Wort für Wort – Zeile für Zeile

… oder welche Pflanze einen natürlichen Klebstoff beinhaltet.

In den vergangenen Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte zählt die Entwicklung der Schrift sicher zu den bedeutendsten. Egal in welchen Teilen unserer Welt man auch forscht, man stößt immer auf Kulturen die diese Art von Kommunikation entwickelt haben. Beispiele dafür wären die Keilschrift in den Reichen des antiken Mesopotamien ist, die Hieroglyphen in Ägypten, die Knotenschrift der Inka oder die chinesischen Schriftzeichen. Schrift hat die unterschiedlichsten Formen angenommen und Alphabete können sich voneinander unterscheiden. Der Zweck bleibt aber immer derselbe – Kommunikation. Etwas ist aber noch nötig, wenn man schreiben will, obwohl diese Objekte oft in den Hintergrund geraten. Man braucht etwas worauf man die Schrift niederschreiben kann. Auch hier kennt die Menschheit zahlreiche Materialien, die sich dafür eigneten. Zwei der bekanntesten stammen aus der Antike und diese sollen heute vorgestellt werden – Papyrus und Pergament.

Beide Materialien klingen vertraut in unseren Ohren. Eines wird aus einer Pflanz gewonnen, dass andere von Tieren. Aber wie stellt man sie her? Wann wurden sie entwickelt? Für was wurden sie verwendet? Fragen über Fragen von denen heute ein paar geklärt werden sollen. Den Anfang macht der Papyrus.

Papyrus

Dieses Schreibmaterial stammt wie viele wissen ursprünglich aus Ägypten. Das Wort an sich bedeutet übersetzt wie „das Königliche“. Das kommt daher, dass eine Zeit lang die ägyptischen Könige (Pharaonen) ein Monopol auf die Herstellung von Papyrus hatten. Seit dem 3. Jt. v. Chr. verwendeten die Ägypter dieses Material um etwas aufzuschreiben. Allerdings war es zu dieser Zeit nur zur Verschriftlichung von heiligen Texten durch die Priesterschaft gedacht. Es war auch nur den Priestern vorbehalten, von dem Papyrus vorzulesen. Für den alltäglichen Gebrauch wurden Tonscherben zum Schreiben verwendet. Allerdings findet man den Papyrus im Lauf der Zeit als Schreibmaterial für profanere Dinge wieder. Ein Papyrus, der rund um 1500 v. Chr. datiert wird (Papyrus Ebers), beschreibt die Zusammenmischung eines Rezepts. Da der Schreibstoff sehr wertvoll war, kam es dazu, dass Papyrus auch als Tauschmittel eingesetzt wurde. Ungefähr ab dem Jahr 1050 v. Chr. ist auch ein Export des ägyptischen Schreibmaterials nachzuweisen. Im Babylonischen Reich taucht der Papyrus im 8. Jh. v. Chr. auf und auch in der Bibel trifft man auf das Schreibmaterial. In den folgenden Jahrhunderten taucht Papyrus auch im antiken Griechenland und im Römischen Reich auf.

