Mythos am Mittwoch – Gaius Mucius Scaevola

In manchen Mythen und Legenden spielen auch historische Persönlichkeiten eine Rolle, allerdings heißt das nicht, dass der Mythos dem reellen Verlauf der Geschichte entspricht. Ein Beispiel dafür stammt aus dem römischen Bereich.

Wir schreiben das Jahr 510 v. Chr. und befinden uns damit in einer Zeit als Rom noch weit davon entfernt war, das Zentrum der antiken Welt zu sein. Die Etrusker waren die beherrschende Macht auf der italischen Halbinsel. Der letzte König (rex) von Rom namens Tarquinius Superbus war entmachtet und getötet worden. Auf der italischen Halbinsel gab es einige mächtige Städte, die immer mal wieder miteinander im Clinch lagen. Ein paar Jahre nach der Ermordung des letzten römischen Königs wollte sich eben einer der Herrscher dieser Städte Rom zu eigen machen. Sein Name war Porsena und er herrschte über die Stadt Clusium. Im Jahr 507 v. Chr. begann er mit der Belagerung Roms. Soweit die historische Überlieferung. Nun existiert eine Legende, die die Befreiung Roms durch einen besonderen Helden zum Thema hat.

Der Mann von dem die Rede ist, hieß Gaius Mucius Scaevola, obwohl seinen Beinamen „Scaevola“ erhielt er erst nach seiner Heldentat. Der tapfere Mucius beschloss Porsena zu ermorden, damit die Belagerung eine Ende hat. Also schlich er sich in das feindliche Lager und gelangte sogar ins Zelt von Porsenna. Allerdings schien er nicht genau gewusst zu haben, wie sein Opfer aussah, denn Mucius tötet aus Versehen den Schreiber von Porsena. Daraufhin wurde er gefangen genommen und verhört. Während des Verhörs erzählte Mucius dem erschrockenen Porsena, warum er ins Lager geschlichen war. Um seine Furchtlosigkeit und seine Vaterlandsliebe unter Beweis zu stellen, hielt er seine rechte Hand über die Flammen eines heiligen Feuers. Mucius ertrug die Schmerzen und Verbrennungen ohne jegliche Klage. Davon war Porsena so beeindruckt, dass er Mucius frei ließ und bei den Römer um Frieden bat. Die rechte Hand des tapferen römischen Helden Mucius war verbrannt und nicht mehr zu gebrauchen. Als Mucius in seine Heimatstadt zurückkehrte, ehrte man ihn als Helden und nannte ihn von diesem Tag an „Scaevola“. Das bedeutet auf Deutsch übersetzt „Linkshänder“.

Mucius Scaevola vor Porsena (Quelle: Wikicommons)

Mucius Scaevola vor Porsena (Quelle: Wikicommons)

Das ist die Legende vom tapferen Römer Gaius Mucius Scaevola, der seine Heimatstadt vor den Feinden rettete. Die reale Geschichte nahm jedoch einen anderen Verlauf. Porsena eroberte Rom nämlich noch im gleichen Jahr und eine seiner ersten Anweisungen war, dass man nirgends mehr Eisen verwenden dürfe, außer bei den Pflugscharen. Die Römer wollten diese Demütigung durch die Verbreitung von Heldenlegenden etwas mildern. Über dieses Ereignis gibt es noch zwei weitere Mythen, nämlich die Legende von „Horatius“ und jene von „Cloelia“. Die Geschichte vom Mut des Gaius Mucius Scaevola ist ein gutes Beispiel dafür, dass in jedem Mythos ein wahrer Kern steckt, man darf nur nicht immer die ganze Geschichte glauben.

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