Mythos am Mittwoch – Izanagi und Izanami

Der heutige Mythos führt uns ins weit entfernte Japan. Auch dort kennt man eine Legende darüber wie die Götter und die Welt entstanden sind. Dieser ist allerdings hier bei uns nicht sehr bekannt. Grund genug diesem Mythos vorzustellen.

Am Anfang als Erde und Himmeln noch eins waren und sich erst langsam voneinander trennten, entstanden auch die ersten Gottheiten. Man nennt sie die Besonderen Himmelsgottheiten und davon gab es fünf. Nach diesen folgten weitere Götter und Göttinnen. Insgesamt spricht man von den Sieben Generationen der Götterzeit. Die letzte Generation bestand aus zwei Geschwistern namens Izanagi und Izanami.

Izanagi und Izanami - Die Ureltern (Quelle: Wikicommons)

Izanagi und Izanami – Die Ureltern (Quelle: Wikicommons)

Die übrigen Gottheiten befahlen Izanagi und Izanami, die Welt zu ordnen und zu festigen. Die Geschwister erhielten den Himmlischen Juwelenspeer. Damit rührten Izanagi und Izanami in der großen Salzflut herum. Als sie die Spitze des Speers wieder aus den Wassern zogen, tropfte Salz hinunter. So bildete sich die erste Insel und erhielt den Namen Onogoro. Izanagi und Izanami stiegen vom Himmel herunter und stellten auf der neuen Insel den Hehren Himmelspfeiler auf. Dort erkannte sie auch, dass sie unterschiedlichen Geschlechts waren. Die beiden umkreisten den Himmelspfeiler, Izanagi als Mann von links und Izanami als Frau von rechts. Als sie sich wieder aufeinandertrafen, vereinigten sich die beiden und vollzogen den Geschlechtsakt. Doch hatte Izanami als erste von beiden gesprochen, als sie sich wieder erblickten. Deshalb wurde das Kind, das sie zeugten, missgestaltet geboren. Sie nannten es Hiruko („Blutegel-Kind“) und Izanagi führte die Missbildungen darauf zurück, dass Izanami als Frau zuerst gesprochen hatte. Die übrigen Gottheiten rieten den beiden es noch einmal zu versuchen.

So umkreisten Izanagi und Izanami den Himmelspfeiler erneut und diesmal sprach als erstes der Mann, als sie sich wieder erblickten. Die beiden zeugten noch zahlreiche Kinder, zuerst 14 Inseln. Darauf wurden Izanagi und Izanami die Eltern von 31 weiteren Gottheiten. Man nennt sie auch die Ureltern. Doch dann kam es bei der Geburt des Feuergottes Hi no Yagihayawo zum Unglück. Izanami zog sich dabei so schwere Verbrennungen zu, dass sie starb.

Izanagi konnte sich mit dem Tod seiner geliebten Frau nicht abfinden und folgte ihr ins Land der Finsternis. Dort trafen die Ureltern wieder aufeinander. Izanagi bat Izanami mit ihm zurück auf die Welt zu kommen. Sie sagte ihm, dass sie das nicht könnte, weil sie bereits von den Speisen im Land der Finsternis gekostet hatte. Doch es rührte Izanami, dass ihr Gatte den schweren Gang in die Unterwelt auf sich genommen hatte und sie versprach die Götter des Landes der Finsternis zu bitten, sie zurück zu schicken. Doch dürfte Izanagi sie solange nicht sehen. Izanami ging in den Palast der Finsternis zurück. Izanagi hielt das Warten nicht aus, zündete eine Fackel und ging ebenfalls in den Palast hinein. Dort erblickte er seine geliebte Izanami. Doch wie hatte sie sich verändert. Ihr gesamter Körper wimmelte von Maden und Schlangen wohnten darin. Izanami verfluchte Izanagi und hetzte ihm die furchtbaren Frauen des Landes der Finsternis auf den Hals. Izanagi flüchtete und konnte sich damit retten, dass er zur Ablenkung seinen Haarkamm hinter sich warf. Daraufhin schickte Izanami die Acht Donnergötter und 1500 Krieger des Landes der Finsternis hinter ihrem Gatten her. Doch Izanagi konnte auch diese Gefahr abwehren. Zuletzt verfolgte Izanami selbst ihren Mann, doch Izanagi warf einen Felsen zwischen sich und seine Frau. Dann sprach er die Worte der Scheidung aus. Tief gekränkt drohte Izanami jeden Tag 1000 Menschen sterben zu lassen. Izanagi antwortet darauf, dass er jeden Tag 15.000 Menschen das Licht der Welt erblicken lassen würde. Seit dieser Zeit wird Izanami die Große Göttin der Finsternis genannt. Izanagi aber stieg zurück auf die Erde und wusch sich in einem Fluss von dem Schmutz der Unterwelt rein. Beim Waschen der einzelnen Kleidungsstücke und Körperteile entstanden weitere Gottheiten. Zuletzt reinigte er seine linkes und rechtes Auge sowie seine Nase. So wurden Amaterasu, die Sonnengöttin, Tsukiyomi, der Gott des Mondes und Susanoo, der Sturmgott geboren. Diese wurden auch die Drei Erlauchten Kinder genannt.

Die Sonnengöttin Amaterasu (Quelle: Wikicommons)

Die Sonnengöttin Amaterasu (Quelle: Wikicommons)

Der Urvater Izanagi überließ seiner Tochter Amaterasu die Herrschaft über die Hohen Himmelsgefilde und seinem Sohn Tsukiyomi die Herrschaft über die Nacht. Susanoo erhielt das Meer von seinem Vater um darüber zu regieren. Izanagi zog sich nach der Verteilung der Herrschaften auf seinen göttlichen Alterssitz zurück. So wurde die Welt unter den drei Kindern von Izanagi beherrscht und beschützt.

Viele Teile aus diesem Mythos kommen einem bekannt vor, wenn man dazu die griechischen Mythen vergleicht. Vor allem der Teil der in der Unterwelt spielt, weist Parallelen auf. Die Reise von Izanagi in das Land der Finsternis erinnert stark an den Gang des Helden Orpheus in die Unterwelt. So wie Izanagi scheiterte auch Orpheus an der Aufgabe seine Geliebte wieder mit in die Welt zu nehmen. Die Aussage von Izanami, dass sie nicht zurückkommen könnte, weil sie von den Speisen der Unterwelt gegessen hätte, lässt einen aufhorchen. Persephone, die von Hades entführt wurde, durfte auch nicht mehr die ganze Zeit auf der Erde verbringen, weil sie Granatapfelkerne gegessen hatte, die in der Unterwelt gewachsen waren.

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