Die Herstellung von Papyrus ist auch bekannt. Dazu benötigt man das Mark der gleichnamigen Staude, die vor allem in Unterägypten wuchs. Die abgeschnittenen Halme wurden in 30-50 cm lange Stücke unterteilt. Durch Schälen der äußeren, härteren Schichten kam man dann an das weiche Mark heran. Dieses wurde in Fasern in zwei zueinander rechtwinkeligen Schichten übereinander auf eine harte Unterlage gelegt. Dann begann das Klopfen und Pressen, damit die beiden Schichten sich miteinander verbinden konnten. Den Klebstoff lieferte die Papyrusstaude schon mit, denn er ist im Mark enthalten. Doch Papyrusrollen sind nicht etwa nur 35-50 cm lang, sondern konnten sich bis zu 10 m erstrecken. Dazu musste man die einzelnen Blätter mit einem zweiten Klebstoff aneinanderkleben und fertig ist die Rolle, die auf Griechisch „biblion (βιβλíον)“ heißt. Der Ort an dem die Rollen aufbewahrt wurden, nannte man Bibliothek. Die Größe einer Bibliothek wurde meistens mittels der Anzahl der vorhandenen Rollen genannt. Auf der Innenseite verliefen die Fasern horizontal, während auf der Außenseite eine vertikale Anordnung zu sehen war. So war es leichter zu schreiben, denn die Linien der Fasern lagen parallel zur Schrift (recto). Hatte man allerdings auf der Innenseite keinen Platz mehr, aber noch viel Wichtiges zu sagen, dann kam es vor, dass auch die Rückseite beschriftet wurde. Papyrusrollen konnten auch abgewischt oder abgewaschen werden und schon konnte es wieder losgehen mit der Kritzelei. Die Tinte, die benutzt wurde, stellte man aus Ruß (schwarz) oder Ocker (rot) her. Als „Stift“ diente ein zerfaserter Binsenstengel. Zum leichteren Aufrollen des Papyrus wurde in oben ein Holzstab angebracht, der links und rechts hervorstand. Man bewahrte die Rollen dann aufrechtstehend in Kisten oder Krügen auf. Papyrus gab es in unterschiedlichen Qualitäten und im Lauf der Jahrhunderte verfeinerte sich die Herstellung des Schreibmaterials.

Griechischer Papyrus im Gustavianum, Uppsala (Quelle: Eig. Foto)

Griechischer Papyrus im Gustavianum, Uppsala (Quelle: Eig. Foto)

Meistens wurden Papyri zum Schreiben von Briefen, Verträgen, Akten oder Gerichtsurteilen benutzt. Aber auch private Korrespondenz wurde auf diesem Material niedergeschrieben. So erhält man dank der erhaltenen Papyrusrollen einen Einblick in verschiedene Lebensbereiche der Menschen in der Antike. Papyrus hat allerdings einen gravierenden Nachteil – er ist unglaublich feuchtigkeitsempfindlich. Aus diesem Grund sind vorwiegend Papyri erhalten, die in heißen, trockenen Gegenden wie Ägypten oder Mesopotamien gelagert waren. Eine Ausnahme ist eine Bibliothek in Herculaneum (in der Nähe von Pompeji), die so genannte Villa dei Papiri. Dort fanden Archäologen eine Vielzahl von verkohlten Papyrusrollen, mit deren Entzifferung und Konservierung man sich eingehend beschäftigte.

Wie man sehen konnte, wurde Papyrus nicht nur von den Ägyptern als Schreibmaterial verwendet, sondern zieht sich durch die gesamte griechisch-römische Antike hindurch. Doch dann tauchte ein anderer Stoff auf, der dem Papyrus langsam aber sicher Konkurrenz machte – das Pergament.

Pergament

Dieses Schreibmaterial aus Tierhäuten ist deutlich jünger als der Papyrus und zu einer häufigen Verwendung kommt es erst im 2. Jh. v. Chr. Allerdings belegen Quellen wie Herodot, dass es bereits zuvor die Möglichkeit gab auf Tierhäuten und Leder zu schreiben. Manchmal wird Pergament auch als „Membrana“ bezeichnet. Darunter verstand man in der Antike eine Tierhaut, die zunächst enthaart, geputzt und getrocknet werden musste. Die Haare wurden meistens in einem Kalkbad entfernt. Anschließend wurde die Haut mit Kreide oder Bimsstein geglättet. Pergament konnte beidseitig zum Schreiben genutzt werden und einzelne Blätter wurden zu Art Heften zusammengefügt. Allerdings konnte man ihn auch genauso wie den Papyrus rollen. Lange galt Pergament im Vergleich zu Papyrus jedoch als unedel und weniger vornehm. Vorwiegend wurde es als Material für Entwürfe und Notizen verwendet, die man bisher auf Wachstäfelchen geschrieben hatte. Die Qualität von Pergament hing stark von der Tierart ab, die für die Herstellung verwendet wurde. Üblich waren je nach Region Rinder, Schafe, Ziegen, aber auch Esel. Auch das Alter des Tiers spielte eine Rolle und es gab Unterschiede in der Herstellung, die sich auf die Qualität auswirkten. Große Fertigkeiten auf diesem Gebiet wies die Stadt Pergamon in Kleinasien auf. Das Pergament erhielt auch von Pergamon seinen Namen. Zunächst wurde der Stadt auch die Erfindung des Schreibmaterials zugeschrieben, was allerdings von der Forschung mittlerweile nicht mehr angenommen wird.

