Mythos am Mittwoch – Phaethon

Der heutige Mythos rankt sich um einen griechischen Gott, von dem es nur wenige bekannte Geschichten gibt. Gemeint ist der Sonnengott Helios, der in seinem Sonnenwagen von Osten nach Westen fuhr. Dabei sah er alles, was sich auf der Erde so tat. Meistens ist er in den Mythen aber nur eine Randgestalt.

Helios hatte einen Sohn mit einer Sterblichen mit Namen Phaethon. Dieser wurde von anderen Burschen verspottet, weil niemand ihm glaubte, dass er von Helios abstammte. Tief gekränkt begab sich Phaethon zum Palast des Sonnengottes. Er wurde als dessen Sohn auch sogleich zu Helios vorgelassen, der in auf seinem Thron sitzend empfing. Phaethon staunte über all die Wunder die es im Palast seines unsterblichen Vaters zu entdecken gab. Rund um Helios stand sein Gefolge zu dem der Tag, der Monat, das Jahr, die Stundengöttinnen aber auch die Jahreszeiten gehörten. Phaethon musste die Augen zusammenkneifen, um den strahlenden Glanz, der von seinem Vater ausging, standzuhalten. Helios begrüßte seinen Sohn und fragte ihn, weswegen er gekommen war. Phaethon klagte ihm sein Leid und erzählte seinem Vater, dass niemand glauben würde, dass er der Sohn des Sonnengottes sei. Auch seine Mutter würde als Lügnerin verspottet. Helios versicherte Phaethon, dass er sein Sohn sei und er ihn niemals vor der Welt verleugnen würde. Der Gott schwor beim Unterweltsfluss Styx, dass Phaethon sich ein Geschenk aussuchen dürfe und Helios würde es ihm geben. Hier sei kurz angemerkt, wenn ein griechischer Gott beim Styx schwört, muss er diesen Schwur auch halten, denn sonst verliert er seine Unsterblichkeit. Phaethon dankte seinem Vater und sprach auch gleich seinen Wunsch aus. Der Jüngling wollte den Sonnenwagen lenken, genau wie sein Vater es jeden Tag machte. Ja, junge Männer und schnelle Gefährte, das war schon in den griechischen Mythen eine schlechte Kombination.

Helios erschrak furchtbar als er den Wunsch seines Sohnes hört. Der Gott flehte, Phaethon möge sich etwas anderes aussuchen, denn den Sonnenwagen zu lenken sei für einen Sterblichen nahezu unmöglich. Helios selbst hatte manchmal Schwierigkeiten die feurigen Pferde auf der Bahn zu halten und vor allem der Abstieg hinunter in den Westen war enorm gefährlich. Phaethon wollte von alldem nichts wissen und erinnerte seinen Vater an den Schwur. Helios wurde das Herz schwer, aber er hatte es nun mal beim Styx versprochen. Also bestrich er das Gesicht und die Arme von Phaethon mit einer göttlichen Salbe, die ihn die Hitze ertragen ließ. Auf den Kopf seines Sohnes setzte Helios die Strahlenkrone, die sonst er trug. Währenddessen wurden die feuerschnaubenden Pferde des Sonnenwagens vor diesen gespannt. Das Gefährt war aus purem Gold und mit Edelsteinen besetzt. Im Osten erschien Eos, die Göttin der Morgenröte und es wurde Zeit für Phaethon aufzubrechen. Helios ermahnte ihn nochmals, die Pferde nicht anzutreiben, sondern eher zu zügeln. Phaethon hörte vor lauter Vorfreude gar nicht mehr auf seinen göttlichen Vater. Dieser flehte ihn nochmals an, es sich noch einmal zu überlegen und einen anderen Wunsch zu äußern. Doch Phaethon sprang auf den Sonnenwagen und die Tore des Palastes schwangen auf.

Phaethon raste mit dem Sonnenwagen hinaus in den Raum und die Pferde flogen nur so dahin. Zunächst ging alles gut, doch schon bald bemerkten die feurigen Rosse, dass nicht Helios selbst die Zügel lenkte. Schon bald kam der Sonnenwagen vom Weg ab und flog durch das All. Phaethon wurde es angst und bange, als er merkte, dass er die Pferde nicht mehr in den Griff bekam. Sein Blick fiel nach unten und der Sohn des Sonnengottes erzitterte wegen der Höhe, die er mittlerweile erreicht hatte. Der Sonnenwagen geriet immer mehr außer Kontrolle und raste wieder auf die Erde zu. Die feurigen Rosse hörten nicht auf die Befehle von Phaethon und durchbrachen bereits die erste Wolkenschicht. Als Phaethon mit seinem Gespann der Erde zu nahe kam, begannen die Flüsse auszutrocknen und Bäume wurden in Brand gesteckt. Rings um den unglücklichen Sohn des Sonnengottes wurde die Welt von Flammen ergriffen. Phaethon spürte die unglaubliche Hitze und seine Füße glühten bereits. Plötzlich fing der Jüngling Feuer und stürzte vom Wagen. Wie eine Fackel wirbelte er durch die Luft und verbrannte. Helios konnte das Unglück nur tatenlos mitansehen und verhüllte sein Haupt in Trauer über den Tod seines Sohnes.

Sturz des Phaethon von Moschino, 16. Jh. (Quelle: Wikicommons)

Sturz des Phaethon von Moschino, 16. Jh. (Quelle: Wikicommons)

Das ist der Mythos über Helios und seinen Sohn Phaethon, der durch seinen jugendlichen Übermut den Tod fand. Geschichten über Hybris gibt es in der griechischen Mythologie viele wie z.B. jene vom „Sturz des Ikaros“ oder der von „Arachne“. Die oben erzählte Version des Mythos findet sich bei Ovid wieder. Es gibt auch die Variante in der Zeus mit einem Blitz Phaethon abschießt, um einen Weltenbrand zu vermeiden.

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