Mythos am Mittwoch – Prometheus

Feuer ist für die Menschen lebensnotwendig. Es spendet nicht nur Licht und Wärme. In den vergangenen Jahrhunderten wurde das hitzige Element zum Kochen verwendet, zur Abwehr wilder Tiere eingesetzt oder zum Weitergeben von Botschaften als Signalfeuer. Das Feuer begleitet die Menschheit schon sehr lange auf ihrem Weg durch die Geschichte. Die griechischen Mythen erzählen darüber, wie das Feuer auf die Erde gekommen ist.

Prometheus erschafft die Menschen, Röm. Relief 3. Jh., Louvre (Quelle: Wikipedia)

Prometheus erschafft die Menschen, Röm. Relief 3. Jh., Louvre (Quelle: Wikipedia)

Es gab eine Zeit in der es auf der Erde nur Pflanzen und Tiere gab, aber noch keine Menschen. Einem gefiel das ganz und gar nicht. Prometheus aus dem alten Göttergeschlecht der Titanen stieg auf die Erde, um die Menschen zu erschaffen. Sein Name bedeutet „der Vorausdenkende“ oder „der Vorausschauende“. Aus Ton formte er ihre Körper. Diese leblosen Gebilde füllte Prometheus mit Eigenschaften, die er von den Tieren entnahm. Beispielsweise stammte vom Hund die Klugheit oder vom Eber die Kampflust. Noch waren den Göttern die neu geschaffenen Menschen egal, nur einer nicht. Athene, die Göttin der Weisheit und des Krieges, bewunderte das Werk von Prometheus und schenkte seinen Geschöpfen die Gabe des Verstandes und der Vernunft. Prometheus kümmerte sich um die Menschen und lehrte sie viele Dinge. Die Götter begannen sich für die Menschen zu interessieren und versprachen ihnen Schutz und Hilfe. Im Gegenzug dazu verlangten sie Anbetung und Opfergaben. Von irgendetwas muss ja auch ein Gott leben. Bei einem Treffen zwischen Göttern und Menschen sollten die Rechte und Pflichten der Parteien festgehalten werden. Prometheus, der den Göttern misstraute, wollte diese auf die Probe stellen. Er schlachtete einen Stier und machte nun zwei unterschiedlich große Haufen daraus. Der kleinere bestand aus Fleisch, den Innereien und alles was sonst noch genießbar ist. Der größere Haufen aber enthielt Knochen, Sehnen und das Fett. Beide umspannte er mit einem Stück Haut des Stieres. Nun ließ Prometheus den Göttervater Zeus wählen, welchen Haufen er haben wolle. Nun gibt es zwei Varianten des Mythos: Im ersten durchschaut Zeus den Betrug des Prometheus, greift sich aber absichtlich den kleinen Haufen. Im zweiten kommt der oberste Gott nicht so gut weg, weil er auf die List des Prometheus reinfällt. Peinlich für einen Gott! So oder so, Zeus schwor dem Prometheus Rache und beschloss es an denjenigen auszulassen, die dieser beschützte und liebte – den Menschen.

Eine Gabe hatten die Menschen von Prometheus und den Göttern noch nicht bekommen, nämlich das Feuer. Zeus verweigerte den Sterblichen auch weiterhin diese Element. Doch zum Glück für die Menschen war Prometheus sehr schlau und wusste Rat. Der Titan nahm das Blatt eines riesigen Farns und hielt diesen in die Höhe. Der vorbeifahrende Wagen des Sonnengottes Helios war heiß genug, um das Blatt in Brand zu setzen. Schnell verteilte Prometheus die Gabe unter den Menschen und schon bald stieg Rauch von den zahlreichen Feuern auf. Die Götter, allen voran Zeus, waren erzürnt darüber, dass Prometheus sie überlistet hatte. Schon wieder…

Prometheus stielt das Feuer, Gemälde von Heinrich Fueger, 1817 (Quelle: Wikicommons)

Prometheus stielt das Feuer, Gemälde von Heinrich Fueger, 1817 (Quelle: Wikicommons)