Abbildung eines Pergamentmachers um 1425 aus den Nürnberger Hausbüchern (Quelle: Wikicommons)

Abbildung eines Pergamentmachers um 1425 aus den Nürnberger Hausbüchern (Quelle: Wikicommons)

Pergament steht häufig im Zusammenhang mit dem Begriff „Codex“. Für diese römischen Sammlungen von Gesetzen eignet sich der Papyrus nicht wirklich gut und so ging man dazu über, die Codices auf Pergament niederzuschreiben. Dieses Schreibmaterial konnte nämlich in Lagen geheftet werden, was für die oft sehr umfangreichen Gesetzessammlungen von Vorteil war. Auch aufkommende Nachschlagewerke und Lexika bestanden meistens aus Pergament. Noch im 3. Jh. n. Chr. war Pergament noch immer nicht besonders beliebt bei den römischen Juristen, aber mit der Zeit setzte es sich als Schreibmaterial durch. Man begann auch Papyrusrollen auf Pergament umzuschreiben. Auch die Autoren des frühen Christentums wandten sich immer mehr diesem Schreibmaterial zu. Neben der Möglichkeit des Zusammenheftens hatte Pergament noch andere Vorteile. Wie bereits erwähnt konnte man es beidseitig beschriften, es war deutlich widerstandsfähiger und man konnte darauf auch Malereien anbringen. Damit waren Werke aus Pergament deutlich schöner und repräsentativer geworden. Bei Bedarf konnte sogar die beschriebene Schicht des Pergaments abgeschabt werden und bot so Platz für neue schriftliche Ergüsse. Das nennt man dann ein „Palimpsest“. Das Buch als Medium und damit auch das Pergament setzten sich gegen Rolle und Papyrus durch. Die Bibliotheken und Scriptorien der Klöster hatten im Mittelalter Hochkonjunktur. Doch auch die Zeit des Pergaments ging vorüber, denn in der frühen Neuzeit verbreitete sich allmählich das Papier über Italien in Europa. Ende des 16. Jh. gab es ungefähr 190 Papiermühlen in Deutschland.

Wie man sieht ist nicht nur die Schrift einem ständigen Wandel unterzogen, sondern auch die Materialien auf den sie festgehalten wird. Heute geht die Tendenz dazu hin, dass gar kein Papier oder ähnliches verwendet wird. Handgeschriebene Briefe werden von E-Mails ersetzt und Bücher kann man in digitaler Form als E-Book lesen. Mal sehen was die kommenden Jahre auf dem Gebiet der Schreibmaterialien noch so für uns bereit halten.

„Wirf beschriebenes Papier nicht weg.“ (Chinesisches Sprichtwort)

 

Literatur:

Der kleine Pauly – Lexikon der Antike in fünf Bänden, Bd. 3 und 4, 2013

Werner Faulstich, Mediengeschichte von den Anfängen bis 1700, 2006

Lexikon der antiken Welt, Bd. 1 u. 2, 1995

Hermann A. Schlögl, Das alte Ägypten, 2008.

Marcus Völkel, Geschichtsschreibung, 2006

Martin Zimmermann, Pergamon – Geschichte, Kultur, Archäologie, 2011

 

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