute lernen wir einen Mann kennen, der von 1571 bis 1630 lebte und ebenfalls Horoskope erstellte – Johannes Kepler. Wie, werden jetzt einige fragen, der war doch kein Astrologe? Das ist nur zum Teil richtig. Seine Berühmtheit verdankt Johannes Kepler zwar seinen Entdeckungen auf dem Gebiet der Astronomie. Doch zu seinen Lebzeiten konnte man Astronom und Astrologe gleichzeitig sein. Heute wäre jeder Astronom oder Astrophysiker beleidigt, wenn man ihn um ein Horoskop bitten würde.

Gemälde von Johannes Kepler, 1610 (Quelle: Wikicommons)

Gemälde von Johannes Kepler, 1610 (Quelle: Wikicommons)

Johannes Kepler lebte in vielen verschiedenen Städten in Europa, aber geboren wurde er in Stadt am Weil in Deutschland. Ja, das heißt wirklich so und liegt heute in der Nähe von Stuttgart. Genau heute vor 444 Jahren, am 27. Dezember 1571 kam der berühmte Astronom zur Welt und weil an diesem Tag Johannes Namenstag hat, wurde der kleine Kepler so getauft. Schon in jungen Jahren entwickelte der Klein-Johannes ein Interesse für die Sterne und Planeten, das vor allem von seiner Mutter gefördert wurde. Kepler zeigte in der Schule sehr gute Leistungen und begann 1589 in Tübingen Theologie zu studieren. In Mathematik und Astronomie lag aber die wahre Begabung von Johannes Kepler. Hier kam er auch mit den Lehren von Nikolaus Kopernikus (1473-1543) in Berührung, der herausfand, dass sich die Erde und alle Planeten um die Sonne drehen. Johannes Kepler gefielen die Ansichten von Kopernikus und er vertrat diese auch vehement, was ihm nicht immer zum Vorteil gereichte.

Keplerbrücke in Graz (Eig. Foto)

Keplerbrücke in Graz (Eig. Foto)

Johannes Kepler zog häufig um und so auch im Jahr 1594. Er verließ Tübingen und nahm eine Stelle in Graz an. An der evangelischen Stiftsschule unterrichtete er die Schüler in Mathematik. Diese befindet sich in der Grazer Innenstadt und bis 1598 war Kepler hier tätig. In Graz lernte der berühmte Astronom auch seine erste Frau kennen. Sie hieß Barbara Müller und galt als „gute Partie“. Doch schon bald kam die katholisch geprägte Gegenreformation auch nach Graz und dem protestantischen Kepler schien es an der Zeit samt Familie die Stadt zu verlassen. Die Keplers machten sich Richtung Norden nach Prag auf. Johannes Kepler hatte eine Einladung von dem Astronomen und Gelehrten Tycho de Brahe (1546-1601) erhalten, mit ihm dort zu arbeiten. Es trafen zwei kluge Männer zusammen, deren Fähigkeiten sich bestens ergänzten. Keplers Augen waren nicht besonders gut, also fiel es ihm schwer den Himmel zu beobachten. Allerdings waren seine mathematischen Kenntnisse enorm. Es ergab sich, dass es sich bei Tycho de Brahe genau umgekehrt verhielt. In der Mathematik wies er einige Schwächen auf, aber seine Beobachtungsgabe suchte seinesgleichen. Streitigkeiten gab es zwischen den beiden schlauen Köpfen aber auch, beispielsweise wenn es um die Frage „Geozentrisches vs. Heliozentrisches Weltbild“ ging. Die Zusammenarbeit währte nicht lange, denn de Brahe starb im Jahr 1601. Johannes Kepler machte daraufhin einen großen Karrieresprung, denn er wurde Hofmathematiker für Kaiser Rudolf II. (1552-1612) Zu diesem Job gehörten viele Aufgabe, aber auch eine die bereits angesprochen wurde. Johannes Kepler hatte die kaiserlichen Horoskope zu erstellen. Das klingt jetzt schlimmer als es ist, denn der Gelehrte interessierte sich sehr wohl für den Einfluss den Planeten auf Menschen haben können. Weiters versuchte er die Astrologie als Wissenschaft zu etablieren, was ihm nach dem heutigen Stand der Dinge nicht gelungen ist.