Doch auch der Göttervater hatte seine Tricks und vor allem seine göttlichen Kinder mit ihren zahlreichen Talenten. Zeus begab sich zu seinem Sohn Hephaistos, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Er befahl ihm ebenfalls ein menschenähnliches Gebilde aus Ton anzufertigen. Hephaistos sollte ihm die Gestalt eines schönen Mädchens geben. Der Gott tat was sein Vater von ihm verlangte. Als Hephaistos fertig war, kamen die anderen Götter und verliehen dem Geschöpf weitere Fähigkeiten. Hermes schenkte ihm die Sprache, Aphrodite die Schönheit und Athene kleidete sie in ein schönes Gewand. Dem Gebilde wurde Leben eingehaucht und es bekam den Namen Pandora, was übersetzt „die mit allem beschenkt ist“ bedeutet. Von Zeus erhielt Pandora eine Büchse oder Gefäß, das mit einem Deckel verschlossen war. Darin waren zahlreiche schlechte Dinge enthalten. Jede Gottheit, sogar Athene, hatte etwas dazu beigesteuert. Pandora stieg nun auf die Erde hinab und traf auf den Bruder von Prometheus. Dieser hieß Epimetheus, was „der Nachherdenkende“ heißt. Von ihrem Liebreiz betört nahm Epimetheus das schöne Mädchen mit zu sich. Prometheus warnte seinen Bruder, dies zu tun, da er wusste, dass Pandora von den Göttern geschickt worden war. Da passierte es auch schon. Pandora öffnete den Deckel der Büchse und alle üblen Dinge strömten heraus und plagten von nun an die Menschen. Ganz unten im Gefäß aber befand sich auch die Gabe der Hoffnung. Bevor diese herausschlüpfen konnte, verschloss Pandora den Deckel wieder. Somit bleibt die Menschheit für immer ohne Hoffnung zurück.

Doch der Zorn des Zeus war noch nicht besänftigt und nun wandte sich seine Rache gegen Prometheus selbst. Der Titan wurde von dem Gott Hephaistos in Ketten gelegt und von dessen Dienern Kratos (Zwang) und Bia (Gewalt) an das Gebirge Kaukasus geschmiedet. Ohne Nahrung oder Trank hing Prometheus über einem schauerlichen Abgrund. Jeden Tag schickte Zeus einen Adler namens Ethon zu dem gefangenen Titanen. Dieser fraß die Leber des Prometheus. Jede Nacht erneuert sich das Organ wieder und am folgenden Morgen wiederholte sich die Qual des Prometheus. Seine Schreie und sein Fehlen nach Gnade verhallten ungehört. Doch auch für den Titanen kam der Tag der Befreiung. Herakles, der Halbgott und Sohn des Zeus, kam des Weges und beobachtete, wie der Adler an der Leber des gefesselten Prometheus fraß. Herakles zog einen Pfeil aus dem Köcher und tötete den Vogel mit einem gezielten Schuss. Auf dem Bild unten sieht man Herakles, wie er mit Pfeil und Bogen auf den Adler zieht, der sich gerade auf Prometheus stürzen will. Der Halbgott sprengte die Ketten und Prometheus war frei. Damit Zeus seinen Willen behielt, musste der Titan für immer ein Ring um den Knöchel tragen, an dem ein Stück Felsen des Kaukasus befestigt war. So konnte sich der Göttervater rühmten, Prometheus noch immer an den Kaukasus gefesselt zu haben.

Herakles tötet den Adler Ethon, Griech. Keramik, Louvre (Quelle: Wikicommons)

Herakles tötet den Adler Ethon, Griech. Keramik, Louvre (Quelle: Wikicommons)

In der griechischen Mythologie galt Prometheus als Sohn des Titanen Iapetos, aber als Mutter werden mehrere Göttinnen genannt z.B. Asia oder Klymene. Damit ist Prometheus ein Enkel des Uranos (Himmel) und der Gaia (Erde). Sein Halbbruder ist der Titan Atlas, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Sein Onkel ist niemand geringerer als der Titan Kronos, der wiederum der Vater von Zeus ist.

Die Geschichte von Prometheus und dem Feuer findet man in der Theogonie des antiken Autors Hesiod. Eine andere Quelle, die den Mythos behandelt, ist der Dramatiker Aischylos. Dieser schrieb ein dreiteiliges Werk, von dem nur der mittlere Teil „Der gefesselte Prometheus“ erhalten ist. Aber auch in der Neuzeit wurde dieser mythologische Stoff oft rezipiert. Auch in der bildenden Kunst finden sich zahlreiche Werke, die sich dem Thema „Prometheus“ widmen.

 

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