Mythos am Mittwoch – Romulus und Remus

In Mythen kommt es häufig vor, dass Helden und Königskinder als Babys ausgesetzt werden und dann von wilden Tieren gesäugt werden. In weiterer Folge sind es meistens Hirten, die sich der Kinder annehmen. Auf Umwegen kommen die Helden, Prinzen und Prinzessinnen dann wieder zurück in den Palast und ihr Schicksal erfüllt sich.

Die berühmteste Geschichte über Kinder, die ausgesetzt und von einem wilden Tier gesäugt wurden, handelt von den Zwillingsbrüdern Romulus und Remus. Alles begann als der römische Kriegsgott Mars (griech. Ares) auf der Erde umherblickte und eine Priesterin der Göttin Vesta (griech. Hestia) sah. Sofort stieg Begehren in den Gott auf. Sie hieß Rhea Silva und war nicht irgendeine gewöhnliche Frau, sondern die Tochter von König Numitor. Dieser herrschte über die Stadt Alba Longa. Numitor hatte aber noch einen Bruder mit Namen Amulius, der auch gerne König gewesen wäre. Also wurde König Numitor von Amulius vom Thron gestürzt. Die schon erwähnte Rhea Silva musste als Priesterin der Vesta diente. Diese nannte man Vestalinnen und eine Voraussetzung für die Ausübung dieser Tätigkeit war Jungfräulichkeit. Wenn eine der Priesterinnen dagegen verstieß, erwartete sie eine strenge Strafe.

Kommen wir zurück zu Mars und dem Feuer, das in seinen Lenden loderte. Der Gott stieg auf die Erde herab und verführte, in anderen Quelle vergewaltigte, Rhea Silva. Ihm war egal, dass sein Objekt der Begierde ein schlimmes Schicksal erwartete. Der göttliche Samen trug Früchte und neun Monate später brachte Rhea Silva Zwillinge zur Welt. Die beiden Kinder wurden Romulus und Remus genannt. König Amulius tobte vor Zorn, denn er fürchtete, dass die Enkel seines Bruders ihm den Thron wieder rauben könnten. So nahm er Rhea Silva die Kinder weg und ließ seine Nichte ins Gefängnis werfen. Romulus und Remus wurden in einen Korb gelegt, den man auf einem Fluss aussetzte. In den Quellen wird der Fluss meistens schon als der Tiber bezeichnet.

Gemälde "Romolo_e_remo" von Peter Paul Rubens (Quelle: Wikicommons)

Gemälde „Romolo_e_remo“ von Peter Paul Rubens (Quelle: Wikicommons)

So schaukelten die beiden Kinder einige Zeit in dem Korb auf dem Wasser umher, bis die Strömung sie an Ufer trieb. Romulus und Remus hatten beide sicherlich großen Hunger und auch Angst und begannen zu schreien. Das lockte eine Wölfin an. Anders als in den Märchen sonst üblich, fraß das Tier die Babys nicht, sondern nahm sie mit und säugte sie. Es gibt zahlreiche Darstellungen von der Wölfin mit den Zwillingen. Nach der Erstversorgung der Kinder durch das Tier tritt die schon erwähnte Gestalt des Hirten im Mythos auf. Er hieß Faustulus und dieser Hirte nahm sich nun Romulus und Remus an. Die beiden wuchsen zu stattlichen, kräftigen Männern heran. Was sollte man auch von den Kindern des Kriegsgottes anderes erwarten? Nun kam auch die Zeit der Rache, denn Romulus und Remus töteten Amulius und setzten ihren Großvater Numitor wieder auf den Thron von Alba Longa. Numitor zeigte sich sehr dankbar gegenüber seinen Enkelsöhnen und erlaubte ihnen an der Stelle, an der sie als Babys an Land gespült worden waren, eine Stadt zu errichten. Während die Zwillinge bei dem Sturz von Amulius noch an einem gemeinsamen Strang gezogen hatten, gab es nun Streit, wer der Herr über die neue Stadt werden sollte. Antworten versuchte man durch die Deutung des Fluges von Vögeln zu finden. Die Brüder sahen nun beide zum Himmel hinauf, allerdings in verschiedene Bereiche. So sah Remus 6 Adler vorbeifliegen, Romulus aber 12. Also ging der Sieg an Romulus und er begann mit dem Bau der Stadt. Zuerst zog Romulus eine Furche in den Boden, die die Grenze der Stadt abstecken sollte und als heilig galt. Anschließend errichtete der Sohn des Mars eine kleine, unscheinbare Mauer darauf. Remus verspottete die Größe des Bauwerks, was seinen Bruder verärgerte. Doch Remus musste noch einen drauf setzten und sprang über die Mauer hinweg, was eine Verletzung der Grenze bedeutete. Romulus geriet über die Tat seines Bruders in so großen Zorn, dass er ihn erschlug. Die Stadt aber die Romulus gegründet hatte, sollte seinen Namen tragen. Rom wurde laut der antiken Überlieferung im Jahr 753 v. Chr. gegründet („Sieben, fünf, drei – Rom schlüpft aus dem Ei.“) und galt in den folgenden Jahrhunderten als Zentrum der bekannten Welt. Wenn man dem Mythos glauben will, regierte Romulus noch lange in Rom. Als seine Zeit gekommen war, erfasste ihn ein gewaltiger Wirbelsturm und trug ihn in den Himmel zu seinem Vater Mars.

Statue der kapitolinischen Wölfin mit Romulus und Remus (Quelle: Eig. Foto)

Statue der kapitolinischen Wölfin mit Romulus und Remus (Quelle: Eig. Foto)

Die antiken Quellen, die über die Sage von Romulus und Remus berichten, sind Plutarch und Dionysos von Halikarnassos. Wer einmal die Stadt Rom besucht, der kann in der Nähe des Forum Romanum auf dem Kapitol (einer der 7 Hügel von Rom) eine Kopie der berühmten Statue der kapitolinischen Wölfin sehen. Allerdings muss man die Augen offen halten, denn sie ist nicht so groß, wie man es sich vielleicht vorstellt. Der berühmte Maler Peter Paul Rubens ließ sich von dem Mythos zu seinem Gemälde „Romolo e remo“ inspirieren. Aber auch in der modernen Zeit kam es zur Rezeption des Mythos sogar in der Welt des Science Fictions. In der Serie „Star Trek“ gibt es zwei Planeten, die nach Romulus und Remus benannt wurden.

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