Gemälde von Tycho de Brahe (Quelle: Wikicommons)

Gemälde von Tycho de Brahe (Quelle: Wikicommons)

Einige Jahre nach dem Beginn seiner Tätigkeit als Hofmathematiker kam es zu der wahrscheinlich bedeutendsten Entdeckung von Johannes Kepler. In die Geschichte trägt sie die Bezeichnung „Keplersche Gesetze“. Der Astronom hatte sich mit der Umlaufbahn der Planeten um die Sonne beschäftigt und bemerkt, dass es sich dabei um keine Kreise handeln konnte, sondern die Himmelskörper sich auf elliptischen Bahnen fortbewegten. Natürlich weiß man heute, dass das nicht für alle Himmelskörper gilt, denn z.B. Kometen schweifen da etwas ab. Die drei Keplerschen Gesetze lauten folgendermaßen:
1. Keplersches Gesetz
Die Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen, in deren einem gemeinsamen Brennpunkt die Sonne steht.
2. Keplersches Gesetz
Ein von der Sonne zum Planeten gezogener Fahrstrahl überstreicht in gleichen Zeiten gleich große Flächen.
3. Keplersches Gesetz
Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die Kuben der großen Bahnhalbachsen.

Wer sich genauer über diese Gesetze von Johannes Kepler informieren möchte, dem würde ich raten den Astronom seines Vertrauens zu befragen. In der heutigen Zeit können Astrologen bei diesem Themenbereich nicht mehr hilfreich sein. Johannes Kepler veröffentlichte seine Erkenntnisse in dem 1609 herausgegebenen Werk „Astronomia nova“. Dort kann man natürlich auch nachlesen.

Denkmal für Johannes Kepler im Grazer Stadtpark mit den 3 Keplerschen Gesetzen (Eig. Foto)

Denkmal für Johannes Kepler im Grazer Stadtpark mit den 3 Keplerschen Gesetzen (Eig. Foto)

1612 folgte der nächste Umzug von Johannes Kepler, denn Rudolf II. war als Kaiser von seinem eigenen Bruder Matthias (1557-1619) abgesetzt worden. Die politische Lage war angespannt, was vor allem auf die wachsenden Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten zurückging. Der Dreißigjährige Krieg brach nur wenige Jahre später aus und danach war in Europa beinahe kein Stein auf dem anderen geblieben. In Böhmen sollte es 1618 beginnen und man konnte bereits spüren, dass die Eskalation des Konflikts in der Luft lag. Johannes Kepler bewarb sich daraufhin in Linz und erhielt eine Stelle als Mathematiker und Landvermesser. Nicht sehr glanzvoll, aber immerhin lag die Stadt an der Donau etwas entfernt vom Pulverfass Böhmen. Seine Frau Barbara starb kurz vor dem Umzug im Jahr 1612. Das Haus in dem Johannes Kepler in Linz gewohnt hatte, steht heute noch und befindet sich in der Linzer Altstadt hinter dem alten Rathaus. Hier beendete Johannes Kepler eine ebenfalls sehr bedeutende Arbeit. Bei den sogenannten „Rudolphinischen Tafeln“ handelt es sich um Regeln zur Berechnung von Planetenbahnen. Auch im 21. Jhdt. steht das Haus noch im Dienst der Wissenschaft, denn der heute so genannte „Kepler Salon“ wird als Bildungseinrichtung genutzt.

