Mythos am Mittwoch – Hvitsekur

Wer schon einmal in Island war, der weiß, was die Insel im hohen Norden alles zu bieten hat. Vor allem ist Island für seine zahlreichen unterschiedlichen Landschaften berühmt und für die Naturphänomene, die dort auftreten. Sprudelnde Geysire, tosende Wasserfälle, kochend heiße Quellen, aber auch Gletscherlagunen und Lavawüsten kann man in Island bewundern. Um eine Vielzahl solcher landschaftlichen Besonderheiten ranken sich so manche Sagen und Legenden. Trolle, Feen und Gespenster sollen an vielen Orten ihr Unwesen treiben. Einer dieser Plätze ist der so genannte „Hvitserkur“ im Norden von Island. Dabei handelt es sich um einen Basaltfelsen im Meer nahe der Küste.

Hvitserkur vor der Küste (Quelle: Eig. Foto)

Hvitserkur vor der Küste (Quelle: Eig. Foto)

Genauer gesagt liegt der Hvitserkur in der Nähe des Ortes Ósar auf der Ostseite der Halbinsel Vatnsnes. Er ist ungefähr 15 m hoch und eine Vielzahl von Vögel nisten auf dem Rest eines Zentralvulkans. Über den Hvitserkur gibt es nun folgende Legende:

Auf der gegenüberliegenden Seite des Meeres, in dem Hvitserkur heute steht, bauten christliche Mönche das Kloster Þingeyrar im Jahr 1133. Die Kirche des Kloster wurde dem Hl. Nikolaus geweiht. Schon bald nach der Gründung hatten sich die Mönche gut eingelebt und gingen friedlich ihrer Arbeit und ihrem Gebet nach. Auf der anderen Seite der Bucht lebt ein furchterregender Troll, dem es ganz und gar nicht passte, dass sich die Mönche in seiner Nähe niedergelassen hatten. Untertags konnte er nichts gegen das Kloster ausrichten. Wenn Trolle nämlich dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, werden sie zu Stein. Also stapfte er bei Einbruch der Nacht Richtung Küste und begann nun gewaltige Felsbrocken nach dem Kloster zu werfen. Er watete immer weiter ins Meer hinaus, um besser treffen zu können. Der Troll war so darin vertieft, immer mehr Stein nach Þingeyrar zu werfen, dass er nicht bemerkt, wie die Nacht verging. Trolle sind ja nicht gerade für ihre Intelligenz bekannt. Erst im Dämmerlicht des Morgengrauens kam es dem Troll in den Sinn, dass er so schnell wie möglich in seine schützende Höhle zurück musste. Doch es war zu spät. Am Horizont erschien die Sonne und ihre ersten Strahlen verwandelten den Troll in Stein. Die Gefahr für das Kloster Þingeyrar war vorrüber.

Die Kirche in Þingeyrar (Quelle: Eig. Foto)

Die Kirche in Þingeyrar (Quelle: Eig. Foto)

In den folgenden Jahren erblühte Þingeyrar zu einem Zentrum für Kultur und Literatur, in dem vieles von der Geschichte und den Legenden Island niedergeschrieben wurde. Die Kirche, die man heute noch besichtigen kann, stammt aus dem 19. Jh. Aber auch dem versteinerten Troll, der als Felsen Hvitserkur an der Küste steht, kann man einen Besuch abstatten. Diese beiden Orte und noch viele mehr habe ich bei meinem Besuch in Island vor zwei Jahren gesehen. Wer noch nie auf der Insel im hohen Norden war, es ist ein absolut empfehlenswertes Reiseziel.

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