Die nächsten Jahre gehörten sich nicht zu den schönsten von Johannes Kepler. 1615 klagte man seine Mutter Katharina der Hexerei an. Erst sechs Jahre später gelang es Kepler sie aus dem Gefängnis zu holen. Leider starb Katharina Kepler schon kurze Zeit darauf. Aber auch Geldsorgen plagten den Astronomen und so traf es sich sehr gut für ihn, dass ein neuer Mäzen auf der Bildfläche erschien. Dabei handelte es sich um niemand geringeren als den berühmten Feldherren des Dreißigjährigen Krieges Albrecht von Wallenstein (1583-1634). Obwohl dieser keine wissenschaftliche Forschungsarbeit von Kepler erwartete, sondern nur verlässliche Horoskope, nahm der Astronom das Jobangebot an. Man muss ja auch essen. Dafür stellte ihm Wallenstein eine Druckerei für seine Werke zur Verfügung. Also war es nicht unbedingt ein Verlustgeschäft für Kepler. Zu seinem Unglück ging der leuchtende Stern von Wallenstein bereits drei Jahre unter, denn diesem wurde der Oberbefehl der kaiserlichen Truppen entzogen. 1634 kam es dann zur Ermordung von Albrecht von Wallenstein. Johannes Kepler entschied sich erneut zu einem Umzug und diesmal lautete das Ziel Regensburg in Bayern. Doch es wurde nur ein kurzer Aufenthalt an der Donau, denn ein paar Monate später starb Johannes Kepler.
Damit ging das Leben eines der bedeutendsten Astronomen zu Ende. Johannes Kepler hat uns aber nicht nur seine berühmten drei Gesetze sowie die Rudolphinischen Tafeln hinterlassen. Er gilt auch als Begründer der Optik als Wissenschaft, entdeckte unter anderem eine Supernova, die nach ihm benannt ist und baute ein Fernrohr, das nach ihm benannt wurde. Gegen die Meinung der Kirche, dass sich die Erde nicht um die Sonne drehen konnte, wehrte sich Kepler vehement mit Aussprüchen wie „Die Bibel ist kein Lehrbuch der Optik und der Astronomie – widersetzt euch diesem Missbrauch, ihr Theologen.“ Doch er geriet nicht nur deswegen mit der Kirche in Konflikt, sondern auch weil er sich auf die Einsetzung des Gregorianischen Kalenders einsetzte. Auch war Kepler niemand, der glaubte, dass eine Religion den Wahrheitsanspruch für sich alleine gepachtet hatte. Dazu meinte er: „Ich ehre in allen drei Bekenntnissen (Katholizismus, Protestantismus, Calvinismus) das, was ich mit dem Worte Gottes übereinstimmend finde.“ Solche Einstellungen und Meinungen bringen einem nicht nur Freunde ein.

Noch heute tragen zahlreiche Straßen, Plätze, Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen seinen Namen. Hier einige Beispiele:

Keplergasse und Keplerplatz; Wien
Keplerstraße, Keplerbrücke, Keplergymnasium, Denkmal im Stadtpark; Graz
Kepler Salon, Johannes Kepler Universität, Johannes Kepler Sternwarte; Linz
Keplerstraße, Keplermonument, Keplermuseum; Regensburg
Sternwarte und Denkmal; Stadt am Weil

Aber auch außerhalb unserer Erde hat man Johannes Kepler würdige Denkmäler gesetzt wie ein Krater auf dem Mond, ein Teleskop der NASA sowie ein Asteroid.

Kepler Gymnasium in Graz (Eig. Foto)

Kepler Gymnasium in Graz (Eig. Foto)

Man kann fast nicht durch die von Johannes Kepler bewohnten Städte gehen ohne eine Spur von ihm zu entdecken. Aber vielleicht denkt auch der eine oder die andere beim flüchtigen Lesen des Horoskops in der morgendlichen Zeitung an den berühmten Astronomen, der sich auch mit dem Einfluss der Sterne auf unser Leben beschäftigt hat.

Ziehen wir nun weiter, wie Johannes Kepler es immer wieder getan hat. Im nächsten Beitrag, der dann schon 2016 erscheinen wird, zeigt sich wie oft man ein Land teilen kann.

„Ein Mangel an Phantasie bedeutet den Tod der Wissenschaft.“ (Johannes Kepler)

Literatur:

Elze/Repken, Studienbuch Geschichte, Bd. 2, 1974

Sautter, Die 101 wichtigsten Personen der Weltgeschichte, 2006.

dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1, 2004

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